Michelle Andres (29) sitzt am Flughafen Zürich und wartet auf den Abflug nach Shanghai. Dort beginnt für die Schweizer Bahnfahrerinnen und Bahnfahrer mit der WM die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles.
In China will Andres wieder auf dem Velo für Aufsehen sorgen, nachdem sie sich in den letzten Monaten auch als Rad-Expertin bei SRF einen Namen gemacht hat.
«Musste mich nicht mega vorbereiten»
Dass sie einmal regelmässig Rennen im Fernsehen analysieren würde, war keineswegs geplant. Nach den Olympischen Spielen in Paris suchte SRF eine neue Expertin. Andres hatte zuvor beiläufig erwähnt, dass sie bei Bedarf einspringen würde. Dann meldete sich SRF. «Es ist wirklich völlig unerwartet gekommen», sagt Andres.
Viel Vorbereitung habe es nicht gebraucht. «Ich bin sehr kommunikativ und musste mich eigentlich nicht mega vorbereiten», sagt sie. Resultate und Social Media habe sie geprüft, vieles komme aber auch daher, dass sie selbst mitten im Radsport stecke.
Diese Nähe will Andres einbringen. Sie wolle nicht nur die Sieger zeigen. «Sport wird oft sehr heroisiert. Im Scheinwerferlicht sieht man vor allem die Besten. Aber die anderen, die es nicht geschafft haben, sind genauso enttäuscht und haben genauso viel investiert.» Ihr Ziel: den Radsport nahbarer machen.
Andres sieht sich als Athletin
Andres hat für den TV-Job viel positives Feedback erhalten. «Natürlich ist es schön, wenn alle sagen, dass du es super machst», sagt sie. Besonders wichtig ist ihr die Meinung von Menschen, die sie persönlich kennen. «Sie wissen genau, wenn ich etwas Falsches erzähle.» Von ihnen erhalte sie viel Unterstützung.
Die Prioritäten sind für Andres aber weiter klar: «Ich bin Athletin und mache nebenbei noch etwas als Expertin.» Auch künftig will sie aber für SRF Rennen kommentieren, sofern es sich mit ihrem Rennkalender vereinbaren lässt. Und dort wartet jetzt Shanghai. Andres bestreitet ihre fünfte Weltmeisterschaft und fährt erstmals das Omnium. Dazu kommen Mannschaftsverfolgung und Madison. «Die Qualifikation ist ganz klar das Ziel», sagt sie.
Andres glaubt, dass sie noch Luft nach oben hat. «Ich habe das Gefühl, dass ich immer besser werde. Ich habe mein Potenzial noch nicht erreicht.» Bis Los Angeles will sie dieses weiter ausschöpfen.
Und was danach kommt? Noch offen. «Du kannst deine Karriere am Ende auch nicht auf Titel limitieren», sagt Andres. Vorerst gilt aber: Velo vor Mikrofon.