Darum gehts
- Audrey Werro begeistert mit Sieg und Rekord in Zürich
- Werro entwickelt sich rasant zur Spitzenathletin über 800 m
- Mit 1:55,91 Minuten verbessert sie erneut die Schweizer Bestmarke
Im Letzigrund wird es mit jedem langen Schritt, den Audrey Werro (21) im 800-m-Rennen zurücklegt, lauter und lauter. Die Freiburgerin läuft vorne weg, als wäre sie schon eine alte Häsin im internationalen Geschäft. Unbekümmert, frech und mutig zieht sie ihr Ding durch – und bringt das Zürcher Stadion damit zum Beben.
Der Diamant für die Saison 2025 ist ihr dank ihres ersten Sieges auf höchster Stufe sicher. Genauso wie zig Fans, die sie im Rahmen von Weltklasse Zürich dazugewonnen haben dürfte. Wer das neue Schweizer Wunderkind noch nicht auf dem Radar hatte, der ist spätestens jetzt eingeweiht ins Riesenpotenzial der 1,73 m grossen U23-Europameisterin.
Werro macht gerade «verrückte» Dinge, wie sie selbst gestehen muss. Vor einer Woche lief sie an der Athletissima in Lausanne als Zweite erstmals aufs Podest in der Diamond League. Dann pulverisiert sie drei Tage später an den Schweizer Meisterschaften in Frauenfeld ihren eigenen Schweizer Rekord und senkt diesen auf 1:56,29 Minuten. Und schliesslich setzt sie am Donnerstag in Zürich noch einen obendrauf. Unter Riesenjubel des Publikums läuft sie nach 1:55,91 Minuten ins Ziel. Ihre gerade verbesserte nationale Bestmarke? Ist schon wieder Geschichte. «Einfach magisch», findet Werro, sichtlich berührt vom emotionalen Abend.
«Träumen ist erlaubt»
Werros Tempo ist nicht nur auf der Bahn bemerkenswert, sondern auch in ihrer Entwicklung. Sie hat innert Kürze den Aufstieg an die Weltspitze geschafft. In diesem Jahr war bloss Paris-Olympiasiegerin Keely Hodgkinson (23, 1:54,74) schneller über 800 m unterwegs. Klar, dass sie als aktuell Zweitbeste der Welt direkt zu den Favoritinnen für die anstehende WM in Tokio (13. bis 21. September) zählt. Wobei sich das für Werro noch immer merkwürdig anhört, wie sie sagt. Das Supertalent ist nach wie vor von sich selbst überrascht: «Zu Beginn der Saison war mein Ziel, das ich für ziemlich hochgesteckt hielt, den WM-Final zu erreichen.»
An der Hallen-EM in Apeldoorn (Ho) im März darf sie bereits von Gold träumen, doch der Final endet im Sturz- und Tränen-Drama. Eine WM-Medaille in Tokio sei für sie damals noch sehr weit entfernt gewesen. Doch jetzt muss sie ihre Vorhaben revidieren, allerdings immer noch mit einer Prise Vorsicht: «Träumen ist auf jeden Fall erlaubt, aber ich möchte mich nicht zu fest unter Druck setzen.» Werro weiss: Ihr Stern im Leichtathletik-Universum ist erst gerade im Begriff, aufzugehen. Doch macht sie in diesem Tempo weiter, wird sie bald nicht nur das Publikum im Letzigrund entzücken.