Sportchef gegen Verwaltungsrat
Der Adjetey-Deal kann für den FCB zur Zerreissprobe werden

Sportchef Daniel Stucki hat den Wegzug von Jonas Adjetey zum VfL Wolfsburg nicht abgesegnet. Der Verein hat aber durchaus Gründe, den Innenverteidiger zwei Tage vor dem Cupknaller in St. Gallen abzugeben.
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Bei dieser Entscheidung getrennt: FCB-Präsident David Degen (r.) und Sportchef Daniel Stucki.
Foto: TOTO MARTI

Darum gehts

  • FC Basel-Präsident Degen erklärt Adjeteys Transfer zu Wolfsburg vor Cup-Spiel
  • Sportchef Stucki hat sich gegen den Transfer ausgesprochen
  • Der FCB ist finanziell noch immer nicht auf Rosen gebettet
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Florian RazReporter Fussball

Allein die Form zeigt, dass da etwas Aussergewöhnliches passiert ist. So lang ist die Botschaft, die David Degen (42) am Montagabend auf die sozialen Medien stellen lässt, dass man am Handy-Bildschirm zoomen muss, um sie zu entziffern. Mit 242 Wörtern erklärt der Präsident des FC Basel, warum Jonas Adjetey (22) nicht mehr Spieler des FC Basel ist.

«Es ist uns wichtig, zu betonen, dass dieser Transfer für einmal ein Entscheid des Verwaltungsrats war – die sportliche Leitung hat sich aus nachvollziehbaren Gründen dagegen ausgesprochen.» So offen und ehrlich schreibt das Degen, dass man gar nicht zwischen den Zeilen lesen muss, um festzustellen: Dieser Transfer hat klubintern für richtig Reibung gesorgt.

Mit «die sportliche Leitung» ist in erster Linie Daniel Stucki (44) gemeint. Der Sportchef, der den direkten Konflikt mit Klubboss Degen nicht scheut. Was in den Turmbüros des FCB zu St. Jakob die Wände schon ein paarmal hat wackeln lassen.

Bislang haben sich die beiden auch nach lautstarken Auseinandersetzungen immer wieder zusammengerauft. Aber diesmal war es Stucki offensichtlich wichtig, dass gegen aussen klar und deutlich wird: Er hat diesen Abgang zum VfL Wolfsburg nicht abgesegnet. Nicht zwei Tage vor einem Cup-Viertelfinal beim FC St. Gallen, der darüber entscheiden kann, ob diese Saison für den FCB endgültig zur riesigen Enttäuschung wird.

Sportchef und Trainer erhalten eine Jobgarantie

Degen seinerseits liegt sein wichtigster Mitarbeiter so sehr am Herzen, dass er ihn nicht nur öffentlich aus der Verantwortung nimmt. Nein, Degen gibt Stucki und dem eben erst verpflichteten Trainer Stephan Lichtsteiner (42) sogar so etwas wie eine Jobgarantie: «Klar ist auch, dass Sportdirektor Daniel Stucki sowie Stephan Lichtsteiner und sein Trainerteam – völlig unabhängig von den Resultaten in der aktuell schwierigen Phase – unsere volle Rückendeckung haben.»

Trotzdem kann der Adjetey-Deal für den FCB zur internen Zerreissprobe werden. Dann, wenn das Spiel in der Ostschweiz so endet, wie die ersten beiden von Trainer-Lehrling Lichtsteiner: mit einer Niederlage. Im schlimmsten Fall gewürzt mit einem Aussetzer in der Innenverteidigung. Dort, wo nun ein Loch klafft, an dem die Agentur des Zwillingsbruders des FCB-Präsidenten ihren Anteil hat: Adjetey wird von Philipp Degens Firma SBE beraten.

Die Kassen des FCB sind noch nicht gefüllt

Der Deal zeigt aber auch, dass der FCB trotz all ihrer spektakulären Spielerverkäufe noch weit davon entfernt ist, wieder der Ligakrösus zu sein. Basel hat kein beruhigendes Festgeldkonto mehr wie in der Ära vor Ex-Präsident Bernhard Burgener (69). Oder wie derzeit YB.

An der letzten Generalversammlung präsentierte die rotblaue Klubspitze ein Budget, in dem die Rechnung nur dank Darlehen in der Höhe von 28 Millionen Franken ausgeglichen war. Das Problem der Basler: All die schönen Transfersummen, über die die Medien berichten, werden nicht auf einen Schlag fällig. Sie tröpfeln nur nach und nach in Raten herein. Die Kassen füllen sich nur langsam, während die laufenden Kosten hoch bleiben.

Degen und die restlichen Verwaltungsräte haben also durchaus Gründe, warum sie im Fall Adjetey das sichere Geld über den möglichen sportlichen Erfolg stellen. Für einen Triumph im Cup, der kaum Einnahmen bringt, bräuchte Basel noch drei Siege. Um danach an die Millionenprämien der Europa League zu kommen, müssten gleich vier Qualifikationsrunden überstanden werden.

Da sind die zehn Millionen für einen wegtransferierten Spieler ein ziemlich fetter Spatz in der Hand im Vergleich zu einer Taube auf dem Dach, von der man nicht einmal weiss, wie wohlgenährt sie wirklich ist.

Die Sicht des Spielers

Kommt die Seite des Spielers hinzu. Adjetey ist nicht seit vielen Jahren Grossverdiener. Er wurde vom FCB bloss durch Zufall in seinem Heimatland Ghana entdeckt. Für ihn ist der Wechsel in die Bundesliga ein möglicherweise lebensverändernder Moment. Weil er sich mit einer Unterschrift in Einkommenssphären katapultiert, von denen er vor ein paar Jahren bloss träumte.

Das spricht Degen an, wenn er schreibt: «Hinzu kommt, dass ich mich ein Stück weit für Jonas verantwortlich fühle, weil ich ihn damals aus Ghana direkt zum FCB holte.»

Lichtsteiner gibt sich tapfer

Bleibt die Frage, wie sich denn Stephan Lichtsteiner so fühlt. Ihm wurde jetzt schon der zweite Stammspieler kurz vor Anpfiff eines wichtigen Spiels wegtransferiert. Vor dem 1:2 gegen Thun war es Offensivspieler Philip Otele (26), der wegen seines bevorstehenden Transfers nach Hamburg aus dem Aufgebot gestrichen wurde. Jetzt darf der FCB-Trainer also seine Abwehr frisch sortieren.

Am Tag vor dem Cupknaller in St. Gallen gibt sich Lichtsteiner tapfer: «Gewisse Dinge passieren am Deadline-Day. Damit muss man umgehen.» Es bleibt ihm auch nichts anderes übrig.

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Brack Super League 25/26
Mannschaft
SP
TD
PT
1
FC Thun
FC Thun
22
22
49
2
FC Lugano
FC Lugano
22
11
40
3
FC St. Gallen
FC St. Gallen
21
14
38
4
FC Basel
FC Basel
22
8
36
5
FC Sion
FC Sion
22
6
33
6
BSC Young Boys
BSC Young Boys
22
-2
32
7
FC Lausanne-Sport
FC Lausanne-Sport
22
2
28
8
Servette FC
Servette FC
22
-5
25
9
FC Zürich
FC Zürich
22
-11
25
10
FC Luzern
FC Luzern
22
-3
23
11
Grasshopper Club Zürich
Grasshopper Club Zürich
22
-11
19
12
FC Winterthur
FC Winterthur
21
-31
13
Meisterschaftsrunde
Abstiegsrunde
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