Olympisches Dorf ist eine Wohnwagensiedlung
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So leben die Athleten bei Olympia
Pasta, Corona, Pflanzenverleih und Feriengefühl

Das Olympische Dorf ist in Cortina etwas anders als sonst: Holzbungalows statt Hotelkomplex. Trotzdem fehlt es den Athletinnen und Athleten an nichts. Ein Rundgang.
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Der Eingang zum Olympischen Dorf in Cortina d'Ampezzo. Die Olympischen Ringe sind ein beliebtes Fotosujet.
Foto: Isabelle Pfister
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Schneeflocken fallen langsam auf die holzigen Bungalows. Der Anblick erinnert an eine Postkarte aus den Winterferien, wären da nicht diese fünf Ringe. Das Olympische Dorf präsentiert sich in Cortina d'Ampezzo anders als gewohnt. Das als Provisorium auf einem Flugplatz errichtete Dorf ist unscheinbar, den 1400 einquartierten Athletinnen und Athleten fehlt es jedoch an nichts. 

Auf dem Gelände gibt es einen grossen Essensbereich. Die Küche ist 24 Stunden am Tag offen, wobei das Essensangebot nicht immer gleich reichhaltig ist. Neben den klassisch italienischen Gerichten wie Pasta und Pizza gibt es auch Reis, Poulet, Joghurt, und natürlich darf auch die Espresso-Maschine nicht fehlen. «Das Frühstück fand ich in Peking besser», sagt die Bob-Pilotin Melanie Hasler, sonst stimmt sie aber mit der restlichen Schweizer Delegation überein: Das Essen schmeckt.

Cappuccino und Corona

Auch ausserhalb der grossen «Dining Hall» können sich die Athletinnen und Athleten verpflegen. Da steht zum Beispiel ein Kaffeemobil. «Da gibt es nach 11 Uhr aber keinen Cappuccino mehr», sagt Alexander Wäfler, Leiter Medien von Swiss Olympic, mit einem Augenzwinkern. «Richtig so, es gibt Regeln, die man befolgen muss», erwidert der Kollege vom Tessiner Fernsehen nickend. 

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Gegenüber dem Kaffeemobil steht die Corona-Bar. Wer sich jetzt denkt, hier werden abends Bier gebechert bis zum Umfallen, der täuscht sich. Die Bar ist von «Corona Cero» gesponsert, das Bier ist also ausschliesslich alkoholfrei. Die Athletinnen und Athleten kriegen statt dem Rausch aber nach Bedarf eine Pflanze zum Ausleihen. Die soll nicht nur die rudimentär eingerichteten Bungalows aufwerten, sondern den Sportlerinnen und Sportlern auch Druck nehmen – sich um eine Pflanze zu kümmern, soll eine beruhigende Wirkung haben. 

Mal zu heiss, mal zu kalt

Neben den kulinarischen Angeboten haben die Athletinnen und Athleten auch Zugang zu Fitnessräumen, eine Poliklinik ist für die Erstversorgung bei Verletzungen verantwortlich, und im Waschsalon stehen mehrere Dutzend Waschmaschinen. «Es ist auf jeden Fall der Raum, der am besten riecht», sagt Wäfler.

Die 32 Schweizer Athletinnen und Athleten sind im hinteren Teil des Olympischen Dorfes untergebracht. Ausser den alpinen Ski-Athletinnen wohnen hier alle, die ihre Wettkämpfe in Cortina bestreiten. Die Skirennfahrerinnen haben wie jeweils bei den Weltcuprennen in Cortina im Hotel Menardi ihr Quartier bezogen, für die Olympischen Spiele bevorzugen sie die vertraute Umgebung dem Trailerpark.

Die Bewohner des Olympischen Dorfes haben ein Einzelbett, ein Regal sowie ein kleiner Schrank als Stauraum zur Verfügung. Die Bungalows werden mit einer Klimaanlage geheizt, wobei die Temperaturregulierung herausfordernd sei, wie Vinzenz Buff sagt. «Es heizt ziemlich schnell auf, so ist es nachts plötzlich viel zu warm. Schaltet man dann die Heizung aus, wird es aber auch schnell wieder kühl», erklärt der Skeleton-Pilot. Wirklich schlimm sei das aber nicht.

Camp-Feeling

Die Schweizer Athletinnen und Athleten haben alle von Swiss Olympic eine kleine Willkommensbox erhalten: Ein Brief, Glücksschokokäfer und Schweizer Pins zum Tauschen sind darin enthalten. Bob-Pilotin Hasler hat bereits so einiges getauscht, ihre Akkreditierung zieren schon über ein Dutzend neue Pins. «Das sind nicht mal alle, ich hab nur die schönsten drangelassen», sagt sie. 

Hasler und die anderen Bob-Athleten und -Athletinnen sind bereits wieder auf dem Sprung: Sie trainieren einige Tage in Innsbruck, während in Cortina die Rodel- und Skeleton-Wettkämpfe stattfinden. «Am Anfang fand ich das nicht so cool, aber jetzt freue ich mich. Und Innsbruck ist ja auch nicht so weit weg», sagt Hasler. Sie ist gerade dabei, in ein anderes Zimmer zu ziehen, damit die Curlerinnen Platz haben.

Ab dem 12. Februar wird es dann etwas kuscheliger im Schweizer Quartier, dann kommt die Bob-Fraktion zurück ins Olympische Dorf und komplettiert die Schweizer Delegation in Cortina. Ein Problem wird das sicher nicht, vielmehr zahlt es noch mehr ins «Camp-Feeling» ein, wie Hasler die Atmosphäre im Olympischen Trailerpark beschreibt.

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