Darum gehts
- England schlägt Frankreich 6:4 im kleinen WM-Final in Miami
- Saka erzielt Hattrick, Deschamps gibt nach 14 Jahren Rücktritt bekannt
- 10 Tore, Halbzeit 4:0, England wartet seit 60 Jahren auf Titel
Der kleine WM-Final um den dritten Platz zwischen Frankreich und England endet in einem 6:4 für die Briten. Das Mutterland des Fussballs, das seit mittlerweile 60 Jahren auf den zweiten WM-Titel wartet, kann sich so immerhin über Bronze freuen. Die internationale Presse feiert das Spektakel zwischen den Fussballmächten in Miami.
England
«Guardian»: «Das Spiel, das bedeutungslos ist, zählte zu den Höhepunkten des Turniers, in dem Rekorde purzelten. Es endete mit einer herzlichen Umarmung zwischen Thomas Tuchel und Didier Deschamps. Das war wirklich fantastisch.»
Den «Telegraph» erinnert das Resultat an eine andere Sportart: «Wann beginnt der zweite Satz? Mehr hätte man sich von einem Spiel um Platz drei und vier kaum erhoffen können. Etwas nachlässige Abwehr, hochkarätiges Kombinationsspiel und jede Menge Unterhaltung. Der Sieg Englands verhindert, dass sich die Lage für Tuchel weiter zuspitzt, doch es bleibt das Gefühl, was hätte sein können – nicht zuletzt angesichts der Tatsache, dass Saka im Halbfinal keine Rolle spielte.»
«Daily Mail»: «Was ist denn hier los? Die Three Lions gewinnen ein Zehn-Tore-Spektakel in Miami, Jude Bellingham erzielt in den letzten Sekunden den Siegtreffer in einem verrückten Spiel. Solche Spiele werden wir wohl nicht mehr oft sehen. Das war das Niveau eines Wohltätigkeitsspiels. Soccer Aid. Baller League. Das war kein richtiger Fussball. Es wurde zwar durch einige desaströse Abwehrleistungen begünstigt, aber das Angriffsspiel war umso brillanter.»
«Times»: «Es ist nicht sicher, was das alles zu bedeuten hat, ausser dass England eine Bronzemedaille holt. Aber die Reaktion nach dem Schlusspfiff zeigt, dass die Fans den Sieg genossen haben, und zumindest mildert die Art und Weise des Siegs den bitteren Nachgeschmack der Halbfinalniederlage etwas ab.»
«Mirror» hebt Sakas Hattrick hervor: «England erzielt nach einem mitreissenden 10-Tore-Krimi – darunter ein Hattrick von Saka, der betont, er sei fit gewesen und hätte gern mehr gespielt – das beste WM-Ergebnis seit 60 Jahren.»
«Daily Star»: «Zu Beginn des Abends kümmerte sich niemand um das bedeutungslose Spiel um Platz drei, aber am Ende des Duells war die ganze Welt davon gefesselt. Tuchel wurde vor dem Anpfiff von wütenden englischen Fans ausgebuht, weil seine Mannschaft gegen Argentinien in der Schlussphase kläglich versagt hatte. Nachdem England im Halbfinal in den letzten 30 Minuten keine einzige Torchance herausgespielt hatte, entschied Tuchel, den Anker zu lichten, und England überrollte ein lustloses Frankreich.»
«The Sun» titelt mit einem Saka-Wortspiel: «SAK LE BLEU! Die Three Lions gewinnen das verrückteste WM-Spiel ALLER ZEITEN in einem Thriller mit ZEHN Toren und sichern sich damit ihr bestes Ergebnis seit 1966.»
Frankreich
Die französische Presse feiert ihren Nationaltrainer Didier Deschamps (57), der nach 14 Jahren an Frankreichs Seitenlinie den Rücktritt gibt. Bei der Pressekonferenz nach dem Spiel kommt es zu Standing Ovations für den Weltmeister-Trainer von 2018. Ein französischer Journalist ergreift gegen Ende der Pressekonferenz das Wort und bedankt sich bei Deschamps:
«Ich spreche hier im Namen des französischen Sportjournalistenverbands. In Absprache mit allen hier anwesenden Mitarbeitern der französischen Presse möchten wir dir für all die Jahre danken. Für die Art und Weise, wie du die Medien, insbesondere die traditionellen Medien, in einer sich wandelnden Welt wahrgenommen hast. Dafür, dass du uns regelmässig die Türen geöffnet und alle gleich behandelt hast und dass du letztendlich gemeinsam mit uns das umgesetzt hast, was du gesagt hast: die französische Nationalmannschaft über alles zu stellen. Also, im Namen aller wollten wir dir für diese Haltung uns gegenüber danken und dafür, wie sich diese berufliche Beziehung in diesen 14 Jahren entwickelt hat. Danke.»
«L'Équipe»: «Zum Abschluss ein Feuerwerk. Was als Hommage an Didier Deschamps nach 14 Jahren im Amt gedacht war, entwickelte sich zu einem der verrücktesten Spiele seiner Amtszeit. In seinem 185. und letzten Spiel als Trainer der französischen Nationalmannschaft erlebte er die mit Abstand schlechteste Halbzeit seiner Karriere.»
RMC Sport: «Ein Schiffbruch wie die Titanic. Die französische Mannschaft geht im Spiel um Platz drei gegen England unter. In Didier Deschamps' letztem Spiel nach 14 Jahren zeigten Les Bleus nichts, sodass die Partie bereits zur Halbzeit mit dem deutlichen 0:4 entschieden war.»
«Le Figaro»: «Es wird der vierte Platz sein. Nachdem sie sich aus einer ausweglosen Lage zurückgekämpft hatten, mussten sich die Bleus am Samstag in Miami im kleinen Final der Weltmeisterschaft schliesslich gegen England mit 4:6 geschlagen geben. Zur Halbzeit lag die französische Mannschaft mit vier Toren zurück, doch Bradley Barcola und Kapitän Kylian Mbappé konnten den französischen Fans wieder etwas Hoffnung geben.»
«Ouest France»: «Nach einem verrückten Spiel setzen sich die Three Lions gegen Frankreich durch. Die erste Halbzeit der Bleus war so katastrophal, dass die Aufgabe zu schwer war.»
Italien
«Gazzetta dello Sport»: «Eine unglaubliche Vorstellung in Miami in einem Spiel, das niemand sehen wollte. Sakas Hattrick besiegelte den Sieg. Didier Deschamps' Abschied war alles andere als würdig.»
«Corriere della Sera»: «Der Final von Miami war weniger ein Spiel als vielmehr ein Flipper-Spiel: Nach der ersten Halbzeit führte England 4:0 gegen ein blamables Frankreich, das durchaus fünf oder sechs Gegentreffer hätte kassieren können.»
«Corriere dello Sport»: «Zehn Tore, ein Spiel, das in die Geschichte eingehen wird - nicht nur, weil Mbappé damit mit 22 Toren die ewige Rangliste anführt. Sondern weil es uns daran erinnert, dass Fussball letztendlich der schönste Sport der Welt war und ist, der Sport, in dem Leben und Leistung untrennbar miteinander verbunden sind.»
Spanien
«Marca»: «Wer behauptet, das Spiel um Platz drei sei sinnlos – Frankreich und England lieferten uns womöglich das unterhaltsamste Spiel der Weltmeisterschaft.»
«As»: «Der Druck war weg und das merkte man, als die beiden Mannschaften uns in einem Spiel, das sich wie ein Freundschaftsspiel anfühlte, in Miami zehn Tore lieferten.»


