«Solche Momente geniesse ich. Für einmal steht da nicht mein Sport im Vordergrund», sagt Flurina (29) beim Bummel durch Samedan GR mit ihrer Schwester Anna (28) und deren Tochter Mavie (3). Anna macht mit Partner und Kindern im Oberengadin Ferien und nützt die Gelegenheit, ihre Schwester zu treffen. Profi-Paracyclerin Flurina Rigling absolviert hier das Sommertraining. «Meine Familie ist mein Rückgrat und mein Rückhalt», sagt die Zürcherin aus Hedingen. «Sie unterstützen mich in jeder Lage. Mental und indem sie mich abholen, mal die Wäsche aufhängen oder mein Rad zum Mech bringen. Sie haben Verständnis und wissen, was es bedeutet, Spitzensport zu machen.»
Vor dem Treffen mit ihrer Schwester hat Flurina Rigling eine harte Einheit absolviert: von der Berninapasshöhe nach Zernez, dann rauf auf den Ofenpass, runter nach Livigno (It) und wieder rauf zum Ausgangspunkt. 120 Kilometer, 1800 Höhenmeter, in 4,5 Stunden. Flurina Rigling lacht. «Die Beine sind nicht mehr ganz frisch.»
Morgenbad im kühlen See
Drei Wochen dauert das Höhentraining der mehrfachen Weltmeisterin. Sie absolviert es allein – das Programm hat ihr Trainer Michael Pleus zusammengestellt. «Ich trainiere genau so professionell wie Nicht-Para-Radprofis. Doch ohne Unterstützung von einem Team», sagt die SI-Kolumnistin. Die Gesamtweltcupsiegerin 2026 hat an jeder Hand nur einen Finger und an jedem Fuss nur einen Zeh. Riglings Schuhe und ihre Hightech-Rennvelos sind auf ihre Bedürfnisse angepasst. Im Jahr macht sie 15'000 Trainingskilometer. Vor ein paar Monaten hat sie ihr Studium in Politikwissenschaften mit dem Master abgeschlossen.
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Während des Sommertrainings hat Flurina Rigling ihr Logis im Hotel Bernina Hospiz auf 2300 Metern über Meer. Vor dem Zmorge badet sie kurz im kalten See auf der Passhöhe. Dann gehts aufs Velo. Zweimal pro Woche Krafttraining im Gym von Swiss Olympic in St. Moritz, zweimal wöchentlich Physiotherapie in Samedan. Der Albula sei am anstrengendsten gewesen, «es war brutal heiss.»
Höhentraining ist extremer Stress
Vor dem Einschlafen liest Rigling das Buch «Fear less» – wie man im Leben gewinnt ohne die Persönlichkeit zu verlieren. Sie geniesse die Zeit des Höhentrainings, «auch wenn es für den Körper extremer Stress ist, ich schlecht schlafen kann. Das Leben hier ist spartanisch.»
Anfang September findet im amerikanischen Huntsville die WM statt – dort will sie ihre beiden Titel verteidigen, ebenso im November bei der Bahn-WM in Holland. Bei einem guten Resultat schminkt sie sich vor der Siegerehrung, «im Alltag mache ich das selten.» Sie sei gut in Form. «Das Engadin gibt mir den letzten Kick.»