Darum gehts
- Der FC Sion trotzt Unterzahl gegen Thun und gewinnt 3:2
- Trainer Tholot verzichtet auf Defensivtaktik, setzt auf Offensivwechsel
- Sion liegt auf Platz 3, ist laut Abwehrchef Jan Kronig maximal ambitioniert
Klar, der berühmte Vergleich von Äpfeln mit Birnen, er hinkt. Einen WM-Viertelfinal mit einem x-beliebigen Meisterschaftsspiel in unserer Liga zu vergleichen, ist gewagt. Und auch mit einem Europacup-Qualifikations-Auftritt des Schweizer Meisters. Und doch: Er ist dann zulässig, wenn beide Mannschaften auf demselben Niveau sind. Zumindest ungefähr.
Ein Réduit wird errichtet
Die Nati bietet Argentinien mehr als die Stirn, hat eben zum 1:1 ausgeglichen, als es passiert. Der FC Thun führt beim grossen Dinamo Zagreb 2:0, als es passiert. Und Sion hat das Spiel gegen Thun fest im Griff, als es passiert. Als was passiert? Ein Platzverweis! Der führte zu folgenden Reaktionen: An der WM zur schleichenden Herausnahme quasi aller Offensivkräfte, so dass der Ball zigmal nach ein paar wenigen Sekunden zurück war vor unserem Strafraum, wo Coach Murat Yakin ein Réduit hatte errichten lassen. Ähnliches tat Thun-Coach Gian-Luca Privitelli, als Marco Bürki vom Platz flog.
Und was war die Konsequenz der gegnerischen Dauerbelagerungen? Irgendwann fallen die Mauern. Argentinien macht in der 112. Minute das Game-winning-Goal. Dinamo gleicht in der regulären Spielzeit aus und markiert den Siegtreffer in der … 112. Minute. Und Sion?
Tholots Motto: stick to the plan!
Da ist die Reaktion eine total andere. Trainer Didier Tholot wechselt genau wie geplant. Kein defensiver Wechsel in der Pause, um Sylla zu ersetzen. Dann spielt man halt nur mit zwei zentralen Mittelfeldspielern statt drei. Und auch später gibts keinen Unterzahl-konditionierten Wechsel, sondern die drei üblichen, geplanten Offensivwechsel um die Stunde herum.
Und auch sonst: kein Réduit, kein Catenaccio. Einfach weiterspielen. Und was hatte Didier Tholot seinen Mannen in der Halbzeit mit auf den Weg gegeben? «Ich habe ihnen gesagt, dass sie in der Lage seien, mit ihrem Spiel Thun zum Zweifeln zu bringen. Und dass wir deshalb in der Lage seien, dieses Spiel zu gewinnen.»
45 Minuten verteidigen? Geht nicht, sagt Kronig
Und die Spieler glauben daran! «Wir haben gewusst, dass wir nicht 45 Minuten lang verteidigen können», sagt Abwehrchef Jan Kronig. «Vor allem bei diesen Wetterbedingungen. Das hätte extrem viele Efforts erfordert. Deshalb wussten wir, dass wir unsere Ballbesitz-Phasen brauchen. Und dass wir weiter angreifen müssen, denn da sind wir gefährlich. Diesen Plan haben wir sehr gut umgesetzt und sind mit dem letzten Angriff belohnt worden.»
Es war sogar mehr, als nur einfach Ballbesitz zu suchen. Kronig weiter: «Wir wollten sie weiter hoch anlaufen. Das haben wir super umgesetzt.»
Die maximale Ambition
Und so setzt sich Sion vorne fest. Platz drei. Nach Verlustpunkten gleichauf mit YB. Fünf Punkte über dem Strich, über den man im Wallis längst nicht mehr spricht. «Wir haben zweimal verloren, gegen zwei sehr gute Mannschaften. Unsere Ambition ist es aber, gegen jeden Gegner das Maximum herauszuholen. Ohnehin sind wir maximal ambitioniert diese Saison.» Was bedeutet das für den letztjährigen Vierten konkret? «Unsere kollektiven Ziele behalte ich mal für mich.» Es ist ganz einfach: Diese Saison soll ein Titel her. Welchen auch immer. Um dann eine europäische Ligaphase zu schaffen.
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Lugano | 6 | 13 | 18 | |
2 | BSC Young Boys | 7 | 12 | 15 | |
3 | FC Sion | 6 | 3 | 12 | |
4 | FC St. Gallen | 6 | 1 | 10 | |
5 | FC Basel | 7 | 0 | 10 | |
6 | FC Luzern | 7 | -3 | 9 | |
7 | FC Thun | 6 | -6 | 7 | |
8 | FC Zürich | 7 | -7 | 7 | |
9 | FC Vaduz | 7 | -1 | 6 | |
10 | FC Lausanne-Sport | 7 | -3 | 6 | |
11 | Grasshopper Club Zürich | 6 | -5 | 5 | |
12 | Servette FC | 6 | -4 | 4 |
