Es ist ihr grosser Tag: Sigrid Haugset zeigt bei der dritten Etappe der Tour de France eine Parforceleistung. Nach einer ultralangen Rekordflucht über 88 Kilometer siegt die 27-Jährige im französischen Poligny solo und löst die holländische Sprintspezialistin Lorena Wiebes, die auf Schweizer Boden in Lausanne und Genf jeweils triumphiert hat, als Gesamtleaderin ab.
Dabei sieht es bis rund zehn Kilometer vor dem Ziel dieses 156,6 Kilometer langen hügeligen Teilstücks, das in Genf begonnen hat, danach aus, als würde Lotte Kopecky zu Haugset aufschliessen. Der Abstand schrumpft zeitweise auf zehn Sekunden. Doch die Norwegerin findet im Finish noch einmal einen Extragang und siegt letztlich mit einer Minute und 24 Sekunden Vorsprung gegenüber der Belgierin.
«Ich dachte, dass Lotte mich einholen würde und stellte mir die Frage, ob ich mich zurückfallen lassen soll. Ein zweiter Platz wäre ja auch gut. Unglaublich, dass sie mich nicht eingeholt hat», erklärt Haugset nach ihrem Husarenritt mit einem breiten Grinsen im Gesicht – und sorgt gleich für den nächsten Schmunzler: «Am Ende war mir schwindlig. Ich weiss, mein Freund wird sich darüber ärgern, dass ich nicht gejubelt habe, aber ich konnte meine Arme einfach nicht hochheben. Das war unmöglich.» Zu 100 Prozent stimmt diese Aussage allerdings nicht. Einen Arm, den linken, hat Haugset bei der Überquerung der Ziellinie doch total entkräftet in die Luft reissen können.
Die beiden Schweizerinnen Noemi Rüegg (Tagessechste) und Marlen Reusser (Tages-37.) erreichen mit dem Feld das Ziel – zwei Minuten und 48 Sekunden nach Haugset. Am Dienstag findet von Gevrey-Chambertin nach Dijon ein 21 Kilometer langes Einzelzeitfahren statt. Rüegg liegt im Gesamtklassement als Vierte zwei Minuten und zehn Sekunden hinter Haugset. Zeitfahrweltmeisterin Reusser ist mit dem gleichen Rückstand an elfter Stelle klassiert.