Darum gehts
- Ludovic Magnin wird nach nur 33 Spielen als FCB-Trainer entlassen
- Fehlende Transfers und hohe Erwartungen erschwerten Magnins Arbeit erheblich
- FCB erzielte nur 4 Tore in 1606 Minuten durch drei Mittelstürmer
Nach nur 33 Partien endet die Amtszeit von Ludovic Magnin (46) als FCB-Trainer. Der Lausanner muss sich durchaus den einen oder anderen Vorwurf gefallen lassen. Die alleinige Schuld an der durchwachsenen Saison trägt er aber nicht. Eine Analyse.
Woran Magnin schuld ist
Fehlende Spielidee: Zu Saisonbeginn wirkte es, als wäre die Handschrift von Magnin schnell zu erkennen. Noch höher stehen, noch schneller spielen. Das Problem: Der FCB-Trainer musste schnell einsehen, dass er mit den Baslern nicht denselben Pressing-Fussball spielen lassen kann wie zuvor mit Ex-Klub Lausanne. Einer der Hauptgründe ist Xherdan Shaqiri (34), dem man zahlreiche überragende Qualitäten attestieren kann. Ein Pressing-Monster zu sein, gehört aber sicher nicht dazu. Auch deshalb hat sich Magnin immer mehr von seiner eigentlichen Spielidee entfernt, versuchte es zwischenzeitlich sogar mit Shaqiri als Mittelstürmer. Eine richtige Spielphilosophie hat Magnin so aber nie entwickeln können.
Spieler sind schlechter geworden: Klar, mit Leon Avdullahu (Hoffenheim), Kevin Carlos (Nizza) und Anton Kade (Augsburg) hatte der FCB im Sommer drei nicht unwesentliche Abgänge zu verzeichnen. Trotzdem hat Sportchef Daniel Stucki den Grossteil der Double-Mannschaft zusammengehalten. Nur scheint kein einziger Spieler an die Leistungen der vergangenen Saison anknüpfen zu können. Albian Ajeti hat seit Oktober nicht mehr getroffen, Philip Otele hinkt seit den Wechselgerüchten seiner Form hinterher, Jonas Adjetey fällt häufiger durch grobe Schnitzer als seine beeindruckenden physischen Qualitäten auf. Und sogar Goalie Marwin Hitz leistet sich regelmässig unerklärliche Patzer. Dass die individuellen Leistungen von Spielern gesunken sind, ist nicht die alleinige Schuld von Magnin. Trotzdem muss auch der Trainer dafür mitverantwortlich gemacht werden, dass seine Mannschaft ihr unumstritten vorhandenes Potenzial nicht abrufen kann.
Titelhunger nicht wieder geweckt: Eines der grossen Probleme hat Ludovic Magnin bereits nach seinem ersten Training erkannt. «Meine Hauptaufgabe ist es, dass die Mannschaft den Hunger nicht verliert», sagte er schon im Juni. Doch genau das scheint ihm nicht gelungen zu sein. Mit einzelnen Ausnahmen wirkt die Mannschaft deutlich weniger erfolgshungrig als noch im Frühling. Nach dem Doublegewinn scheint sich innerhalb des Teams eine gewisse Zufriedenheit breitgemacht zu haben. Ein Beispiel gefällig? Flügel Bénie Traoré, in dieser Saison nur noch ein Schatten seiner selbst, erklärte nach dem erknorzten 3:1-Sieg im Cup-Achtelfinal gegen Grand-Saconnex, man könne mit diesem Spiel sehr zufrieden sein. Das gleiche Spiel übrigens, in dem Sportchef Stucki der Mannschaft in der Halbzeitpause eine Standpauke hielt, weil ihn der Basler Auftritt gegen den Vorletzten der Promotion League derart auf die Palme gebracht hatte ...
Wofür Magnin nichts kann
Die (zu) hohen Erwartungen: Es ist das grosse Thema der Basler Hinrunde: die Chancenverwertung. Laut dem Expected-Goals-Modell müssten der FCB rund elf Tore mehr auf dem Konto haben. Kleine Anmerkung: Es müssten auch acht Gegentore mehr sein. Trotzdem ist es ein krasserer Gegensatz zur Vorsaison, in der die Bebbi vor allem in der Offensive massiv überperformten. In der Meistersaison erspielte sich der FCB Chancen für knapp 73 Tore, traf daraus aber ganze 91 Mal. Trotzdem stehen die Basler punktemässig genau gleich da wie im Vorjahr. Aus den 21 Super-League-Spielen mit Magnin schauten 36 Punkte heraus. Das ist nur einer weniger als zum gleichen Zeitpunkt in der Vorsaison. Um die durch den Titelgewinn wieder deutlich angestiegenen Erwartungen zu erfüllen, hat das aber offenbar nicht gereicht.
Fehlende Transfers: Vier Tore haben die drei Mittelstürmer Albian Ajeti, Moritz Broschinski und Kaio Eduardo in insgesamt 1606 Einsatzminuten erzielt. Trotzdem wartet man in Basel weiter auf die Verpflichtung einer neuen Offensivwaffe. Und Magnin hat während seiner Amtszeit nicht nur ohne einen treffsicheren Stürmer auskommen müssen. Auch der Abgang von Leon Avdullahu nach Hoffenheim hat im zentralen Mittelfeld eine Lücke hinterlassen, die bislang von keinem anderen Spieler gefüllt worden ist. Welche zentrale Rolle das Basler Eigengewächs im Spielaufbau gehabt hat, ist seit seinem Wechsel noch einmal deutlicher geworden.
Noch keine Traum-Saison von Shaqiri: Mit seinem Gala-Auftritt gegen den FCZ hat Xherdan Shaqiri seinen Kritikern einmal mehr das Maul gestopft. In wettbewerbsübergreifend 32 Partien kommt der FCB-Captain nun auf 27 Torbeteiligungen. Das ist mehr als beeindruckend. Trotzdem wird man den Eindruck nicht los, dass Shaqiri nicht mehr ganz an seine sensationelle letzte Saison anknüpfen kann, in der er in 39 Spielen unglaubliche 43 Skorerpunkte gesammelt hat. Nur kann man selbst von einem Shaqiri nicht verlangen, dass er in jeder Saison die Liga eigenfüssig in Grund und Boden schiesst. Und Magnin hat versucht, die Belastung durch die europäischen Spiele bewusst zu steuern. So auch am letzten Donnerstag, als er seinen Spielmacher gegen Salzburg (1:3) schon zur Pause vom Platz nahm. Drei Tage später brillierte ein frischer Shaqiri im Klassiker mit vier Skorerpunkte. Um seinem Trainer doch noch den Job zu retten, kam der Gala-Auftritt zu spät.
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Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Thun | 21 | 21 | 46 | |
2 | FC Lugano | 21 | 11 | 39 | |
3 | FC St. Gallen | 20 | 14 | 37 | |
4 | FC Basel | 21 | 9 | 36 | |
5 | FC Sion | 21 | 6 | 32 | |
6 | BSC Young Boys | 21 | -5 | 29 | |
7 | FC Lausanne-Sport | 21 | 3 | 28 | |
8 | FC Zürich | 21 | -8 | 25 | |
9 | Servette FC | 21 | -5 | 24 | |
10 | FC Luzern | 21 | -3 | 22 | |
11 | Grasshopper Club Zürich | 21 | -11 | 18 | |
12 | FC Winterthur | 20 | -32 | 10 |

