Cuche wird im House of Switzerland gefeiert
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Gold-Party in Cortina:Cuche wird im House of Switzerland gefeiert

Ist Gold-Held Robin Cuche ein Hasardeur?
Experte mit klarer Meinung zum hohen Risiko im Para-Ski

Wie einst Abfahrts-Held Didier Cuche rast sein Neffe Robin Cuche zu grossen Siegen. Doch beim Paralympics-Star wird mehr hinterfragt, ob man als Beeinträchtigter eigentlich das hohe Risiko eingehen sollte. Experte Lukas Christen hat dazu eine klare Meinung.
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Der ehemalige Paralympics-Sieger Lukas Christen (Weitsprung, Sprint, Mehrkampf) schreibt als Experte für Blick.ch über die Paralympics.
Foto: PHILIPP SCHMIDLI | Fotografie

Sich als Nicht-Behinderter mit weit über 100 km/h eine Piste runterzustürzen und sich dabei am Limit des Machbaren mit anderen Top-Athleten zu messen, ist faszinierend.

Didier Cuche gewann in tollkühner Manier mehrmals die höllische Hahnenkamm-Abfahrt in Kitzbühel. Wenn sein Neffe Robin Cuche als Mensch mit körperlichem Handicap – zwar mit etwas geringerem Tempo, aber immer noch um die 100 km/h – sowohl die Paralympics-Abfahrt als auch den Super-G (Kategorie Standing) gewinnt, dann ist das umso bemerkenswerter.

Die Stürze an den Paralympics werfen Fragen auf

Der Holländer Jeroen Kampschreur (Kategorie Sitting) stürzte in seinem Sit-Ski in der Abfahrt – und gewann am nächsten Tag den Super-G. Wer die Bilder des Sturzes sieht, fragt sich wohl: «Muss das sein? Man ist doch schon behindert? Warum es noch herausfordern?»

Die Speed-Disziplinen im Ski Alpin zeigen, dass sich Spitzensport und Vernunft nicht immer besonders gut vertragen. Aber sind diese Top-Cracks deswegen Hasardeure? Nein! Im Gegenteil. Sie arbeiten oft jahrelang und sehr bedacht auf solche Wagnisse hin.

Sie wissen sehr genau, was sie tun. Und bei der Frage, warum sie es tun, kommen bei Para-Athleten ähnliche Antworten wie bei den Nichtbehinderten. Den Ritt auf Messers Schneide zu wagen hat viele Motive. Didier Cuche musste sich dafür nie rechtfertigen. Warum sollte es dann Robin müssen?

Wer das «Cuche»-Gen aktiviert, kann lernen, wie man am Limit erfolgreich unterwegs ist. Ob es hingegen angesagt ist, das «Lindsey Vonn»-Gen zu aktivieren, wäre eine ganz andere Story…

Lukas Christen (59) verlor mit 21 Jahren bei einem Töffunfall sein linkes Bein. Parallel zum Wirtschaftsstudium wurde er als Sprinter und Weitspringer zu einem der weltbesten Behindertensportler. Christen nahm 1992, 1996 und 2000 an den Paralympics teil und holte fünfmal Gold. Die Paralympics 2026 in Italien begleitet der Zentralschweizer als Blick-Experte.

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