Tour-Favoritin Reusser ist in einer Sache viel vorsichtiger
«Wir werden kein Risiko mehr eingehen»

Tour-de-Suisse Siegerin Marlen Reusser kehrt nach einem dreiwöchigen Block im Gebirge ihrer zweiten Heimat Andorra in die Schweiz zurück. Hier startet sie als Mitfavoritin in die Tour de France Femmes. Sie hofft auf «den Wahnsinn» – und einen ruhigen Magen.
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Marlen Reusser will bei der Frankreich-Rundfahrt wieder angreifen.
Foto: keystone-sda.ch

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Marlen Reusser bereitet sich auf Tour de France vor – aber nicht zu Hause
  • Nach Lebensmittelvergiftung 2022: Teamkoch diesmal als Erster vor Ort
  • Reusser hat turbulentes Halbjahr hinter sich
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Marco PescioReporter Sport

Marlen Reusser (34) hätte vor der Tour de France Femmes eigentlich ein doppeltes Heimspiel – und trotzdem schläft sie nicht in ihrem eigenen Bett. Ihren dreiwöchigen Trainingsblock vor dem grossen Saisonhighlight hat sie in Andorra absolviert, wo sie mit Freund und Trainer Hendrik Werner eine Wohnung hat. Da sich diese allerdings nur auf 1000 Metern über Meer befindet, entschied sich Reusser, die ganze Zeit über im Teamcamp auf 2000 Metern zu bleiben. Und dann gäbe es ja auch noch den Tour-Start in der Schweiz. 

Vor dem Auftakt am Samstag in Lausanne wäre auch ein Abstecher zu ihrem bloss 90 Kilometer Luftlinie entfernten Zuhause in Hindelbank BE nicht abwegig gewesen. Doch die letztjährige Einzelzeitfahr-Weltmeisterin hat sich direkt in der Romandie einquartiert. Das klinge vielleicht lustig, «aber es macht sonst einfach keinen Sinn», so Reusser, die erneut zu den grossen Anwärterinnen auf den Gesamtsieg zählt. Es passt zu ihrer Einstellung vor der Tour. Die Bernerin will keine Kompromisse.

«Der Koch ist der Erste, der anreisen muss»

Im Vorjahr hatte sie sich im Vorfeld der Frankreich-Rundfahrt bei einem Restaurantbesuch eine Lebensmittelvergiftung eingeholt – daraufhin wurde sie in der ersten Etappe in einen Massensturz verwickelt und musste die Tour krank und entkräftet aufgeben. Ähnliche Szenarien sollen in Zukunft möglichst ausgeschlossen werden, so Reusser: «Letztes Jahr war der Koch noch nicht da, weshalb wir auswärts essen gehen mussten. Jetzt ist der Koch der Erste, der anreisen muss. Wir werden im Team kein Risiko mehr eingehen.» Die Vegetarierin sei «absolut gegen das Wegwerfen von Lebensmitteln», trotzdem sei sie in dieser Hinsicht «viel vorsichtiger» geworden. Schliesslich stecke sie als Profisportlerin enorm viel Arbeit in ihren Körper.

Mit dem stets mitfahrenden Risiko auf der Strasse könne sie hingegen gut leben: «Wenn du Radrennen – und besonders die Tour de France – fährst, gehst du das freiwillig ein. Mir ist bewusst, dass dieser Sport gefährlich ist. Ich nehme das Risiko in Kauf, dass ich an gewissen, tückischen Stellen eventuell am Boden liege und im Spital lande.»

Gerade der Tour-Start in der Romandie könnte einige anspruchsvolle Passagen mit sich bringen, wie sie sagt. Sie meint damit beispielsweise die Gegebenheiten im Hinterland von Lausanne, enge Stellen in kleinen Dörfchen – oder «viele Strassenberuhigungsmassnahmen». Stürze wären für sie dort alles andere als eine Überraschung. Im Gegenteil: «Das Rennen wird wohl extrem nervös und extrem spannend.»

«Das wäre der Wahnsinn!»

So viel zu den sportlichen Rahmenbedingungen, auf die atmosphärischen hingegen freue sie sich «ultra fest»: «Ich hoffe, dass es ein grosses Fest gibt. Und sollte am Schluss das Gelbe Trikot herausschauen, wäre das der Wahnsinn!»

Reusser hat bislang ein turbulentes erstes Halbjahr erlebt. Sie stürzte mehrmals, musste sich an Knie und Hand nähen lassen, an der Flandernrundfahrt brachen zudem zwei Rückenwirbel. An der Tour de Suisse gelang ihr wiederum der Gesamtsieg. Und jetzt? Müsse sie erst einmal «selber herausfinden», wo sie stehe.

Sicher ist, dass sie zu den Top-Favoritinnen gehört. Fest steht aber auch, dass es einige Fahrerinnen gibt, die gefährlich werden können. Oder wie Reusser die Ausgangslage in Konkurrenz mit Demi Vollering (29) und Co. beschreibt: «Es ist ausgeglichen – eigentlich wie bei den Männern. Minus Pogacar.» Jemand, der die Szene derart dominiert, wie es der 27-jährige Slowene bei der Herren-Tour macht, gibt es auf weiblicher Seite nicht.

Reusser hat mit Sicherheit das Zeug, um den Sieg mitzumischen. Sie selbst erfreut sich zunächst aber in erster Linie an ihrer Gesundheit: «Ich bin frei von all den Problemen, die ich zuletzt hatte. Nun werden wir sehen, wie gut sich das auswirkt.»

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