Darum gehts
Während sich Mujinga (33) und Ditaji Kambundji (23) auf der Sportanlage Trinermatten in Zofingen AG um Autogramme und Selfiewünsche von Leichtathletiktalenten kümmern, ist Mujingas Söhnchen Léon auf Spaziertour. Grosspapi Safuka Kambundji passt auf den fünfmonatigen Buben auf, schlendert auf dem weitläufigen Parkplatz hin und her.
Babysitting ist bei den Kambundjis eine Familienangelegenheit – selbst im Trainingslager in Belek (Tur), wo die Berner Leichtathletik-Schwestern viele gemeinsame Einheiten bestritten. Léon war bei den Trainings stets dabei, wobei es dann nebst seiner Mutter vor allem Tante Ditaji Kambundji war, die eine wichtige Bezugsperson darstellte. «Sie macht es wirklich gut», sagt Mujinga Kambundji lachend, sie sei froh, die «beste Babysitterin der Welt» im Schlepptau zu haben.
Mujinga und Ditaji Kambundji können seit einigen Wochen wieder voll zusammen trainieren. Mujinga hatte es in den ersten Wochen und Monaten nach ihrer Rückkehr in den Trainingsalltag langsamer angehen müssen. Sie steckte noch in der Rückbildung und war nicht im Vollbesitz ihrer Kräfte. «Es fühlte sich wie Reha an», so die Schweizer Sprintkönigin, «jetzt aber darf ich wieder alles machen und mich absolut reinhängen.» Gleichzeitig hat sich ihr Profi-Alltag als Mutter selbstredend markant verändert. «Natürlich erfordert es mehr Organisation und ist dadurch strenger, aber ein Kind relativiert auch viel.»
Mujinga Kambundji legt den Fokus zunächst auf die Heimat
Hürdenweltmeisterin Ditaji bestätigt dies. Sie ist froh, sich wieder mit ihrer Schwester zusammen ans Limit zu treiben. Auch weil es zwischendurch guttue, sich mal um das kleine Menschenwesen, das am Rand der Tartanbahn im Kinderwagen liegt, zu kümmern. «Das Trainingslager ist definitiv herziger als früher», scherzt sie, bevor sie in Zofingen bei der Siegerehrung des UBS Kids Cup, der neu auch von ihrem Partner On unterstützt wird, teilnimmt.
Obwohl wieder ein uneingeschränktes, gemeinsames Training möglich ist, steht Ditaji freilich an einem ganz anderen Punkt. Sie peilt ihren Freiluft-Einstieg ab Mitte Mai an, will dann die beiden Diamond-League-Stationen in China (Keqiao und Xiamen) in Angriff nehmen. Ihre zehn Jahre ältere Schwester plant derweil nach wie vor mit Ende Juni als Zeitpunkt ihrer Rückkehr: «Vor der EM in Birmingham Mitte August werde ich wohl vor allem Wettkämpfe in der Schweiz laufen.»
Das ist überdies auch organisatorisch einfacher – und wenn es doch mal ins Ausland gehen würde, dann stünde bestimmt schon der nächste familieninterne Babysitter parat.