Darum gehts
- Corinne Suter kämpft in Cortina um eine Super-G-Medaille bei Olympia
- Trotz Verletzungen und Rückschlägen fühlt sie sich ruhiger und entspannter
- Suter hatte 17 Sprünge pro Tofana-Fahrt, Dezember: Fussbruch, ein Monat Pause
Fussball, der grösste Sport der Welt. Stellen Sie sich vor, Sie rennen mit dem Ball am Fuss alleine auf den Torhüter zu. Was tun Sie? «Am besten nichts überlegen», ist das Patentrezept. Sagen viele Profis. Der Gedanke dahinter: Wer anfängt, zu studieren, hat schon verloren. Und der Ball geht dann sicher nicht rein.
Was das mit Corinne Suter zu tun hat? Auch die 31-Jährige hat ähnliche Gedanken – wenn auch auf den Ski. «Nicht gross überlegen, sondern einfach fahren», ist ihre Devise. Dann käme es am besten raus. Tönt einfach, ist es keineswegs. Suter ist auf der Suche nach dem Flow – auch in Cortina (It). In den Abfahrtstrainings verlor sie fast drei Sekunden, in der Olympia-Abfahrt dann 1,91 Sekunden und in ihrem Team-Kombi-Lauf 1,51 Sekunden. Suter wird besser und besser. Aber reicht eine erneute Steigerung, um im Super-G um die Medaillen zu kämpfen?
Der Schwyzerin ist bewusst, dass sich dafür ein Knopf lösen muss. Ihr Ziel: an einem Punkt zu sein, wo sie nicht mehr über Linie, Material, Schneebeschaffenheit und Wetter nachdenkt. Alles soll intuitiv sein. Aber eben, genau das ist die Krux. «Wie überlegt man nichts?», fragt sie. Es ist rhetorisch gemeint.
«Ich weiss, was auf mich zukommt»
Suter ist eine Frau für Grossanlässe. 2019 ging ihr Stern auf – Silber und Bronze bei der WM in Are (Sd). Zum Star wurde sie 2021. Weltmeisterin. Wo? In Cortina. Also da, wo sie sich auf ihren nächsten Auftritt vorbereitet. «Ich bin mega gern hier. Die Piste, das Essen, die Dolomiten – alles super», sagt sie nach der Anreise. Und: «Ich bin ruhiger als früher, entspannter. Ich hoffe, dass ich alles mehr geniessen kann als früher.»
Es sind Suters dritte Olympischen Winterspiele. «Die ersten in Europa. 2018 in Pyeongchang war ich so unerfahren und hatte keine Ahnung, was auf mich zukommt. Ich war extrem nervös, denn von Olympia hatte ich schon als Kind immer geträumt», blickt sie zurück.
Vier Jahre später holte sie in Peking Gold in der Abfahrt. Corona war damals überall präsent. «In China kam mir entgegen, dass nicht viel los war, alles war ruhig. In Cortina ist es schon anders, es ist mehr los.» Macht sie sich deswegen Sorgen? «Nein. Es ist schön, dass Familie und Freunde kommen. Der Schnee, die Tore, die Piste – ich weiss, was auf mich zukommt.»
Gold, Gehirnerschütterung, Kreuzbandriss – alles in Cortina
Die letzten Tage hinterlassen bei Suter Spuren – vor allem körperliche. Die ständigen Sprünge auf der Tofana-Piste – es waren 17 pro Fahrt – machten ihrem rechten Fuss zu schaffen. Diesen hatte sie im Dezember gebrochen. Es folgte ein Monat Pause. «Ich verstehe nicht, warum man hier solche Sprünge mit Landung im Flachen gebaut hat», sagte sie. Und war mit ihrer Kritik nicht allein. Nach der Abfahrt sagte sie: «Ich habe Schmerzmittel genommen. Es geht schon, aber es ist sicher nicht das Ziel der Sache.»
Mittlerweile hat sie die Problematik im Griff. Auch die Körpersprache auf der Piste wurde immer besser – Suter griff an, machte sich klein, gab auch nach Fehlern nicht klein bei. Sie wird Schritt für Schritt wieder die Alte, so der Eindruck.
Dabei hat Suter auch schlimme Erinnerungen an Cortina. Im Januar 2023 erlitt sie hier eine heftige Gehirnerschütterung. Im Februar 2024 folgte ein Kreuzbandriss. Beides hat sie hinter sich gelassen – auch im Kopf. «Ich denke keine Sekunde mehr daran», sagt sie. Das Leben im Hier und Jetzt – Suter beherrscht es.
Wann kippt der Schalter?
Sollte Suter im Super-G eine Medaille gewinnen, wäre das eine Überraschung. Aber wie sagte sie doch selbst: «Der Schalter kann von heute auf morgen umkippen. Oder auch erst in einigen Wochen.»
Die Hoffnung besteht, dass es noch bei den Winterspielen passiert. Und was würde Suter im Fall der Fälle – also eines Podestsplatzes – als Erstes tun? «Meine Familie umarmen.»
