Die Schlüsselszene
Ist es überhaupt möglich, dass die matchentscheidende Szene nach 64 Spielsekunden passiert? Ein Führungstreffer kann es nicht sein. Aber eine Rote, so früh? Kann es sein. Zumal bei 35 Grad im Schatten in der Bruthitze des Rhônetals? Das ist dann schon eine Maximalhypothek! Es sind eben 64 Sekunden gespielt, als Owusu den Ball im Mittelkreis suboptimal kontrolliert und den heranpreschenden Rrudhani nicht sieht und spürt. Der ist schneller am Ball, Owusu langt da auch hin, aber am Ende trifft er null Ball und hundert Prozent Schienbein des Wallisers. Ref Fähndrich gibt mal vorsorglich Gelb, nachdem er Vorteil hat laufen lassen. Als die Offensivaktion vorbei ist, geht er zum Schirm und wandelt Gelb innert weniger Sekunden in Rot um.
Das Spiel
Glatt Rot für Tyron Owusu (3.) und dann patzt auch noch Goalie Simon Simoni (9.) – der FC Luzern erlebt im Tourbillon einen doppelten Albtraumstart. Aber: Die Mannschaft von Trainer Udo Portmann steckt nicht auf und bietet Sion danach in Unterzahl Paroli.
Bei den Wallisern schwindet in der Bruthitze hingegen rasch die Konzentration. Rilind Nivokazi und 1:0-Torschütze Donat Rrudhani müssten in der 30. Minute auf 2:0 stellen, doch beide scheitern sie an Simoni. Gleich reihenweise sündigt nach der Pause Winsley Boteli (50., 56., 60.).
Für Didier Tholot ist klar: Er muss seinem Team offensiv neues Leben einhauchen – und genau das tut der Sion-Coach mit der Hereinnahme von Théo Berdayes, Josias Lukembila und Franck Surdez in der 63. Minute.
Berdayes (70.) und Lukembila (77.) entscheiden danach prompt mit ihren Toren die Partie zu Gunsten des Heimteams. Den zu zehnt agierenden Luzernern gehen zum Schluss logischerweise die Kräfte aus.
Die Tore
9. Minute, Donat Rrudhani, 1:0. Rrudhani probiert nach einem Zuspiel von Winsley Boteli an der Strafraumkante mit einem Direktschuss sein Glück. Dieser ist weder sonderlich platziert noch scharf – und dennoch lässt FCL-Goalie Simon Simoni den Ball durch die Beine flutschen.
70. Minute, Théo Berdayes, 2:0. Während die Luzerner Abwehr ein Handspiel von Josias Lukembila moniert, legt dieser rüber zu Berdayes. Simoni stürmt heraus und verkürzt den Winkel, aber Berdayes findet einen Weg am FCL-Keeper vorbei.
77. Minute, Josias Lukembila, 3:0. Sion kontert. Erst passt Franck Surdez nach rechts zu Ali Kabacalman, der den Ball umgehend wieder zu Surdez zurückspielt. Also setzt Surdez links Lukembila in Szene, der mit einem Flachschuss vollendet.
Die Stimmen
Donat Rrudhani (Sion) gegenüber Blue zum Rot-Foul von Owusu: «Ich hatte viele, viele Schmerzen. Am Anfang habe ich mein Bein gar nicht gespürt. Ich denke nicht, dass er es extra gemacht hat. Das war unglücklich für ihn. Ich musste in der Halbzeit eine Tablette nehmen.»
Pius Dorn (Luzern) gegenüber Blue: «Wir wollten eine Reaktion zeigen auf das nicht so gute Spiel gegen Thun – und dann geht es denkbar ungünstig los für uns. Von der Mentalität her kann ich der Mannschaft keinen Vorwurf machen. Am Ende ist uns dann bei dieser Hitze die Kraft ausgegangen. Wir werden den anderen Mannschaften nicht den Gefallen machen und auseinanderfallen nach diesen zwei Spielen.»
Der Beste
Sion gewinnt klar 3:0. Und doch ist es schwierig, einen klar Besten zu finden. In der Defensive ist Sion kaum gefordert. Die Offensivleute sind allesamt fahrig mit einem Mann mehr. Ausser vielleicht Josias Lukembila. Er macht mit einem Prachtsassist und seinem Tor den Sack hochkonzentriert zu.
Der Schlechteste
Uiuiui Simon Simoni. Das erste Walliser Tor ist ein GAU für den Luzerner Keeper! Durch die Hosenträger. Die Hände nicht stabil. Dahinter nicht sauber mit den Beinen gearbeitet. Und schon flutscht das Ding durch. Da möchte man am liebsten im Boden versinken. Zumal die neue Luzerner Nummer eins schon gegen Thuns Gutbub ein Ei kassierte. Denkbar, dass im nächsten Spiel der Zuger Raphael Radtke zwischen den Pfosten steht.
Die Fans
8200 sind im Tourbillon. Es ist eine typische Ferienzahl. Im September kommen dann wieder 10'000 und mehr. Dennoch ist der Gradin Nord gut gefüllt, ebenso der Gästesektor. Die FCL-Fans – neunzig Minuten der prallen Sonne ausgesetzt – versuchen ihrem rotgebeutelten Team zu helfen, so gut es geht.
Die Schiris
Kaum Probleme für Lukas Fähndrich. Auch die Rote gegen Owusu ist nicht wirklich heikel. Und dass er zuerst defensiv mal Gelb gibt, ist auch vertretbar.
Das gab zu reden
Die Temperaturen! Im Kessel des Rhônetals kann es halt schon viel heisser werden als im Flachland. Und diese 35 Grad fühlen sich dann schnell mal an wie vierzig. Unbarmherzig!
So gehts weiter
Auf Sion wartet am kommenden Donnerstag in der dritten Runde der Conference-League-Qualifikation auswärts das erste von zwei Aufeinandertreffen mit dem FC Noah aus Armenien. Danach, am Sonntag, messen sich die Walliser zu Hause in der Super League mit Aufsteiger Vaduz, während Luzern gleichzeitig auswärts auf St. Gallen trifft.
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Lugano | 6 | 13 | 18 | |
2 | BSC Young Boys | 7 | 12 | 15 | |
3 | FC Sion | 6 | 3 | 12 | |
4 | FC St. Gallen | 6 | 1 | 10 | |
5 | FC Basel | 7 | 0 | 10 | |
6 | FC Luzern | 7 | -3 | 9 | |
7 | FC Thun | 6 | -6 | 7 | |
8 | FC Zürich | 7 | -7 | 7 | |
9 | FC Vaduz | 7 | -1 | 6 | |
10 | FC Lausanne-Sport | 7 | -3 | 6 | |
11 | Grasshopper Club Zürich | 6 | -5 | 5 | |
12 | Servette FC | 6 | -4 | 4 |






