Darum gehts
Mangelnden Einsatz kann man Kurt Fähndrich nicht vorwerfen. Vier Minuten lang ruft er, gestikuliert, fiebert mit. «Hopp, Hopp, Hopp!», schallt es aus dem rund 15-köpfigen Fanklub von Familie und Freunden. Nadine Fähndrich (30) läuft im Viertelfinal des Sprints lange vorne mit, bestimmt das Tempo, wirkt kontrolliert. Es sieht gut aus. Sehr gut sogar.
Doch dann der Schock: Auf den letzten paar hundert Metern geht plötzlich gar nichts mehr. Die Schweizer Medaillenhoffnung fällt ganz an den Schluss zurück. «Scheisse!», ruft ihr Vater entsetzt und schlägt die Hände vors Gesicht. Mutter Käthy schüttelt den Kopf. «Ist sie tatsächlich draussen?», fragt jemand ungläubig. Die Stille danach ist Antwort genug.
Ehepaar bevorzugt ein Sicherheitsabstand
Es ist der traurige Abschluss eines Tages, der für Vater Kurt bereits mit einem Ärgernis begonnen hat. Bei der Eingangskontrolle werden ihm seine ausziehbaren Schweizer Fahnen weggenommen. «Da musste ich richtig ausrufen. Das hat mich genervt», sagt er. Die gute Laune ist erst einmal weg. Doch sie kehrt zurück. Fähndrich klassiert sich im Prolog auf Rang fünf. «Ein starker Auftritt. Das kommt gut.»
Mit ihren unverkennbaren grünen Kappen positioniert sich der Fähndrich-Fanklub am Streckenrand. Kurt und Ehefrau Käthy stehen einige Meter voneinander entfernt. «Wir sind nicht immer gleicher Meinung», sagt er lachend. «Da ist ein kleiner Sicherheitsabstand nicht das Dümmste.» An der Liebe füreinander ändere das aber nichts.
Fähndrich bricht in Tränen aus
Trotz ihres riesigen Einsatzes verpasst Fähndrich den Sprung in den Halbfinal. Nachdem der erste Schock verdaut ist, wird im Fanklub nach Gründen gesucht. «Das Material war nicht gut», lautet die mehrheitliche Meinung. Tatsächlich wirkt es so, als ob Fähndrich auf den letzten Metern kaum mehr vom Fleck kommt. Sie selbst würde ihre Servicemänner jedoch nie öffentlich kritisieren.
Im Ziel tönt es deshalb dann so: «Ich weiss selber nicht, was los war. Ich bin ratlos.» Sie habe das Gefühl gehabt, alles richtig gemacht zu haben. Vier Minuten lang wirkt Fähndrich überraschend gefasst. Doch dann ist es eine Frage des Blick-Reporters bezüglich ihrer Familie am Streckenrand, welche sie emotional werden lässt.
Weisswein und Salami zum Abschluss
Unter ihrer Sonnenbrille kullern Tränen hervor. «Es ist nicht selbstverständlich, dass sie hier sind. Dass sie diese Enttäuschung nun miterleben müssen, ist das Schwierigste für mich», sagt sie schluchzend.
Die Fähndrich-Fans spülen ihren Frust derweil mit einem Glas Weisswein hinunter. Dazu gibt es Salami, Käse und Brot. Die Enttäuschung ist mittlerweile aus den Gesichtern ihrer Eltern verschwunden: «Wir sind trotzdem mega stolz auf unsere Nadine.» Und es bleiben ja noch mehrere Medaillenchancen.