Darum gehts
Ein teurer (Fehl)-Entscheid
Das Freiburger Kantonale war ein voller Erfolg. Perfektes Wetter, eine Arena direkt am Murtensee und sogar eine Flugshow der PC-7-Staffel sorgten für Volksfeststimmung. Vor zwei Wochen sah die Ausgangslage allerdings noch deutlich düsterer aus. Die Wetterprognosen kündigten Kälte und Regen an. Deshalb standen die Organisatoren vor einer schwierigen Entscheidung. Eine Heizung im Festzelt: ja oder nein?
Sie konnten nicht bis kurz vor Festbeginn warten und entschieden sich deshalb für die sichere Variante. Für rund 16'000 Franken installierten sie eine Heizung. Letztlich wurde diese zusätzliche Wärme dann doch nicht benötigt. In Murten kratzten die Temperaturen am Samstag an der 30-Grad-Marke. Trotz dieser teuren Fehlentscheidung dürften die Freiburger am Ende eine positive Bilanz präsentieren.
König verrät Geburtstagspläne
Eine bessere Vorbereitung als die von Armon Orlik auf das Hitze-Schwingfest in Näfels GL ist kaum möglich. Der Schwingerkönig weilte im Vorfeld für einige Tage im warmen Griechenland. Dort absolvierte er mit neun anderen Bündner Schwingern ein Trainingslager. «Wir haben unzählige Läufe im Sand gemacht. Das war brutal hart. Am nächsten Tag hatte ich Muskelkater», erzählte der Festsieger des Glarner-Bündner Schwingfests. Aufgrund des Auslandsaufenthalts verpasste er am Dienstagabend die Sägemehl-Einheit der von Beat Schläpfer und dem dreifachen Schwingerkönig Jörg Abderhalden ins Leben gerufenen Trainingsgruppe.
Etwas, das er an diesem Dienstag nicht wieder tun will – obwohl er seinen 31. Geburtstag feiert. «Das Training auszulassen, liegt nicht drin. Ich will wieder in meinen gewohnten Rhythmus kommen, das ist mir ganz wichtig.» Ein klein wenig gefeiert wird dafür im Geschäft. «Ich werde sicher etwas mitbringen. So gehört sich das an einem Geburtstag», erklärt der Holzbauingenieur. Für Selbstgebackenes bleibt keine Zeit. Daher wird sich Orlik wohl für einen fertigen Geburtstagskuchen entscheiden.
Tolle Käser-Aktion
Stephan von Büren (36) hat sich längst Kultstatus erarbeitet. Nicht wegen seiner Resultate, sondern aufgrund seiner Jubelausbrüche. Der Berner Teilverbandskranzer freut sich so sehr wie kaum ein anderer. Am Samstag bestritt von Büren nun sein letztes Oberaargauisches. An seinem Heimfest wollte er deshalb unbedingt noch einmal einen Kranz gewinnen. «Dann würde er als Stripper auf dem DJ-Pult auftreten», meinte Freund und Klubkollege Remo Käser lachend. Von Bürens Partyqualitäten sind im Schwingerkreis bestens bekannt.
Zu Ehren seines Kumpels trug Käser in Niederbipp BE ein speziell angefertigtes T-Shirt. Darauf zu sehen: «Vobi» als Superman. «Er mag es gar nicht, wenn ich ihn so nenne», verrät Käser. Mittlerweile ist er Technischer Leiter beim Schwingklub Kirchberg, dem auch von Büren angehört. Wie viele andere hoffte Käser auf einen letzten Kranz-Coup. Der Traum vom perfekten Abschied platzte allerdings. Gefeiert wurde er trotzdem. Von Büren liess sich auf einem Traktor durch die Arena chauffieren. Ob er nach dem verpassten Kranz tatsächlich auf seinen Auftritt auf dem DJ-Pult verzichtet hat oder sich später doch noch auszog, ist nicht überliefert.
«Scheiss»-Stimmung im Seeland
Dieser Doppelausfall vor dem Oberaargauischen schmerzte die Seeländer sehr. Mit Matthieu Burger und Philipp Roth mussten sich gleich zwei Eidgenossen krankheitsbedingt abmelden. Beide litten an einer Magenverstimmung. Wie man hörte, suchten sie deshalb deutlich häufiger als sonst das WC auf.
Besonders bitter war das Forfait für Burger. Er hätte sich nur zu gerne revanchiert, nachdem er am Heimfest in Ipsach BE überraschend gegen Jonas Wüthrich verloren hatte. Auch Roth hatte nach dem verpassten Kranz noch eine Rechnung offen. Beide dürften aber bald wieder wettkampfmässig im Sägemehl stehen.
König Wicki erhält spezielles Geschenk
Emotionaler Moment am Luzerner Kantonalen in Ruswil: Schwingerkönig Joel Wicki wird vom Luzerner Kantonalen Schwingerverband offiziell verabschiedet. Nachdem der 29-Jährige im Januar seinen Rücktritt bekannt gegeben hatte, holte ihn der Verband am Ende des Festakts noch einmal auf die Bühne für eine Ehrung. Dort wartete auf Wicki ein symbolisches Geschenk, das für Lacher sorgte: eine Heugabel.
Überreicht wurde sie von Verbandspräsident Eugen Senn. Seine Erklärung zum ungewöhnlichen Abschiedsgeschenk: «Diese Gabel ist nicht zum Verscheuchen von Autogrammjägern und Dopingkontrolleuren, sondern ganz einfach zum Heuen. Bei deiner Kraft kann eine solche ja schnell kaputtgehen.»
Ab ins Stadion
In diesem Sommer findet das Berner Kantonale im Wankdorf statt. Auch 2027 werden die Schwinger in einem Fussballstadion in die Zwilchhosen steigen. Das ursprünglich in Horw geplante Luzerner Kantonale zügelt in die Luzerner Thermoplan Arena. Das geben die Organisatoren auf ihrer Homepage bekannt. Eine temporäre Arena am ursprünglichen Standort wäre «mit erheblichen baulichen Eingriffen verbunden und aus ökologischer Sicht nicht verantwortbar». Innerhalb der Gemeinde konnte kein Ersatzort gefunden werden, so fiel die Wahl aufs Luzerner Stadion. Finden künftig mehr Schwingfeste im Fussballstadion statt? Mit dieser These hat Blick vor der Saison König Matthias Sempach (40) konfrontiert. Er ist überzeugt, dass sich dieser Trend fortsetzen wird, denn es sei sinnvoll, bestehende Infrastrukturen zu nutzen. «Ich begrüsse das auch, möchte aber nicht auf Schwingfeste in der Natur verzichten», so Sempach. «Das zeichnet unseren Sport schliesslich auch aus. Diese Atmosphäre ist einzigartig.»
Hiltbrunner beruhigt Moser
Obwohl Michael Moser (20) gerade in Niederbipp BE triumphiert hat, wirkte der Berner nicht restlos zufrieden. «Ich hoffe, wir sind immer noch Kollegen», sagte das Supertalent im Anschluss. Damit meinte er seinen Freund Fabio Hiltbrunner (20), den er im Schlussgang bezwang. Als Blick den Sensationssieger von Appenzell etwas später darauf anspricht, meint dieser schmunzelnd: «Wir sind natürlich weiterhin sehr gute Kollegen. Eine Freundschaft muss das aushalten.» Damit dürfte Moser beruhigt sein. Nachdem der erste Frust verdaut war, zeigte sich Hiltbrunner dann auch zufrieden mit seiner Leistung: «Ich war heute befreiter im Kopf. Daran habe ich bewusst gearbeitet. Schön zu sehen, dass es genützt hat.» Mit dieser Leistung demonstrierte er, dass wieder mit ihm zu rechnen ist. Vor dieser Saison fiel Hiltbrunner gut eineinhalb Jahre mit Schulterproblemen aus.
Die königliche Premiere
Seit dem Königstitel ist Armon Orlik der Gejagte. Mit dieser Rolle geht er gut um. Nach Platz 2 bei seinem ersten Kranzfest als König folgt im zweiten Anlauf der erste Festsieg. Wie ist es seinen Vorgängern seit 2010 ergangen? Joel Wicki und Matthias Sempach gewannen jeweils ihr erstes Kranzfest als König. Gleiches gilt für Christian Stucki – der allerdings fast zwei Jahre darauf warten musste. Seine erste Königssaison fiel der Corona-Pandemie zum Opfer. Kilian Wenger brauchte etwas länger. Nach je zwei zweiten und dritten Plätzen hats bei ihm im fünften Anlauf mit dem Festsieg geklappt. Und Matthias Glarner? Der König von 2016 feierte seine 14 Festsiege vor dem ESAF-Triumph. Mitunter liegt das daran, dass er im Sommer 2017 einen schweren Unfall hatte. Er stürzte vom Dach einer Gondel und zog sich dabei eine vordere Beckenringsprengung und eine Sprunggelenkverletzung zu. Nach seinem Comeback gewann er noch dreimal einen Kranz.
Der unerwartete Rücktritt
Die Südwestschweizer sind mit fünf Eidgenossen in die Saison gestartet, jetzt sind es nur noch vier. Sven Hofer hat überraschend seinen Rücktritt bekannt gegeben. Eigentlich wollte er noch sein Heimfest, das Freiburger Kantonale, bestreiten, doch einen Tag vor diesem macht der 30-Jährige seinen Entschluss öffentlich. «Aufgrund einer erneuten Bänderverletzung am Fussgelenk beende ich meine Schwingkarriere per sofort, einen Tag früher als geplant», schreibt er auf Instagram und bedankt sich für die schönen Momente. Hofer gewann 18 Kränze, darunter 2022 den eidgenössischen. Als Bestresultate stehen vier dritte Plätze beim Freiburger Kantonalen zu Buche. Bereits letztes Jahr hatte Hofer mit Verletzungen zu kämpfen und verpasste deswegen das Eidgenössische.
Ott-Bezwinger liebt Legos
Den Sieg sicherte sich der Bündner Schwingerkönig Armon Orlik. Die schönste Geschichte des Tages schrieb jedoch der 17-jährige Sales Tschudi. Bei seinem Heimfest legte er den Kilchberger-Sieger Damian Ott sensationell aufs Kreuz. Danach forderte er im Schlussgang auch Orlik alles ab. «Das war ein irrsinnig schöner Tag», bilanzierte Tschudi nach seiner Niederlage im letzten Kampf. Neben seiner grössten Leidenschaft, dem Schwingsport, gibt es noch etwas anderes, das der Glarner fast genauso gerne tut. «Ich liebe es, Legos zusammenzusetzen», erklärt er. Besonders stolz ist er auf einen Angriffskreuzer aus «Star Wars».
Nach 17 Stunden hatte er die über 5000 Lego-Teile an ihrem richtigen Ort platziert. Die Ruhe beim Zusammenbauen steht im krassen Gegensatz zum Trubel auf dem Schwingplatz. «Leider finde ich aktuell fast keine Zeit für meine Legos», so der Gymnasiast. Nachdem er seinen ersten Kranzfestsieg nur knapp verpasst hat, will er in Zukunft noch mehr und noch härter trainieren. Seine Legos werden deshalb wohl noch eine Weile im Schrank bleiben.
Eine spezielle Premiere
Für die Familie Wicki war das Luzerner Kantonale am Pfingstmontag gleich doppelt emotional. Wenige Minuten nachdem der Schwingerkönig geehrt wurde, sorgte sein älterer Bruder Kevin Wicki für Tränen. Im Alter von 34 Jahren gewann dieser tatsächlich noch seinen ersten Kranz.
Seit über einem Jahrzehnt kämpfte Kevin Wicki immer wieder vergeblich für diesen Moment. Nun platzte der Knoten endlich. Nachdem Kevin Wicki seinen letzten Gang gewonnen hatte und der Kranz definitiv festgestanden hatte, brachen alle Emotionen aus ihm heraus. Er liess sich neben dem Sägemehlring zu Boden fallen und verdrückte einige Freudentränen. Zu den ersten Gratulanten gehörte natürlich Bruder Joel.
Die Kilchberg-Champions
2021 haben Samuel Giger, Damian Ott und Fabian Staudenmann punktgleich den Kilchberger Schwinget gewonnen. Auch fünf Jahre später gehören sie noch immer zu den Schwingern, die es zu schlagen gilt. Anfang September wollen sie ihren Titel verteidigen. Grund genug, ihre Kranzfestsaison genauer unter die Lupe zu nehmen. Samuel Giger geht beim Luzerner Kantonalen als Topfavorit an den Start – und wird von den Einheimischen eiskalt ausgebremst. Sowohl gegen Sven Schurtenberger als auch gegen Samuel Schwyzer kommt er nicht über einen Gestellten hinaus. Und muss so seine Ambitionen auf den Festsieg schon am Mittag begraben. Am Ende wird er Dritter – auch, weil er am Nachmittag dreimal gewinnt.
Damian Ott steigt derweil am Glarner-Bündner in die Zwilchhosen. Und kassiert seine erste Saisonniederlage. Und das nicht gegen einen gestandenen Eidgenossen, sondern gegen den 17-jährigen Sales Tschudi. Trotz Niederlage reichts für einen Kranz. Daneben stellt er gegen König Armon Orlik und gewinnt vier Duelle, er wird Siebter. Fabian Staudenmann hat an diesem Wochenende an keinem Kranzfest teilgenommen.