«Das bereitete mir schlaflose Nächte»
Schweizer Olympia-Chefarzt gibt Einblicke in seine Arbeit

Ein Anruf riss Hanspeter Betschart mitten in der Nacht aus dem Schlaf. Der Chefarzt von Swiss Olympic berichtet von seiner turbulenten ersten Woche in Italien.
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Die Verletzung von NHL-Star Kevin Fiala war für das medizinische Team der Schweizer sehr arbeitsintensiv.
Foto: imago/ZUMA Press

Darum gehts

  • Hanspeter Betschart ist erstmals als Chefarzt an den Olympischen Winterspielen
  • Dem Ostschweizer haben zwei Vorfälle bisher einige schlaflose Nächte beschert
  • Die Rahmenbedingungen in Predazzo sind nicht perfekt – Improvisation war gefragt
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Nicola AbtReporter Sport

Wer Hanspeter Betschart (40) in diesen Tagen treffen will, muss mit kurzfristigen Änderungen rechnen. So war es auch am Sonntagmorgen im Langlaufstadion im italienischen Fleimstal. Das Gespräch mit dem Chefarzt von Swiss Olympic war auf 10 Uhr angesetzt, stattgefunden hat es eine halbe Stunde später.

Der Grund: Janik Riebli verzichtete kurzfristig auf einen Einsatz in der Staffel. «Am Morgen führten wir noch einige Abklärungen und Gespräche durch», sagt Betschart. Der St. Galler ist seit Beginn der Spiele im Dauereinsatz. Er führt ein Team aus 44 Leuten. Bestehend aus neun Ärzten, einer Notfallpsychologin und 34 Physiotherapeuten. 

Vergangenheit bei Super-League-Klub

Eine solch grosse Mannschaft ist nötig, um an allen sechs Standorten präsent zu sein. Dank täglicher Online-Meetings mit dem Führungsteam um den Chef de Mission, Ralph Stöckli, bleibt Betschart auf dem neuesten Stand. «Meine Handyzeit während der Olympischen Spiele ist extrem hoch. Ich muss es teilweise mehrfach am Tag aufladen.»

Schliesslich sollte er ständig erreichbar sein. Am Freitagabend ging Betschart für einmal etwas früher ins Bett. Prompt wurde er von einem Anruf aus dem Schlaf gerissen. NHL-Star Kevin Fiala hatte sich schwer am Unterschenkel verletzt. «In solchen Extremsituationen schnellt der Puls schon kurz in die Höhe.» 

In Absprache mit dem Arzt vor Ort definierten sie die nächsten Schritte. Dank seiner immensen Erfahrung findet Betschart jeweils schnell wieder zur Ruhe. Er ist neben seiner Tätigkeit für Swiss Olympic auch Chefarzt der Berit Sportclinic in Speicher AR. Zudem war er viele Jahre für den FC St. Gallen tätig. 

Neben der Fiala-Verletzung beschäftigte ihn bisher der Norovirusfall kurz vor der Eröffnungsfeier am meisten. «Der bereitete mir schlaflose Nächte.» Das ganze Team der Frauen-Hockey-Nati durfte als Vorsichtsmassnahme nicht an der Eröffnungsfeier teilnehmen. «Das war keine einfache Entscheidung. Wir haben sie im Führungsteam zusammen mit der Leitung des Eishockeyverbandes getroffen. Es tat mir für die Spielerinnen leid.»

In Absprache mit Infektiologen aus der Schweiz sei das aber die richtige Entscheidung gewesen. «Vor einer Ausbreitung der Viruswelle habe ich am meisten Respekt.» Dank des strikten Eingreifens konnte Schlimmeres verhindert werden. Bisher ist kein weiterer Fall aufgetreten. 

Ein spezieller Wecker am frühen Morgen

Betschart ist an seinen ersten Olympischen Winterspielen als Chefarzt gezwungen, zu improvisieren. In Predazzo steht ihm kein offizieller Behandlungsraum zur Verfügung.

Deshalb funktionierte er kurzerhand sein Hotelzimmer um. «Im Schrank mussten einige Kleider den Medikamenten weichen», erzählt er lachend. «Auch meine Laborgeräte sind dort verstaut. Eine spezielle Sache, aber es funktioniert.»

Während ein Behandlungsraum fehlt, haben ihm die Italiener immerhin einen verlässlichen Wecker hingestellt. «Länger als um sieben Uhr kann ich nicht schlafen, dann geht nämlich die Kirchenglocke los.» Geweckt wird er davon allerdings lieber als von einem Anruf wegen eines medizinischen Notfalls mitten in der Nacht.

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