Darum gehts
- Schweiz will 2030 Multi-Sport-EM ausrichten, doch Bund sagt finanzielle Unterstützung ab
- Bundesrat gibt Armeeprojekten wie Air2030 über 9 Milliarden Franken Vorrang
- Veranstalter hofften auf 130 Mio. öffentliche Mittel, jetzt nur noch alternative Optionen
Braucht es diesen Termin überhaupt noch? Mitte Juni kommt eine Delegation des europäischen Leichtathletikverbands nach Zürich, um den Letzigrund für seine EM-Tauglichkeit unter die Lupe zu nehmen. Der Grund dieser «Site Visit»: Die Schweiz will 2030 die Leichtathletik-EM veranstalten.
Besser gesagt: Die Schweiz will 2030 die Multi-Sport-EM «European Championships» (EC) veranstalten. 13 Sportarten sollen in vier Jahren unter dem Dach der EC gleichzeitig alle ihre Europameisterschaften in der ganzen Schweiz austragen – mit der Leichtathletik und ihren Stars wie Ditaji Kambundji als Leuchtturm-Sportart dieser sommerlichen Mini-Olympia.
Springen jetzt Kantone und Städte ein?
Doch nun ist eine Heim-EM für die Hürden-Weltmeisterin in weite Ferne gerückt. Der Bundesrat fällt diese Woche einen Knallhart-Entscheid und lässt für die European Championships keinen Rappen springen. Wegen der angespannten finanziellen Situation des Bundes könne der Multi-Sport-Grossevent nicht unterstützt werden.
Ein Hammer. Die Macher der Mini-Olympia hatten sich für ihr 200-Millionen-Budget mindestens 130 Millionen von der öffentlichen Hand erhofft. Aus dem Trio Bund, Kantone und Städte der geplanten Wettkampforte (Bern, Basel, Zürich, Luzern, Lausanne, Grenchen) fällt nun die nationale und damit wegweisende Option weg, man hatte sich 45 Millionen vom Bund ausgerechnet.
Das Geld muss für die Armee gespart werden
Doch im VBS hat gerade die Armee Vorrang. Das Projekt Air2030 kostet rund 9 Milliarden Franken und umfasst den Kauf von 36 Kampfflugzeugen und neuen Flugabwehrraketen. Aus diesem Riesenpaket für die European Championships 0,5 Prozent rauskompensieren? Das sei nicht möglich, teilt der Bundesrat mit.
Allerdings muss auch gesagt werden: Im Bundeshaus hätte man die Katze im Sack gekauft. Wie die EC 2030 wirklich daherkommt, steht noch nicht fest. Zwar wird mit 13 Sportarten geplant. Doch fix sind erst sieben. Neben Rad (Mountainbike, Strasse und BMX) taugt nur noch Beachvolleyball als ausstrahlendes Aushängeschild. Ob die europäischen Verbände der Leichtathletik und etwa auch im Kunstturnen ihre EMs in die Schweiz unter das EC-Dach vergeben, wird noch verhandelt. Deshalb auch der «Site Visit» im Juni im Letzigrund.
Fixe Sportarten für 2030
Rad (Mountainbike, BMX, Strasse)
Beachvolleyball
Kanu (Sprint)
Rudern
Triathlon
Klettern
Tischtennis
Sportarten im Gespräch für 2030
Leichtathletik
Kunstturnen
Unihockey
Orientierungslauf
Badminton
Basketball (3x3-Format)
Fixe Sportarten für 2030
Rad (Mountainbike, BMX, Strasse)
Beachvolleyball
Kanu (Sprint)
Rudern
Triathlon
Klettern
Tischtennis
Sportarten im Gespräch für 2030
Leichtathletik
Kunstturnen
Unihockey
Orientierungslauf
Badminton
Basketball (3x3-Format)
Eine Bewerbung von Swiss Athletics für die EM 2030, ohne in die Mini-Olympia integriert zu sein, wird es nicht geben. Entweder der grosse Multi-Sport-Anlass – oder nichts. Nach dem Knallhart-Entscheid des Bundesrats ist «nichts» viel näher als eine Heim-EM für Kambundji, Angelica Moser und Co. Mosers Vater Severin ist Präsident der Schweizer EC-Kandidatur, er sagt: «Das ist ein herber Rückschlag.» Man hält nun noch nach alternativen Finanzierungsmöglichkeiten Ausschau.
Eine theoretische Hintertür wird nicht aufgehen: Dass bei einem Scheitern der Schweizer Kandidatur für die Olympischen Winterspiele 2038 ein Teil der vom Bundesrat dafür gesprochenen 200 Millionen plötzlich doch noch für die European Championships fliessen, ist nicht möglich – die Geschäfte sind getrennt und bleiben das auch.