Darum gehts
Schon ist ein Drittel der Saison vorbei, doch noch immer ist kein Ende dieses Schweizer Töff-Elends in Sicht. Rennfahrer Dominique Aegerter (35) steckt nach seiner Rückkehr in die Supersport-WM in der Krise. Desaströse Startplätze, technische Ausfälle, ein Abstrampeln im grossen Mittelfeld für ein paar mickrige WM-Pünktchen – Aegerter belegt nach vier von zwölf Rennwochenenden nur WM-Rang 15.
Eigentlich wurde der Routinier verpflichtet, um den WM-Titel zu holen. Doch jetzt herrscht Frust pur beim Berner. Wie zuletzt in Ungarn: «Wir sind von Startplatz 19 losgefahren, ich habe alles gegeben. Der eine Punkt, den es dafür gab (für Rang 15, d. Red.), sagt alles!»
In der zweiten Töff-Liga war Aegerter bisher immer stark
Besonders bitter: Noch 2021 und 2022 dominierte der Berner diese Supersport-Klasse in beispielloser Manier, wurde zweimal in Folge Weltmeister und stand in praktisch jedem Rennen auf dem Podest. Jetzt fahren andere um die Siege. Für Aegerter bleiben wie zuletzt am Wochenende nur die Ränge 12 und 15.
Es ist die grösste Krise seiner langen Karriere. Denn wenn sich Aegerter bisher ausserhalb des Grand-Prix-Sports respektive der Superbike-WM verdingen musste, fuhr er immer um den Titel. So in der elektrischen MotoE und eben beim ersten Gastspiel in der Supersport-WM. Aegerter war immer zu schnell für die zweite Töff-Liga – doch nun droht dieser Nimbus zu bröckeln. Vor allem, weil bisher Teamkollege Jeremy Alcoba (24, Sp) schneller ist.
Der Rohrbacher zu Blick: «Alcoba macht es gut, aber er kennt die Kawasaki auch besser. Ich kann den Töff einfach noch nicht so fahren, wie ich möchte.» Normal beim Umstieg nach drei Jahren in der Superbike-WM auf eine 100 PS schwächere Maschine. Das Problem: Aegerter und sein Rennstall bringen die Töffabstimmung einfach nicht so hin, dass sie zu seinem Fahrstil passt. Das liegt auch an der Sprachbarriere in der Box, die man auf beiden Seiten bei der Rückkehr in die kleine Klasse vielleicht unterschätzt hat.
Wie erheblich bremst Aegerter die Sprachbarriere im Team?
Denn im Kawasaki-Rennstall von Teamchef Manuel Puccetti wird hauptsächlich Italienisch und Spanisch geredet. Aegerter holte seine WM-Titel in einem niederländischen Team mit den Sprachen Englisch und Deutsch.
Klar ist: Wenn Aegerter nicht bald mit Vollgas aus der Krise braust, muss er für 2027 auf Jobsuche. Sein aktueller Werksvertrag läuft nur bis Ende 2026. Zwar mit Option für 2027. Doch dafür müssen bald bessere Ergebnisse her. Da sich der Ex-GP-Pilot geschworen hat, nie mehr für einen Töff-Job Geld mitbringen zu müssen, droht sogar das unfreiwillige Karriereende.
Gedanken, die Aegerter momentan weit wegschiebt. «Es kommt, wie es kommt. Ich kann nur in jedem Rennen mein Bestes geben», sagt er zur ungewissen Zukunft.
Der Rohrbacher hat sich schon oft zurückgekämpft. Er ist überzeugt, dass er auch diesmal bald beweisen wird, als bald 36-Jähriger mit den jungen Wilden mithalten zu können. «Ich hoffe, dass wir bis zum nächsten Rennwochenende etwas finden, damit wir wieder dort mitkämpfen können, wo wir hingehören», sagt er.