Berührende Bob-Geschichte
Krebs stoppte sie – jetzt fiebert Gloor mit ihrem Verlobten

Michelle Gloor wollte bei Olympia starten, doch der Krebs stoppte ihren Traum. Jetzt ist die Bob-Athletin in Cortina – als Fan ihres Verlobten Cédric Follador.
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Michelle Gloor zeigt ihr Plakat: «My fiancé slides better than yours» – Unterstützung für Verlobten Cédric Follador in Cortina.
Foto: Michelle Gloor Instagram

Darum gehts

  • Michelle Gloor unterstützt ihren Verlobten Cédric Follador bei Olympia in Cortina
  • Der Krebs kehrte im November zurück und beendete ihren Olympiatraum
  • Jetzt ist sie auf ihre eigene Art Teil von Olympia
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Joël HahnRedaktor Sport

Wer ihr Schild liest, kann sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. «My fiancé slides better than yours» steht auf dem Karton, den die Schweizerin Michelle Gloor (25) an den Bob-Rennen in Cortina in die Kamera hält. «Mein Verlobter fährt schneller Bob als deiner», heisst das sinngemäss. Gloors Partner Cédric Follador (31), Pilot von Schweiz 2, ist hier im Einsatz. 

Eigentlich sollte auch Gloor hier stehen. Die Aargauerin wollte selbst bei Olympia starten. Anschieben, kämpfen, Geschichte schreiben. Doch seit Anfang Jahr ist klar: Für Gloor gibt es keine Olympia-Teilnahme.

In einer Whatsapp-Nachricht an Blick erklärt sie offen den Grund: Der Krebs war nach zwei Operationen zurückgekehrt. «Im November musste ich notfallmässig ins Spital. Dort sah man, dass der Krebs wieder da ist. Die Ärzte empfahlen eine Strahlentherapie. Deswegen musste ich leider meine Bobsaison beenden – sprich, den Olympiatraum musste ich begraben.»

Besonders emotional war ihr letzter Weltcup in Innsbruck (Ö) Anfang Dezember. «Für das ganze Team war es sehr bewegend.» Danach folgten tägliche Behandlungen. «Wie es mit dem Sport weitergeht, kann ich im Moment noch nicht sagen. Zuerst muss ich die Therapie fertig machen und mich erholen.»

Noch im Sommer sagte sie im Gespräch mit Blick: «Ich fühle mich so gut wie am Tag vor der Erkrankung.» Damals kämpfte sie sich nach Operation und Chemotherapie zurück, trainierte wieder und glaubte an Cortina. Doch der Rückschlag kam erneut.

Jetzt an der Bande statt im Bob

Heute steht Gloor nicht mehr im Startblock, sondern als Fan an der Strecke. «Es mag mich natürlich, dass ich selber nicht am Start stehen kann. Aber ich bin da, um Cédric und Debora zu unterstützen, und geniesse es, den wunderbaren Sport mal auf der Seite der Zuschauer zu verfolgen», sagt sie. 

Im Engadin machte Cédric Follador ihr den Antrag, seit Dezember sind die beiden verlobt – jetzt unterstützt sie ihn vor Ort. Das Schild ist ein humorvoller Ausdruck ihrer Freude über die Verlobung und die Situation, nicht als Seitenhieb gegen andere Athletinnen gedacht. Gloor sagt gegenüber Blick: «Ich habe ein ähnliches Schild beim Rodelwettkampf gesehen, dann habe ich selbst eins gemacht und auf meine Verlobung angepasst.»

Gloor ist in einer Ferienwohnung in der Nähe von Toblach untergebracht. «Leider kann ich nicht ins Olympische Dorf. Das ist den Athletinnen und Athleten vorbehalten, und das ist auch gut so – sie haben sich das mit der Qualifikation verdient.»

Ihr Plakat, ihr Lächeln und ihre Präsenz zeigen: Michelle Gloor ist noch immer Teil dieses olympischen Abenteuers – auch ohne eigenen Start.

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