Es würde mir nie in den Sinn kommen, mich als Fan der spanischen Nationalmannschaft zu bezeichnen. Trotzdem verspüre ich nach dem 1:0-Sieg im WM-Final gegen Argentinien eine gewisse Genugtuung. Nicht, weil mich der neue Weltmeister in den vergangenen Wochen derart begeistert hat. Sondern, weil ich keinerlei Verständnis für die Darbietung von Argentinien aufbringen kann.
Klar bleibt die in diesem Turnier immer mal wieder wackelnde Defensive bis in die Verlängerung ohne Gegentor. Doch während die Spanier immerhin versuchen, das argentinische Abwehrbollwerk zu knacken, verweigert sich der dreifache Weltmeister jeglichen Offensivbemühungen.
Dass die Argentinier die abwartendere Mannschaft sein würden, war anzunehmen. Dass sie ihren allerersten Schuss in der 117. Minute abgeben, eher weniger. Dafür hat das Team des unsichtbaren Lionel Messi am Ende 25 Fouls auf dem Konto. Dass mit Enzo Fernandez nur ein einziger Argentinier vom Platz fliegt, ist bloss der zu grosszügigen Linie von Schiedsrichter Vincic zu verdanken.
Ihre überharte Gangart haben die Argentinier schon während des ganzen WM-Turniers immer wieder unter Beweis gestellt. Nur haben sie bis zum Final gelegentlich auch bewiesen, dass sie neben Messi weitere fantastische Fussballer in ihren Reihen wissen. Im WM-Final ist davon aber nichts mehr zu sehen.
Nun kann man Trainer Lionel Scaloni zugutehalten, dass diese Spielweise sein Team zum zweiten Mal innerhalb von dreieinhalb Jahren in den WM-Final und zu zwei Siegen der Copa America geführt hat. Aber einer Fussball-Nation, die mit Diego Maradona und Lionel Messi zwei der besten Spieler der Geschichte hervorgebracht hat, ist ein solcher Auftritt nicht würdig. Schliesslich ist Argentinien nicht als krasser Aussenseiter, sondern als amtierender Weltmeister in diese Partie gegangen.
Völlig zu Recht freut sich darum nicht nur ganz Spanien über den Titel, sondern auch jeder andere Fussball-Fan auf dieser Welt, der es nicht mit der Albiceleste hält. Mich eingeschlossen.


