Das Spiel
Was für eine Machtdemonstration von St. Gallen im Kybunpark! Der FCSG überfährt den FC Basel in der Start-Viertelstunde komplett. Mann der Stunde: Chima Okoroji, der die Espen mit einem Doppelpack in Führung bringt. Vor dem Spiel wurde der Münchner für 100 Spiele im FCSG-Dress geehrt. Nun erzielt der Abwehrspieler bei seinem Jubiläum seine ersten beiden Treffer für die St. Galler.
Und der Espen-Express rollt munter weiter, das Heimteam vergibt praktisch im Minutentakt Chance um Chance, während Basel sich kaum aus seiner Hälfte befreien kann. Noch vor der Pause erhöht Carlo Boukhalfa auf 3:0. Grund genug für den FCB, um eine Krisensitzung einzuberufen (siehe «Das gab zu reden»).
Dennoch dominieren die Espen Basel weiter nach Belieben. Während sie sich vor allem nach vorne orientieren, sind sie aber auch bei den wenigen Basler Versuchen hinten hellwach. Lawrence Ati Zigi kann einen Schlenzer von Julien Duranville klären, wenig später wird ein zweiter Abschlussversuch des Belgiers geblockt (62.). Auf der Gegenseite ist dann auch FCB-Goalie Marwin Hitz gefragt, der eine Glanzparade gegen Witzig auspackt und sein Team so vor dem nächsten Gegentreffer bewahrt.
In der Schlussphase, in der Albian Ajeti aus bester Position den Ball an die Latte knallt und so den hundertprozentigen Ehrentreffer vergibt, macht St. Gallen nur noch das Nötigste. Das reicht aber, um zum achten Mal in Folge Punkte einzutüten. Es sind deren drei, die bei den Ostschweizern die Meister-Hoffnungen zumindest ein klein wenig weiter am Leben lassen dürften. Währenddessen fällt Basel nach zuletzt zwei Siegen in Serie nach der Nicht-Leistung im Kybunpark wieder in den Krisenmodus zurück.
Die Tore
9. Minute, Chima Okoroji, 1:0. Daschner bringt eine Ecke in den Basler Strafraum. Dort kommt der Ball über Umwege zu Okoroji, der aus rund 15 Metern völlig freistehend zur St. Galler Führung trifft.
15. Minute, Chima Okoroji, 2:0. St. Gallen bekommt in guter Position halbrechts vor dem Tor einen Freistoss zugesprochen. Okoroji übernimmt, schiesst direkt und erwischt FCB-Goalie Hitz in der rechten Ecke.
29. Minute, Carlo Boukhalfa, 3:0. Die FCB-Defensive kann einen Chipball von Görtler klären. Der Ball landet jedoch bei Boukhalfa, der das Spielgerät im Rutschen an Hitz vorbei ins Tor befördert.
Die Stimmen
FCB-Coach Stephan Lichtsteiner: «Wir waren heute sicher nicht überrascht. Wir wussten, dass sie am Anfang kommen werden und haben versucht, dagegenzuhalten. Wir waren aber zu fehlerhaft. Es war heute nicht einfach, der Druck war enorm. Dadurch, dass wir nicht wirklich wechseln konnten, waren gewisse Spieler müde. Es war das dritte Spiel innerhalb einer Woche. Es ist eine Erklärung, aber keine Entschuldigung. St. Gallen hat den Sieg heute verdient. Wir konnten nicht umsetzen, was wir uns vorgenommen haben.»
FCSG-Captain Lukas Görtler (gegenüber Blue): «Es soll nicht despektierlich klingen, aber Basel liegt uns zu Hause. Ich habe selten so ein gutes Gefühl wie bei Spielen gegen Basel. Wir hatten heute einen konkreten Plan. Wir wollten heute viel Energie auf den Platz bringen, die hatten wir heute von Anfang an. Es lief wie von selbst, auch wenn wir erst vor wenigen Tagen ein Spiel hatten. Wenn wir zur Halbzeit 5:0 führen würden, wäre es auch ein verdientes Ergebnis. Die erste Halbzeit hat unglaublich Spass gemacht. Wir sind restlos zufrieden.»
FCB-Verteidiger Becir Omeragic (gegenüber Blue): «Vor allem in den ersten 30 Minuten waren wir nicht bereit. Wir wussten eigentlich, dass sie gut pressen können und viele lange Bälle spielen. Auch mit dem Ball haben wir zu viele Fehler gemacht. Und dann stand es schon 0:3. Wir haben es aber auch danach nicht geschafft, den Ball zu halten. In der zweiten Halbzeit waren wir mutiger und hatten so auch zwei, drei Chancen. Aber es war zu wenig. Es war heute ein schwieriges Spiel.»
FCB-Mittelfeldspieler Kevin Rüegg (gegenüber Blue): «Wir haben nach 15 Minuten die zwei Chancen durch Standards zugelassen, obwohl wir wussten, dass sie darin stark sind und wir uns darauf eingestellt haben. Wir konnten unser Spiel nicht aufziehen, weil St. Gallen stark gepresst hat. Danach haben uns auch die Lösungen gefehlt. Die zweite Halbzeit gelang uns etwas besser. Schlussendlich war es aber heute klar zu wenig.»
FCSG-Doppeltorschütze Chima Okoroji (gegenüber Blue): «Es fühlt sich heute besonders an. Ich hatte ein gutes Gefühl von Anfang an. Wir wussten, dass es heute wie ein Sechs-Punkte-Spiel für uns ist. Ich wusste, dass ich mit meinen Fähigkeiten der Mannschaft helfen kann. Ich hatte beim ersten Tor viel Glück, dass der Ball genau zu mir kommt. Beim Freistoss habe ich einfach mein Selbstvertrauen genommen und draufgehauen. Das 100. Spiel ist etwas Besonderes, vor allem hier in St. Gallen, wo ich mich mit meiner Familie wohl fühle. Den Tag werde ich auf jeden Fall nicht vergessen.»
Der Beste
Chima Okoroji. 100 Spiele lang wartet er auf seinen ersten Treffer im FCSG-Dress, nun jubelt er gleich doppelt. Nach zwei Traumtoren.
Der Schlechteste
Mit Ausnahme des starken Marwin Hitz hätten alle Basler diese Auszeichnung verdient. Treffen tuts Mittelfeldspieler Metinho. Weil er sich zusätzlich zur schwachen Leistung auch noch zu einem lächerlichen «Ich-markier-den-Macker-Schubser» gegen Tom Gaal hinreissen lässt.
Das gab zu reden
Die Basler Krisensitzung in der ersten Halbzeit. 0:3 im Rückstand liegend, nutzt die Mannschaft eine Unterbrechung, um sich auf dem Feld im Kreis zu treffen und zu besprechen, wie es weitergehen soll. Bemerkenswert, dass die Spieler nicht zu Coach Stephan Lichtsteiner gehen und stattdessen auf eigene Faust beraten. Wirklich besser wirds danach aber nicht, der FCSG hätte auch mit einem Fünf-Tore-Vorsprung in die Pause gehen können.
Die Schiris
Weil das Spiel schon nach einer halben Stunde entschieden ist, verbringt Urs Schnyder einen geruhsamen Nachmittag. Und er liegt zusammen mit seinen beiden Assistenten Benjamin und Marco Zürcher in fast allen Aktionen richtig. VAR Fedayi San lagert derweil die Beine hoch.
Die Fans
19’155 Zuschauerinnen und Zuschauer finden den Weg in den Kybunpark und erleben einen Frühlingstag wie aus dem Bilderbuch. Einzig an Sonnencrème scheint es den Fans zum mangeln, nimmt man die zahlreichen zündroten Köpfe als Massstab.
So gehts weiter
St. Gallen bestreitet am Samstag gleich das nächste Heimspiel. Zu Gast im Kybunpark ist der FC Lugano, der Anpfiff erfolgt um 20.30 Uhr. Basel spielt einen Tag später zu Hause gegen Servette (16.30 Uhr).
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Thun | 32 | 36 | 71 | |
2 | FC St. Gallen | 33 | 24 | 60 | |
3 | FC Lugano | 33 | 12 | 57 | |
4 | FC Basel | 32 | 8 | 53 | |
5 | FC Sion | 33 | 16 | 52 | |
6 | BSC Young Boys | 33 | 5 | 48 |
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Luzern | 33 | 3 | 40 | |
2 | Servette FC | 33 | 0 | 40 | |
3 | FC Lausanne-Sport | 33 | -10 | 39 | |
4 | FC Zürich | 33 | -18 | 34 | |
5 | Grasshopper Club Zürich | 33 | -25 | 27 | |
6 | FC Winterthur | 33 | -51 | 19 |






