Darum gehts
- Spitzenschwinger reduzieren Arbeitspensum dank Sponsorengeldern
- Im Jahr 2025 erzielten die Athleten Rekordeinnahmen – über 3 Millionen Franken
- Für Ärger in der Schwing-Szene sorgt weiterhin die Abgabe an den Verband
Im Schwingsport wird gerne betont, dass hier keine Profis am Werk sind. Doch der Alltag vieler Spitzenschwinger erzählt längst eine andere Geschichte. Immer mehr Athleten reduzieren ihr Arbeitspensum deutlich, um sich stärker auf Training und Regeneration konzentrieren zu können. Möglich machen das Sponsorengelder.
Diese flossen auch im vergangenen Jahr reichlich. Wie aus dem Geschäftsbericht des Eidgenössischen Schwingerverbands (ESV) hervorgeht, erreichten die Werbeverträge erneut eine Rekordhöhe. Insgesamt wurde die Marke von drei Millionen Franken zum wiederholten Mal überschritten.
Ärger über Abgaberegel
Diese Zahl entspreche jedoch nicht ganz der Wirklichkeit, wie ein noch aktiver Kranzfestsieger einst erklärte: «Die Sponsoreneinnahmen sind rund eine Million Franken höher als angegeben. Viele gute Schwinger besitzen einen Autosponsor, damit fallen das Benzin und die Versicherung weg. Zudem schenken die Prämien ein.»
Dass ausgerechnet im ESAF-Jahr 2025 ein neuer Rekord erzielt wurde, überrascht nicht. Der Verband sagte das im vergangenen Frühling voraus: «Weil die Sponsoren noch einmal eine grössere Plattform haben.» Den Grossteil der 3,66 Millionen Franken teilen sich fünf bis zehn Spitzenleute untereinander auf.
Zuoberst auf der Sponsoren-Rangliste steht der Name von Armon Orlik. Der Königstitel katapultierte ihn in neue Sphären. Kein Schwinger ist aktuell interessanter als er. Dahinter folgt Unspunnensieger Samuel Giger. Schliesslich hat der Thurgauer als einer der wenigen Schwinger ein internationales Grossunternehmen als Sponsor. Den dritten Platz teilen sich wohl Kilchberger-Sieger Fabian Staudenmann und ESAF-Schlussgänger Werner Schlegel.
Behalten dürfen die Schwinger aber nicht alles. Seit 2011 müssen die Aktivschwinger zehn Prozent ihrer Werbeeinnahmen dem ESV abgeben. Das machte im vergangenen Jahr 366'271 Franken. Und damit fast 10 Prozent mehr als 2024.
Damit einverstanden sind längst nicht alle. «Gemäss Rückmeldung von verschiedenen Stellen stehen einzelne Schwinger der Höhe der Werbeabgabe immer noch kritisch gegenüber», heisst es im Geschäftsbericht des Verbandes. Diese Aussage deckt sich mit den Gesprächen, die Blick mit verschiedenen Athleten geführt hat.
König Wicki muss weiter bezahlen
Die Werbeabgaben werden vom Verband «zugunsten der Nachwuchsförderung» eingesetzt. Doch nicht alles Geld fliesst dorthin, was manche Schwinger zusätzlich ärgert. Investiert wird auch in den Kampf gegen Doping oder in die Ausbildung der Kampfrichter. Der Verband nimmt die Kritik gelassen zur Kenntnis. Er verweist darauf, dass jeder Schwinger einen Antrag auf eine Reglementsänderung stellen könnte.
Doch nicht nur die aktiven Schwinger müssen einen Teil ihrer Werbeeinnahmen abgeben. Wer zurücktritt, muss in den darauffolgenden drei Jahren noch fünf Prozent beim Verband abliefern. Deshalb ist beispielsweise auch Schwingerkönig Joel Wicki noch nicht davon erlöst. Entsprechend sind die 3,66 Millionen Franken eine Mischrechnung. Wobei ein Grossteil von den noch aktiven Athleten stammt.