Darum gehts
- Schweiz schwach bei Winter-Paralympics, trotz Top-Athleten, Infrastruktur fehlt
- Monoski kostet wie Occasionsauto, Wintersport teuer und unzugänglich
- Fünfmal Gold für Lukas Christen bei Paralympics 1992 bis 2000
Die Schweiz räumt wie jüngst an den Olympischen Winterspielen regelmässig ab – aber an den Winter-Paralympics ist die Schweiz bisher alles andere als eine Grossmacht. Wie kommt das?
Wintersport ist teuer und aufwendig. Ein Monoski zum Beispiel kostet so viel wie ein Occasionsauto. Deshalb ist es für einen frischversehrten Athleten viel einfacher, ins Sichtungstraining im Rollstuhlbasketball oder Badminton zu gehen als auf den Slalomhang oder die Snowboardpiste.
Zudem wirken die Ikonen Heinz Frei, Cathrine Debrunner oder Marcel Hug für die Sommersportarten wie Magnete auf junge Talente. Diese fehlen uns im Wintersport.
Hört die Wintersportliebe beim Para-Sport auf?
Strategie und Struktur auf Verbandsebene sind unterschiedlich. Spitzennationen wie die USA arbeiten über Veteranenprogramme. Norwegen über koordinierte staatliche Förderung, Deutschland über Reha‑Zentren, Holland über technologiegetriebenen Ehrgeiz.
Die Schweiz hingegen muss sich zu oft mit Freiwilligenarbeit und Idealismus begnügen. Die Folge: Enthusiasmus statt Strategie; Einzelkämpfertum statt Struktur.
Spitzenplätze an Winter-Paralympics sagen oft mehr über die Organisation hinter den Athleten aus. Ja, einige der Schweizer Athleten der Winter-Paralympics gehören zur Weltspitze; die Organisation dahinter noch nicht. Es fragt sich deshalb: Wenn wir Wintersport wirklich lieben, warum investieren wir nicht durchdachter und arbeiten professioneller?
Im Sommer sind wir Weltklasse; im Winter noch nicht. Dieser Widerspruch muss aufgelöst werden. Schön wäre es, wenn die Athleten nun in Cortina mit Top-Resultaten vorangehen.
Lukas Christen (59) verlor mit 21 Jahren bei einem Töffunfall sein linkes Bein. Parallel zum Wirtschaftsstudium wurde er als Sprinter und Weitspringer zu einem der weltbesten Behindertensportler. Christen nahm 1992, 1996 und 2000 an den Paralympics teil und holte fünfmal Gold. Die Paralympics 2026 in Italien begleitet der Zentralschweizer als Blick-Experte.