Darum gehts
- FCL-Goalie Simon Simoni macht zwei Fehler in den ersten Spielen
- Statistik: Mit 6,39 PSxG ligaweit führend trotz Kritik
- Roger Tschudin fordert Geduld: Bewertung nach zehn Spielen sinnvoll
Zwei Niederlagen zum Saisonstart, zwei folgenschwere Fehler von Simon Simoni (22): So hatte sich Udo Portmann (49) den Start ins Abenteuer als FCL-Trainer kaum vorgestellt. Die ersten kritischen Stimmen sind bereits laut geworden. Doch nach nur zwei Spieltagen gilt: Die Kirche sollte man im Dorf lassen. Es ist nicht alles schlecht – aber eben auch nicht alles gut.
Das gilt besonders für die Goalieposition. Mit Simoni verpflichtete Luzern einen Goalie, der in den vergangenen zwei Jahren in Deutschland kaum Spielpraxis sammeln konnte. Wer erwartet hatte, dass der Albaner den FCL vom ersten Spiel an mit Glanzparaden zu Siegen führen würde, setzte die Messlatte wohl zu hoch. Das dürfte auch Sportchef Remo Meyer (45) bewusst gewesen sein.
FCL-Meistergoalie verteidigt Simoni
Prominente Rückendeckung erhält Simoni nun von Roger Tschudin (60), dem Luzerner Meistergoalie von 1989, der 112 Mal im FCL-Kasten stand. «Man kann jetzt auf ihn einprügeln und ihn als Fehleinkauf abstempeln. Das halte ich aber für falsch. Damit macht man weder der Mannschaft noch ihm selbst einen Gefallen», sagt Tschudin zu Blick. «Man muss ihm mindestens fünf bis sieben Spiele geben, bevor man sich ein seriöses Urteil bildet.»
Der heutige Versicherungsbroker spricht aus Erfahrung. «Ein solcher Bock wie gegen Sion ist mir in meiner Karriere auch passiert.» Simoni wisse selbst am besten, dass er diesen Ball halten müsse. «Solche Fehler beschäftigen einen Torhüter am meisten. Ich kann mir vorstellen, wie schwer es ihm auf dem Magen liegt. Zumal er es ja nicht absichtlich gemacht hat.»
«Simoni ist kein Zappelphilipp»
Während der Patzer gegen Thun von vielen Experten mit Simonis fehlender Spielpraxis erklärt wurde, wurden nach dem Fehler gegen Sion bereits seine grundsätzlichen Qualitäten infrage gestellt. Für Tschudin geht diese Kritik aus gewissen Fankreisen zu weit. «Für mich war das ein Konzentrationsfehler. Von 100 solchen Bällen hält er 99. Er war gedanklich schon bei der nächsten Aktion und hat den Abschluss nicht sauber zu Ende verteidigt.»
Das dürfe auf diesem Niveau zwar nicht passieren. Grundsätzlich sieht Tschudin aber viele Stärken beim Luzerner Neuzugang. «Er bringt gute Anlagen mit. Er strahlt Ruhe aus, ist kein Zappelphilipp und gibt der Mannschaft Stabilität. Das gefällt mir.»
Statistiken sprechen für Simoni
Dass derzeit fast ausschliesslich über Simonis Fehler gesprochen wird, sei zwar verständlich. Seine Leistungen seien aber differenzierter zu beurteilen. Das zeigen auch die Daten: In der Kennzahl «Goals Saved Above Average», die misst, wie viele Tore ein Goalie im Vergleich zu einem durchschnittlichen Torhüter verhindert, liegt Simoni nach zwei Spieltagen mit einem Wert von 0,39 ligaweit auf Rang 4.
Nur Anthony Racioppi, Marvin Keller und Lukas Watkowiak schneiden besser ab – wobei Keller und Watkowiak erst einmal im Einsatz standen. Dass Simoni trotz dieser zwei Fehler gegen Thun und Sion also zu den Besten gehört, spricht für ihn. Und dann ist da auch noch eine weitere Statistik.
Bei den «Post-Shot Expected Goals» (PSxG) liegt Simoni mit einem Wert von 6,39 ligaweit an der Spitze. Diese Kennzahl misst die Qualität der Schüsse, die ein Torhüter aufs Tor bekommt. Anders als die klassischen Expected Goals (xG) berücksichtigt sie nicht nur die Abschlussposition, sondern auch die tatsächliche Platzierung und Schärfe eines Schusses. Ein hoher Wert bedeutet deshalb vor allem eines: Simoni musste bislang besonders viele gefährliche Abschlüsse entschärfen, und die Abwehrarbeit hat ihm auch nicht geholfen.
«Vorher ist das viel zu früh»
Für Tschudin kommt eine Goalie-Diskussion deshalb viel zu früh. «Luzern würde den Teufel tun und jetzt den Goalie infrage stellen.» Sein Rat ist klar: «Ich würde ihn jetzt ins Gebet nehmen und ihm sagen: Wir stehen hinter dir. Man muss ihn mit seinen positiven Eigenschaften dorthin führen, wo man ihn haben will.»
Entscheidend sei nun die mentale Stärke von Simoni, betont Tschudin. «Es ist passiert. Ändern kann er es nicht mehr. Aber im nächsten Spiel kann er die Antwort auf dem Platz geben. Wenn er bis zum zehnten Meisterschaftsspiel nicht auf dem gewünschten Niveau ist, muss man reagieren. Vorher ist das viel zu früh.»
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Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | BSC Young Boys | 2 | 8 | 6 | |
2 | FC Lugano | 2 | 4 | 6 | |
3 | FC St. Gallen | 2 | 2 | 6 | |
4 | FC Lausanne-Sport | 2 | 1 | 4 | |
5 | FC Sion | 2 | 1 | 3 | |
6 | FC Zürich | 2 | 0 | 3 | |
7 | FC Basel | 2 | 0 | 3 | |
8 | FC Thun | 2 | -4 | 3 | |
9 | Grasshopper Club Zürich | 2 | -3 | 1 | |
10 | FC Vaduz | 2 | -2 | 0 | |
11 | Servette FC | 2 | -2 | 0 | |
12 | FC Luzern | 2 | -5 | 0 |

