Darum gehts
Blick: Es ist das erste Interview, das Sie als neuer VR-Präsident geben. Das muss ein Albtraum sein …
Marcel Brülhart: Die Enttäuschung ist riesig, in der gesamten Organisation.
Wie haben Sie die Ausschreitungen vor dem Fernseher wahrgenommen, die so nicht zur zuvor friedlichen Atmosphäre in Villa Park passten?
Ich war unterwegs und konnte die erste Halbzeit nur teilweise auf dem Handy schauen. Nach meinen aktuellen Informationen ist einiges nicht zu entschuldigen und andere Dinge sind unglücklich gelaufen.
YB steht gross in den europäischen Schlagzeilen. Nicht auf die Art und Weise, die man sich erträumt. Das Image ist jedenfalls schwer angeschlagen, an der Pressekonferenz haben die englischen Journalisten dies nach den Vorfällen in Manchester und Glasgow umgehend thematisiert.
Das schmerzt uns als Klub. Die Vorfälle in Birmingham stehen im Kontrast zu früheren Auftritten im Ausland, als die YB-Fans gerngesehene Gäste waren.
Ohnehin sind die YB-Fans diese Saison schon mehrmals negativ aufgefallen. Und in den letzten Jahren auffallend häufig. Ob national oder international. War der Klub zu nachsichtig, dass es so weit kam?
Von Nachsichtigkeit oder Sorglosigkeit kann keine Rede sein, kaum ein anderer Klub unserer Grössenordnung wendet so viel auf für Sicherheit im eigenen Stadion, Fanarbeit und Fanbegleitung an Auswärtsspiele. Unsere aktive Fanszene ist in den letzten Jahren immer weitergewachsen und es reisen deutlich mehr Menschen mit der Mannschaft. Vielleicht sind wir zu schnell gewachsen.
Man kann nicht mehr mit der Einzeltäter-Ausrede kommen, die die Klubs so gerne bemühen, um die Gegenposition zu Kollektivstrafen zu rechtfertigen. Es flogen Dutzende von Bierbechern, Dutzende von Stuhlteilen und Dutzende Fäuste. Da war ein bemerkenswert grosser Teil des Fanblocks involviert. YB scheint ein echtes Problem mit seinen Fans zu haben.
Die Täterverfolgung ist keine Ausrede, sondern zielführend. Sie hilft, die Fehlbaren zur Rechenschaft zu ziehen. Gemäss unserem Wissensstand ist die Polizei von Birmingham daran, das Video- und Fotomaterial auszuwerten. Wer sich nicht an die Regeln gehalten hat, muss bei entsprechendem Tatbeweis für sein Verhalten geradestehen. Nach den Vorfällen vom Donnerstag muss man konstatieren, dass sich im laufenden Jahr etwas Grundlegendes zu verändern scheint, so unangenehm diese Erkenntnis ist.
Sind Sie enttäuscht, dass das Vertrauen, das Aston Villa mit der prominenten Positionierung des Gästeblocks direkt am Spielfeldrand demonstriert, derart missbraucht wurde – ebenso jenes von YB?
Ja, aber die grosse Enttäuschung betrifft eine kleine Gruppe. Wegen einiger gewaltbereiter Personen ist nicht gleich die gesamte Fankultur schlecht.
Welche konkreten Massnahmen ergreift YB nun?
Die Frage müsste weiter reichen. Wir können die gesellschaftliche Thematik von gewaltbereiten Menschen nicht allein lösen. Einerseits werden wir umgehend mit den Fanorganisationen zusammenkommen, um herauszufinden, warum es in diesem Jahr zu dieser auffälligen Häufung kommt. Anschliessend erarbeiten wir Massnahmen. Möglicherweise werden wir unsere Präventionsanstrengungen noch einmal verstärken. Und andererseits sind wir mehr denn je auf die Einzeltäterverfolgung durch die Polizei angewiesen, so wie es in allen Lebensbereichen geschieht.
Was nehmen Sie gegenüber den auf den Fotos und Videos klar erkennbaren Randalierern vor?
Eindeutig erkennbar straffällig gewordene Fans werden mit einem Stadionverbot belegt. Ansonsten müssen wir die Strafuntersuchungen abwarten.
Sind Sie von der Uefa bereits über das Verfahren des Control, Ethic und Disciplinary Body informiert worden?
Ja, wir sind aufgefordert worden, zu den Vorfällen schriftlich Stellung zu beziehen.
Ist die zweijährige Bewährungsfrist nach den Ausschreitungen vor Manchester City gegen YB abgelaufen? Die Vorfälle waren am 7. November 2023, das Urteil am 11. Dezember 2023. Ist es nicht abgelaufen, ist ein Verbot des Verkaufs von Tickets an YB-Fans für das Spiel in Stuttgart automatisch.
Nach unserem Kenntnisstand ist die Strafe auf Bewährung abgelaufen.
Blick hatte angefragt, das Gespräch telefonisch zu führen. YB lehnte dies ab. So wurde das Interview schriftlich geführt.
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | 14 | 11 | 31 | ||
2 | 14 | 12 | 27 | ||
3 | 14 | 7 | 25 | ||
4 | 14 | 6 | 23 | ||
5 | 14 | -1 | 22 | ||
6 | 14 | 3 | 20 | ||
7 | 14 | 4 | 18 | ||
8 | 14 | -6 | 17 | ||
9 | 14 | 3 | 16 | ||
10 | 14 | -5 | 15 | ||
11 | 14 | -9 | 14 | ||
12 | 14 | -25 | 6 |



