Mathilde Gremauds Mutter und Schwester feiern Olympia-Sieg
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Gold für Schweizerin:Mathilde Gremauds Mutter und Schwester feiern Olympia-Sieg

«Er war nicht überzeugt»
Papa glaubte nicht dran – heute ist Gremaud eine Freestyle-Ikone

Bevor Mathilde Gremaud zur internationalen Freestyle-Ikone wurde, musste sie zuerst zu Hause überzeugen. Ihr Vater Stéphane zweifelte am Sport ihrer Wahl. Heute verfolgt er stolz, wie seine Tochter Medaillen sammelt und Geschichte schreibt.
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Mathilde Gremaud begann trotz Skepsis ihres Vaters mit Freestyle – die Eltern Stéphane (l.) und Chantal (r.) unterstützten sie trotzdem.
Foto: keystone-sda.ch
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Joël HahnRedaktor Sport

Als Mathilde Gremaud (26) als Kind begann, lieber über Kicker zu fliegen, als zwischen Slalomstangen zu fahren, war ihr Vater Stéphane alles andere als begeistert. Der frühere Rennfahrer konnte mit Freestyle wenig anfangen. Zu wild, zu verspielt, zu wenig «echter» Sport. «Willst du überhaupt noch Sport machen?», fragte er sie damals. Für ihn war klar: Leistungssport bedeutete Disziplin, Zeitenjagd, Trainingspläne – nicht Saltos im Snowpark.

Doch Gremaud liess sich zum Glück nicht beirren – jetzt gehört sie mit vier olympischen Einzel-Medaillen und drei WM-Medaillen zur Elite des Schweizer Wintersports.

Das alles, weil sich Gremaud damals in die Tricks verliebt hat. Sie baute mit Freunden eigene Sprünge und verbrachte jede freie Minute auf den Ski. Der Spass stand im Vordergrund – und der Traum, immer besser zu werden. Auch wenn sie im letzten Big-Air-Final verletzt fehlte, nachdem sie im Probelauf zu viel riskierte, zeigt ihr Gold im Slopestyle: Gremaud gehört zur Weltspitze und beweist, dass Freestyle längst Hochleistungssport ist.

Heute ist Gremaud ein Superstar der Szene

Auch wenn Papi Stéphane lange skeptisch blieb und die Tochter lieber als Alpin-Fahrerin gesehen hätte, hat er sich nie gegen sie gestellt. Im Gegenteil. Er fuhr sie an Wochenenden in die Skigebiete, wartete stundenlang am Rand der Freestyle-Parks und brachte sie abends wieder nach Hause. «Er war nicht überzeugt, aber er liess mich gehen», sagt Gremaud. Diese stille Unterstützung wurde zum Fundament ihrer Karriere und brachte auch den Umschwung.

Denn mit den ersten Wettkämpfen begann sich die Sicht des Vaters langsam zu verändern. Podestplätze, internationale Starts, steigende Resultate – plötzlich war klar: Hinter der Freestyle-Action steckt harte Arbeit, Mut und enorme Disziplin. Als Mathildes regelmässig Medaillen gewann, waren die Zweifel des Papis schnell verschwunden.

Heute ist Gremaud ein Superstar der Szene – die Freiburgerin hat alles erreicht, was sich junge Athletinnen erträumen. Aus dem skeptischen Vater wurde ein stolzer Begleiter. Einer, der weiss, wie viel Einsatz hinter jedem einzelnen Sprung steckt. Einer, der hautnah miterlebt hat, wie seine Tochter gegen Vorurteile ankämpfte, auch gegen seine, – und am Ende alle eines besseren belehrt hat.

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