Heftig war sie, die Ohrfeige, die die Thuner am Donnerstag gegen Lech Posen erhalten haben. Gleich mit 7:0 fertigte der polnische Meister den Schweizer Meister im Playoff-Hinspiel der Europa-League-Quali ab – damit brauchen die Berner Oberländer mehr als ein Wunder. Das weiss auch Thun-Präsident Andres Gerber. In einem Youtube-Video auf dem Kanal der Thuner nimmt der Präsident Stellung zur aktuellen Lage des Klubs. «Es war eine Riesenklatsche, wir haben uns blamiert. Das ist etwas enorm Unangenehmes», so Gerber. Man habe nach dem Spiel lange miteinander gesprochen: «Das hat gut getan, das Ganze zu verdauen.»
Es ist nicht die erste Klatsche, welche die Berner Oberländer in dieser Saison erhalten haben. Gegen YB verlor man im Derby 0:6 und beim 2:4 gegen Basel zeigte man lange einen nervösen Auftritt. Auch gegen Posen war man nicht bei der Sache, zu viele individuelle Fehler leisteten sich die Thuner. So zum Beispiel Aussenverteidiger Michael Heule, der gleich bei drei Gegentreffern gar keine gute Figur ab. Wie Blick weiss, ist sein Wechsel in die 2. Bundesliga zu Heidenheim auf der Zielgeraden.
Fehler sollen nicht wiederholt werden
Dass solche Dinge blockieren und im Hinterkopf sind, weiss auch Gerber: «Ein Teil war mit dem Kopf woanders. Ich mache da niemandem einen Vorwurf, aber man merkt, dass nicht mehr die 100-prozentige Überzeugung da ist. Das ist sehr frustrierend für alle die, die sich komplett dem FC Thun verschrieben haben. Es sollen nur diejenigen bleiben, die stolz darauf sind, in Thun zu spielen.»
Der Präsident lässt zwischen den Zeilen durchblicken, dass es noch andere Spieler geben wird, die wechseln könnten. Er versichert aber, dass man darauf vorbereitet sei und entsprechend auf dem Transfermarkt agieren könne. Trotzdem sei es nicht immer ganz einfach, Spieler zu verpflichten: «Die Leute wissen, dass wir Geld eingenommen haben. Daher kommen Begehrlichkeiten auf und es wird gefordert, man solle Spieler XY einfach holen. Doch wir haben ein Lohngefüge und das wollen wir nicht kaputt machen, weil diese Kosten haben wir jedes Jahr. Wir dürfen jetzt nicht anfangen zu ‹spinnen›.» Diesen Fehler habe man bereits nach der letzten Champions-League-Teilnahme gemacht und Gerber wolle diese nicht wiederholen.
Es sei derzeit eine enorm stressige Zeit. «Abgänge von Spielern sind ein wochenlanger Prozess, der viel Energie frisst. Wir wollten nach Europa und gleichzeitig wartet der eine oder andere Spieler nur auf sein Angebot, und die Berater sind im Hintergrund am Wirbeln. Wir versuchen das Team zusammenzuhalten und die positive Energie aus den vergangenen Jahren mitzuziehen. Das ist enorm anspruchsvoll», so Gerber.
Rückendeckung für Privitelli
Dazu kommt, dass Ex-Sportchef Dominik Albrecht sich eine Auszeit genommen hat und sich so Gerbers Rolle auch etwas verändert hat. Zwar ist mit Simone Rapp ein Ersatz schon bereit, allerdings braucht dieser noch Unterstützung. Und auch sonst hat es Veränderungen gegeben: «Momentan sind wir alle fast mehr Psychologen, müssen aber auch die neuen Jungen integrieren. Es sind alle im Staff enorm gefordert.»
Entsprechend verlangt Gerber auch etwas Kredit von den Fans: «Wir sind in einem Prozess. Ich verstehe alle, die damit Mühe haben, weil man sich schon an die zuletzt erfolgreichen Jahre gewöhnt hat. Wir haben uns für Europa qualifiziert und haben viele gute Spieler, die noch etwas Zeit brauchen. Deshalb brauchen wir Verständnis.» Auch für Trainer Gian-Luca Privitelli gibts Rückendeckung: «Es ist eine schwierige Konstellation direkt in eine Meistermannschaft zu kommen. Aus meiner Sicht macht er das aber enorm gut.»
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Lugano | 3 | 9 | 9 | |
2 | BSC Young Boys | 3 | 8 | 7 | |
3 | FC St. Gallen | 3 | 2 | 7 | |
4 | FC Basel 0:0 | 4 | 2 | 7 | |
5 | FC Sion | 3 | 2 | 6 | |
6 | FC Lausanne-Sport | 4 | 0 | 5 | |
7 | FC Luzern | 4 | -4 | 4 | |
8 | FC Zürich 0:0 | 4 | -5 | 4 | |
9 | Servette FC | 3 | -1 | 3 | |
10 | FC Thun | 3 | -6 | 3 | |
11 | Grasshopper Club Zürich | 3 | -4 | 1 | |
12 | FC Vaduz | 3 | -3 | 0 |
