Darum gehts
Während Zuschauer und Teamkollegen noch Hoffnung hatten, war Curdin Orlik (33) bereits einen Schritt weiter. «Ich wusste direkt, dass die Saison vorbei war. Es hat derart geknackt. Da musste etwas kaputt sein», erzählt er gut sechs Wochen nach dem Schwarzsee-Schock.
Bis zu diesem Moment lag Orlik auf Schlussgangkurs. Mit Sven Lang und Jonas Burch hatte er zwei Eidgenossen bezwungen und gegen den späteren Festsieger Adrian Walther gestellt. «Ich fühlte mich an diesem Tag richtig gut.» Das änderte sich im Duell mit Patrick Betschart schlagartig.
Eine schmerzhafte Fahrt
Der Schwyzer bugsierte Orlik auf die Seite und drückte ihn letztlich auf den Rücken. Daraufhin griff sich der Eidgenosse an die linke Schulter. «Ich hatte noch nie so schlimme Schmerzen», sagt der Bündner im Dienst der Berner. Sofort kümmerten sich Sanitäter um Orlik. Die Stunden danach beschreibt der Bruder von Schwingerkönig Armon Orlik als «eine Qual».
In unschöner Erinnerung geblieben ist Orlik unter anderem die einstündige Fahrt vom Schwarzsee ins Spital. «Das war der Horror.» Damals wusste noch niemand, dass seine Schulter ausgekugelt war. «Jede noch so kleine Unebenheit habe ich gespürt. Es war brutal schmerzhaft.»
Erst im Spital wurde die Schulter wieder eingerenkt. Aufgrund der starken Schmerzmittel verschwimmen Orliks Erinnerungen. «Ich war völlig weg. Deshalb weiss ich kaum mehr etwas.» Mit dem Einrenken der Schulter war seine Leidensgeschichte aber noch nicht vorbei.
Eine mühsame Zeit
Ein MRI zeigte mehrere gerissene Sehnen. Zudem war ein Nerv eingeklemmt. «Ich hatte von der Schulter bis zum Ellbogen kein Gefühl mehr», erzählt Orlik. Weil sich der Nerv zuerst erholen musste, konnte der dreifache Eidgenosse erst zweieinhalb Wochen später operiert werden. «Ich musste wieder lernen, die Schulter zu lupfen.»
Was dramatisch tönt, nahm Orlik gelassen zur Kenntnis. Die Ärzte machten ihm von Anfang an klar, dass alles wieder gut kommen würde. «Trotzdem war es eine mühsame Zeit.» Als der Nerv wieder die gewünschten Funktionen durchführen konnte, folgte die Operation.
Eine blöde Schlafposition
Seither muss Orlik seinen linken Arm ständig in einer Schlinge tragen. Von insgesamt sechs Wochen hat er mittlerweile die Hälfte geschafft. «Richtig mühsam ist es beim Schlafen. Ich muss auf dem Rücken liegen und wache deshalb immer wieder auf.» Arbeiten kann der Bündner vorerst nicht.
Die Zeit vertreibt er sich unter anderem mit langen Spaziergängen. «Zum Glück darf ich laufen. Ich bin fast jeden Tag draussen unterwegs.» Daneben nützt er die frei gewordenen Stunden, um Freunde zu treffen oder «zu schlafen», wie Orlik lachend anfügt.
Eine positive Einstellung
Den Schwingsport verfolgt er nur am Rand. «Ich weiss schon, wer gewonnen hat. Aber es schmerzt, wenn ich sehe, wie die anderen das tun können, was ich auch gern tun würde.» Für den Kilchberger Schwinget Anfang September wird er den TV wohl gar nicht erst einschalten.
Mit der Verletzung hat er mittlerweile seinen Frieden geschlossen. «Ich konnte das bald einmal akzeptieren. Schliesslich lässt es sich nicht mehr ändern.» Sein Blick richtet sich längst nach vorn. Läuft die Heilung nach Plan, sollte Orlik im Januar wieder voll ins Schwingtraining einsteigen können.