Darum gehts
- Dennis Hediger wurde beim FC Zürich nach schwachen Leistungen entlassen
- Spieler waren unzufrieden mit der Kommunikation des Trainers
- Mit 0,88 Punkten pro Spiel zweitschlechtester Trainer seit 1988
«Explosionsgefahr! Wann knallt es beim FCZ?», hat Blick am Sonntag gefragt. Am Dienstag hat es gekracht. Trainer Dennis Hediger ist gefeuert, als Nachfolger übernimmt GC-Legende Marcel Koller ab der kommenden Saison. Bis dahin führt Carlos Bernegger die Zürcher an der Seitenlinie. Und es ist klar: Dennis Hediger (39) ist nicht allein an seinen Resultaten gescheitert, die jeder Beschreibung spotten: 0,88 Punkte pro Spiel – der zweitschlechteste Schnitt eines fix installierten FCZ-Trainers seit Timo Konietzka 1988. Die fünf Punkte, die zu seiner Absetzung führten:
Die unzufriedenen Spieler
Schon vor dem Lugano-Spiel am Samstag hatte Hediger die Kabine gegen sich. Die Spieler mochten seine weichgespülten Analysen nicht mehr hören. Während sie selber ihre Auftritte erbärmlich fanden, erklärte ihnen Hediger unbeirrt, eigentlich sei alles ganz wunderbar. Laut Blick-Informationen klagten mehrere Profis auch klubintern über die Kommunikation des Trainers.
Hediger ist damit bereits der zweite FCZ-Coach in dieser Saison, der die Kabine verloren hat. Bei Vorgänger Mitchell van der Gaag (54) waren Führungsspieler sogar bei Präsdent Ancillo Canepa vorstellig geworden. So weit ging es diesmal nicht – die Entlassung kam ihnen zuvor.
Die abgestraften Offensivspieler
Bei Hediger vermischten sich sportliche Probleme mit Schwierigkeiten in der Menschenführung. Mit Matthias Phaëton (26) sass der zweitbeste Torschütze des Teams wegen eines Trainings-Eklats mit Hediger zuletzt nur noch auf der Tribüne. Wobei klubintern die Meinung herrscht, dass Hediger durchaus eine Mitschuld an der Eskalation trage. Dass er mit Bledian Krasniqi (24) den Mann mit den meisten Assists ebenfalls kaltstellte, schwächte Hedigers Position im Team zusätzlich.
Hedigers Unerfahrenheit
Schlussendlich scheiterte Hediger wohl auch an einer gewissen Selbstüberschätzung. Anstatt sich schrittweise in tieferen Ligen auf einen Job im Profifussball vorzubereiten, traute er es sich zu, noch vor dem Abschluss seiner Trainerausbildung in der höchsten Schweizer Liga zu arbeiten.
Je grösser die FCZ-Krise aber wurde, umso augenfälliger wurde seine Unerfahrenheit. Hediger begann, seine Taktik anzupassen. Er schraubte und pröbelte – und fand doch nie das nötige Gleichgewicht. Wobei es ihm sicher nicht half, dass der FCZ im Winter nach dem Abgang von Sportchef Milos Malenovic (41) noch einmal einen grossen Umbruch erlebte.
Ein Trainer mit etwas mehr Erfahrung hätte danach vielleicht einen realistischeren, auf die gesunkene Kaderqualität angepassten Fussball spielen lassen. Hediger aber wollte unbedingt hoch-intensives Pressing à la Red Bull sehen. Erst als offenkundig wurde, dass die Zürcher damit ins Verderben rannten, setzte er auf mehr Defensive. Worauf die Offensive komplett einschlief.
Der Rückhalt bei den Canepas
Dass Hedigers Unerfahrenheit zum Problem werden könnte, war schon im Dezember klar, als er vom Interimsmann zum fixen Chef ernannt wurde. Aber das Besitzer-Ehepaar Canepa mochte den jungen Trainer, der seine mutigen Ideen so wunderbar formulieren kann.
Der Glaube an Hediger sank allerdings mit jeder Niederlage. Dass der FCZ spätestens ab Sommer einen neuen Trainer brauchen würde, schien darum schon länger klar. Aber nach dem 0:1 gegen Lugano wurde die Angst vor der Barrage offenbar grösser als der Ärger darüber, öffentlich eingestehen zu müssen, dass man bei der Trainerwahl schon wieder daneben gegriffen hat.
Die Chance Marcel Koller
Marcel Koller mag als Rekordspieler des Stadtrivalen GC bei den Fans einen schwierigen Stand haben. Als Trainer spielt er mit seiner Erfahrung und seinen Erfolgen in einer Liga, in der sich der FCZ nur ganz selten bedienen kann. Dass der 65-Jährige zu den Zürchern kommen will, ist darum eine Chance, die der Klub nicht ausschlagen konnte.
Wobei es sicher eine Rolle gespielt hat, dass Koller von Dino Lamberti (55) beraten wird. Der Agent, der eigentlich nur im Mandat für den Klub arbeitet, festigt damit seinen Einfluss im Home of FCZ. Er hat schon Carlos Bernegger (57) installiert, der nun bis Saisonende übernimmt und den Sturz auf den Barrageplatz verhindern soll.
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Thun | 32 | 36 | 71 | |
2 | FC St. Gallen | 33 | 24 | 60 | |
3 | FC Lugano | 33 | 12 | 57 | |
4 | FC Basel | 32 | 8 | 53 | |
5 | FC Sion | 33 | 16 | 52 | |
6 | BSC Young Boys | 33 | 5 | 48 |
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Luzern | 33 | 3 | 40 | |
2 | Servette FC | 33 | 0 | 40 | |
3 | FC Lausanne-Sport | 33 | -10 | 39 | |
4 | FC Zürich | 33 | -18 | 34 | |
5 | Grasshopper Club Zürich | 33 | -25 | 27 | |
6 | FC Winterthur | 33 | -51 | 19 |
