Präsident Gerber setzt dem Ausverkauf beim Meister ein Ende
«Der FC Thun ist kein Selbstbedienungsladen»

Der amtierende Meister FC Thun verzeichnet einen Leistungsträger-Abgang nach dem anderen. Präsident Andres Gerber macht jetzt eine klare Ansage für den Rest des Transferfensters, nimmt die Spieler in die Pflicht – und kritisiert das Vorgehen gewisser Spielerberater.
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Thun-Präsident Andres Gerber macht eine klare Transfer-Ansage und schliesst weitere Abgänge von Leistungsträgern aus.
Foto: Pius Koller

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • FC Thun verliert mehrere Schlüsselspieler, will aber keine weiteren abgeben
  • Abgänge brachten zweistellige Millionensumme, Verstärkungen sind geplant
  • Transferfenster in der Schweiz bleibt bis 8. September 2026 offen
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Tobias WedermannFussballchef

Ein 0:7 in der Europa-League-Quali gegen Lech Posen, zuletzt zwei hohe Niederlagen gegen YB und den FC Basel zum Saisonstart der Super League und Leistungsträger, die gefühlt im Wochenrhythmus den Klub verlassen.

Die Meisterhelden Ethan Meichtry (Genua), Elmin Rastoder (Panathinaikos), Leonardo Bertone (Luzern), Christopher Ibayi (MAS Fès) und am Montag auch Michael Heule (Heidenheim) sowie Valmir Matoshi (Sturm Graz) haben den Klub allesamt verlassen. Neuerdings kursieren zudem noch Gerüchte um Fabio Fehr, an dem der FC St. Gallen grosses Interesse haben soll, sowie Jan Bamert, der medial mit dem VfL Bochum in Verbindung gebracht wird. Droht dem amtierenden Meister, der erst vor Monaten eines der grössten Fussballmärchen der Neuzeit geschrieben hat, der komplette Zerfall? 

Nein, sagt Präsident Andres Gerber (53) und macht bei Blick eine unmissverständliche Transfer-Ansage: «Wir geben keine Leistungsträger mehr ab – und schon gar nicht zur direkten Konkurrenz. Das haben wir klubintern entschieden. Wir tragen gegenüber Mitspielern, Fans und Sponsoren des FC Thun Verantwortung.» Hintergrund sei unter anderem auch das unmittelbar bevorstehende Ende des Transferfensters. In den meisten europäischen Ligen schliesst der Transfermarkt am kommenden Montag, in der Schweiz ist er noch eine Woche länger bis zum 8. September geöffnet. 

Verstärkungen sind im Anflug

Vielmehr wolle man sich beim FC Thun in den kommenden Tagen vor allem auf Verstärkungen fokussieren. «Es wird garantiert noch Zugänge geben, aber wir bleiben unserer Arbeitsweise treu. Wir wollen Spieler, die zum FC Thun wollen und hierhin passen», so der 53-Jährige. 

Diesen vollen Fokus auf den Klub wünscht sich der Präsident nun auch bei den aktuellen Spielern im Kader: «Die Spieler haben gültige Verträge, wir spielen europäisch und sind eine interessante Adresse – wir sind kein Trostpflaster! Wenn der Klub kurz vor Ende des Transferfensters Nein sagt, muss man das akzeptieren und weiter Vollgas geben.» Wenn einzelne Spieler dann in den kommenden Transferfenstern immer noch wegwollen und entsprechende Angebote beim FC Thun landen, könne man dann wieder darüber sprechen. 

Lange Verhandlungen bei Heule und Matoshi

Es sind die finalen Tage einer Transferphase, die der Verein im Thuner Oberland in dieser Art noch nie erlebt hat. Von einer Überforderung will Gerber derweil nichts wissen. Die Abgänge spülten total einen zweistelligen Millionenbetrag in die Kassen des Klubs. «Wir sind stolz darauf, dass sich Spieler bei uns so gut entwickelt haben, dass sie zu grossen Adressen in Europa wechseln konnten», sagt Gerber. Dass Michael Heule und Valmir Matoshi nun ebenfalls kurz vor Transferende gewechselt haben, sei Teil eines langen Prozesses gewesen.

«Dominik Albrecht und ich haben frühzeitig kommuniziert, dass weitere Abgänge erst möglich sein werden, nachdem wir uns für eine europäische Ligaphase qualifiziert haben und auch nur, wenn die Ablöse stimmt. Deshalb sind Heule und Matoshi erst jetzt gegangen.» Der Mann, der diese Kriterien mit aufgestellt hat, ist inzwischen nicht mehr auf dem Sportchef-Posten. Albrecht hatte sich mitten in der heissen Transferphase aus persönlichen Gründen zurückgezogen. Kaderplaner Simone Rapp übernahm den Posten mit enger Unterstützung von Präsident Gerber. 

Kritik an Methoden der Spielerberater

Was der 53-Jährige in den letzten Jahren beobachtet und jetzt in den Verhandlungen vorgefunden hat, habe ihn überrascht. «Die Machtverhältnisse verschieben sich, Berater beeinflussen ihre Spieler teils aufs Gröbste, um einen Transfer zu erzwingen und das schnelle Geld zu machen», erklärt Gerber. Er erlebe seine Spieler grundsätzlich als respektvolle, anständige und loyale Menschen. «Doch dann sollen sie nicht mehr trainieren oder gar streiken? Die Druckmittel einiger Berater werden immer perfider.» Und weiter: «Ich will nicht den Moralapostel spielen, wir können auch schlitzohrig sein. Vieles ist Teil des Business' geworden, aber es hat seine Grenzen», sagt Gerber. 

Als Konsequenz müsse man beim Klub die Schrauben etwas anziehen. «Der FC Thun ist kein Selbstbedienungsladen. Wir entscheiden gemeinsam, wenn ein Spieler uns verlässt, und das kommunizieren wir auch den neuen Spielern.» Ein Hintertürchen lässt der Präsident des amtierenden Meisters allerdings mit einem Schmunzeln offen: «Sollte sich beispielsweise der FC Bayern München mit einem unmoralisch hohen Angebot für einen Spieler an uns wenden, müssten wir unsere Position intern sicherlich nochmals überdenken.» 

Brack Super League 2026/27
Mannschaft
SP
TD
PT
1
BSC Young Boys
BSC Young Boys
4
10
10
2
FC Lugano
FC Lugano
3
9
9
3
FC Basel
FC Basel
4
3
9
4
FC St. Gallen
FC St. Gallen
3
2
7
5
FC Sion
FC Sion
3
2
6
6
FC Lausanne-Sport
FC Lausanne-Sport
4
0
5
7
FC Luzern
FC Luzern
4
-4
4
8
Servette FC
Servette FC
3
-1
3
9
FC Thun
FC Thun
3
-6
3
10
FC Zürich
FC Zürich
4
-6
3
11
Grasshopper Club Zürich
Grasshopper Club Zürich
3
-4
1
12
FC Vaduz
FC Vaduz
4
-5
0
Meisterschaftsrunde
Abstiegsrunde
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