Okoroji hat mit dem FCSG noch viel vor
«Meine Haare grün-weiss färben? Das wäre eine Option»

Im Interview verrät Chima Okoroji (29), warum er Berti Vogts einen Korb gab. Weshalb die Musik von Kumpel Jozo Stanic frühmorgens nicht passt. Warum er sich bei einem Cup-Sieg die Haare färben könnte – und weshalb er einst Lokführer werden wollte.
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Chima Okoroji hat nach seinem Siegtreffer im Wankdorf gut lachen.
Foto: URS BUCHER

Chima Okoroji im Interview? Ein seltener Moment. Weil der stille Münchner selten zwei Worte sagt, wenn auch nur eines reicht. Überraschend ist es deshalb nicht, dass von den Teamkollegen Sprüche kommen. «Kaum schiesst du mal ein Tor, bist du ein gefragter Mann», ruft einer beim Vorbeigehen und spricht Okorojis Siegtreffer gegen YB Ende April im Wankdorf an.

Am 24. Mai reisen die St. Galler erneut nach Bern – und wollen im Cupfinal gegen Lausanne-Ouchy eine ganze Region erlösen. Zuvor aber nimmt sich Okoroji lange Zeit und beantwortet fast 50 Fragen zu seinem traumähnlichen Leben als Fussballprofi. 

Blick: Chima Okoroji, Sie haben sich eine Kafimaschine tätowieren lassen. Wie viele Tassen trinken Sie pro Tag?
Chima Okoroji: Unterschiedlich. Meistens eine vor dem Training und dann eine, wenn ich nach Hause gehe. Es können auch mal mehr sein. Aber bis maximal 16 Uhr, später nie.

Weil Sie sonst nicht gut schlafen können?
Ich fühle mich einfach wohler. Und ja, besser schlafen kann ich auch.

Haben Sie vor dem Cup-Halbfinal gegen Yverdon gut geschlafen?
Auswärts schlafe ich nie so gut. Die Betten sind nicht immer ganz so gemütlich, aber für einen Cup-Halbfinal war es top.

Die Erinnerungen an das Stade Municipal hätten ja Albträume auslösen müssen. Der FCSG hat dort letzte Saison in drei Spielen nie gewonnen. War das in den Köpfen drin?
Nein, wir haben das ausgeblendet. Es ist ein neues Spiel, eine neue Saison. Wir wussten, wir sind gut drauf. Und wir wussten: Wenn wir unser Spiel durchziehen, werden wir gewinnen.

Vor einem Jahr wurden Sie für Ihre Leistungen noch öffentlich geröstet, nun sind Sie plötzlich unumstrittener Leistungsträger. Woran liegts?
Jeder Spieler braucht manchmal seine Zeit. Ja, ich hatte ein bisschen Anlaufschwierigkeiten, aber ich wusste, dass ich es diese Saison besser machen möchte. 

Was hat Ihr Positionenwechsel mit diesem Chima-Wandel zu tun?
Da ist plötzlich mehr Verantwortung für mich in der Dreierkette. Und du hast da mehr Ballkontakte. Das kommt mir entgegen.

Der FCSG hat in seiner langen Geschichte bloss drei Titel gewonnen. Keine Angst, jene Mannschaft zu sein, die gegen SLO den Final verliert?
Nein, im Gegenteil. Bei jedem ist Vorfreude da. Wir wollen den Pokal gewinnen. Aber wir müssen demütig bleiben und wissen, dass Ouchy eine gute Mannschaft ist.

Das klang im Fan-Podcast «Hörnli» noch anders. Damals haben Sie eine klare Titelansage gemacht.
Am Ende muss man hungrig sein. Wenn man so nah dran ist, dann möchte man den Kübel holen. 

Sie gehören in den ersten 15 Minuten zu den gefährlichsten Mannschaften in ganz Europa. Warum können sich die Gegner nicht darauf einstellen?
Ich glaube, es ist einfach die Frequenz, die wir auf den Platz bringen. Dass wir immer wieder versuchen, den Ball hinter die Kette zu bringen. Irgendwann rutscht einer durch. Und unsere Stürmer sind fleissig. 

Haben Sie alle über die Niederlage von GC gegen SLO im Cup gejubelt?
Nein, aber wir haben es nebenbei geschaut. Wir waren überrascht. Aber Ouchy hat es gut gemacht und zwei super Tore geschossen.

Es waren knapp 4000 GC-Fans auf der Pontaise. Hätten Sie nicht lieber die Hoppers im Final gehabt?
Von der Stimmung her wäre es cool gewesen, aber es steht jene Mannschaft im Final, die es sich verdient hat.

Sie hatten beim Finaleinzug Geburtstag, der FC St. Gallen auch. Glauben Sie in solchen Momenten an Schicksal?
Nein, das nicht, aber es war definitiv ein cooler Geburtstag für den Klub und mich.

Ihr bester Freund im Kader, Jozo Stanic, hat sich Jesus auf den Rücken tätowieren lassen. Ihr Vorname bedeutet in der Igbo-Sprache, die in Teilen Nigerias gesprochen wird: «Gott weiss». Sind Sie ebenfalls ein gläubiger Mensch?
Ich habe meinen eigenen Glauben, meinen eigenen Weg. Ich bin auch nicht getauft. Aber ja, ich glaube an Gott. Jozo betet vor dem Spiel, ich lebe den Glauben auf andere Weise. 

Jozo Stanic ist der Kabinen-DJ. Gerüchten zufolge teilen Sie seinen Musikgeschmack aber nicht.
Es geht um den Moment, nicht um die Musik. Wenn man morgens um neun in der Kabine ist, und dann kommt harter, lauter Deutsch-Rap, dann passt das nicht zur Atmosphäre. Vor dem Spiel ist es aber super. 

Stanic ist ja auch auf dem Platz ein Lautsprecher, Sie sind eher der Ruhige. Ergänzen Sie sich deshalb so gut?
Jozo hilft mir viel mit seiner Art und Weise, wie er vorangeht und lauter wird. Und ich helfe ihm mit meiner Ruhe. 

An der letzten Meisterschaft, vor etwa 26 Jahren, da haben sich die Spieler die Haare grün-weiss gefärbt. Würden Sie und Jozo einander gegenseitig die Haare kolorieren?
Wer weiss, das wäre eine Option. Mal schauen. Wir haben das Bild gesehen und wir fanden es eigentlich ganz cool (lacht). Aber erst müssen wir den Final gewinnen. 

Sie spielten in Ihrer Jugend für den FC Bayern. Später sagte man Ihnen, dass es höchstens für die Regionalliga reichen würde. Nun haben Sie mit dem FCSG sogar international gespielt und sind auf Einsatzminuten in der Bundesliga gekommen. Ist das eine Genugtuung, es allen gezeigt zu haben?
Es war eine Genugtuung für mich selber. Weil am Ende ist es ein Kampf mit sich selbst und nicht mit anderen.

Wenn Sie die Wahl hätten, lieber mit St. Gallen international zu spielen oder in der Bundesliga im Abstiegskampf zu sein. Welche Option würden Sie wählen?
Ganz klar, St. Gallen international. 

Sie wurden als junger Spieler bei kleinen Fehlern von Arrivierten zusammengestaucht. Hat Sie das im Nachhinein stärker gemacht?
Ich habe oft gehadert. Aber man muss lernen, damit umzugehen und das abzuhaken. Einfach war das nicht immer, aber am Ende habe ich wohl davon profitiert. 

Wie behandeln Sie als Routinier die jungen Spieler?
In manchen Situationen muss man schon härter rangehen. Aber ich bin keiner, der die jungen Spieler anschreit, sondern versuche, positiv zu pushen.

Sie waren 21 Jahre alt, als ein gewisser Berti Vogts angerufen hat und Sie für die nigerianische Nati aufbieten wollte. Warum haben Sie nie für die Super Eagles gespielt?
Das Telefonat ging ein paar Minuten, ich war zögerlich, habe gegrübelt und hatte unwichtige Fragen zum Pass. Ich kann noch immer nicht sagen, warum ich es nicht gemacht habe. Als der Anruf von Vogts kam, war es bei mir wie ein Kurzschluss. Und das, obwohl er sehr nett war und mir Zeit gegeben hat. Im Nachhinein bereue ich die Entscheidung.

Welchen Bezug haben Sie zum Land Ihres Vaters?
Früher als Kind war ich mit meinem Papa und meinen beiden Schwestern öfter dort. Da habe ich alles kennengelernt. Seine Familie, das Land, die Kultur. Das hat mir auch echt gut gefallen. 

Hatten Sie als Kind einen Lieblingsverein?
Liverpool. Schon immer. Früher war mein Lieblingsspieler David Beckham, der war leider bei Manchester United. Aber mein Lieblingsverein ist Liverpool, definitiv.

Warum war Beckham Ihr Idol?
Er hat mir gefallen, von der Spielweise, von seinem Auftreten. Er war spektakulärer unterwegs als andere mit seinen verschiedenen Frisuren. Ich fand den immer cool. 

Wie wichtig ist Mode für Sie persönlich?
Ich interessiere mich schon sehr dafür. Privat hole ich mir gerne ein paar Ideen ab. Auch wenn ich auf Reisen gehe. Mode ist ein Hobby von mir.

Würden Sie für unseren Fotografen diesen Sonnenhut aufsetzen?
Klar, kein Problem. Was ist das denn für ein Hut?

Ein Adidas-Hut.
Nein, dann geht das nicht. Wäre Puma drauf, sofort (lacht).

Sie haben sich den 21. Oktober 2018 tätowieren lassen. Nehmen Sie uns mit zurück zu diesem Tag?
Mein Bundesligadebüt mit Freiburg. Christian Streich hat mich zu sich gerufen und gefragt, ob ich bereit sei. Und ich: «Wofür?» Und er so: «Für dein Bundesliga-Debüt.» Und dann konnte ich die Nacht davor nicht eine Minute schlafen. Da war ich wie in Trance. Ich habe es erst realisiert, als ich auf dem Platz stand. Olympiastadion Berlin gegen die Hertha. Ausverkauft. Wir haben nach meiner Einwechslung noch ein 1:1 geholt. Und dann dieses Gefühl: Ich bin jetzt Bundesligaspieler.

Sie waren damals mit Christian Streich hier im Kybunpark bei einem Testspiel. Dann ging Peter Zeidler zu Streich und meinte, er habe sich noch nie in einen Spieler verliebt, aber jetzt zum ersten Mal. Jahre später waren Sie unter ihm oft nur Ersatz. Waren Sie enttäuscht?
Was heisst enttäuscht? So ist der Fussball. Ich wusste, dass mit Isaac Schmidt ein Topspieler auf meiner Position spielte, der auch noch jünger war und Potenzial für einen Wechsel in eine Topliga hatte. 

Damals wurde unter anderem auch Ihre Körpersprache kritisiert. Konnten Sie das nachvollziehen?
Ja, das ist so, seit ich professionell Fussball spiele. Ich bin so ein ruhiger Typ, da denken viele, ich sei schläfrig. Aber ich bin so, wie ich bin, und möchte mich nicht verstellen. 

Sind Sie deswegen nicht auf den Zaun gesprungen wie Lukas Görtler und Alessandro Vogt nach dem erlösenden zweiten Treffer gegen Yverdon?
Ich war zu spät dran, weil ich hinten in der Defensive war. Die waren ja alle schon oben.

Und das, obwohl Sie der schnellste Spieler im Kader sind. Sie haben sich einen Gepard tätowieren lassen. Der absolviert die 100 Meter in 5,6 Sekunden. Wie lange brauchen Sie?
Boah, das weiss ich gar nicht. Eine Ewigkeit. 

Aber Sie kennen Ihren Topspeed?
Ich war mal über 36 km/h in der zweiten Bundesliga. Hier waren es mal plus/minus 35,8 km/h.

War eine Karriere als Leichtathlet kein Thema?
Ich war im Schulsport immer vorne mit dabei. Aber ich habe in meiner Freizeit pausenlos gekickt, und darum stand das nie zur Diskussion. 

Als Kind wollten Sie Lokführer werden. Was hat Sie an diesem Beruf fasziniert?
Ich war fasziniert von Modelleisenbahnen. Das war mein Ding als Kind. 

Hatte das einen meditativen Charakter für Sie?
Nein, das nicht. Ich fand es einfach cool. Man konnte auch immer drum herumlaufen. Es hat sich alles bewegt. 

Machen Sie Achtsamkeitsübungen?
Nein, gar nicht. Ich bin auch so ganz entspannt.

Aber einen Mentaltrainer haben Sie, oder?
Ja, es ist ein Vorteil, so was zu haben als Fussball-Profi. Es macht mir echt Spass, und es ist cool, sich auch mal mit anderen Themen zu beschäftigen. Es dreht sich nicht nur alles immer um Fussball, sondern um die Person. 

Sie leben in einem Umfeld, in dem Fussball kein grosses Thema ist. Schätzen Sie das?
Das ist immer gut, weil du musst ja irgendwann einen Haken setzen.

Sie haben zwei Cockerspaniel. Wie gut tun Ihnen die Hunde?
Generell Tiere zu haben, die ja gar nicht so wissen, was der Mensch macht, ist grossartig. Meine Hunde freuen sich, mich jeden Tag zu sehen. Die haben gefühlt keine schlechten Tage, sind immer gut drauf. Früher hatte ich eine Katze. Dieses Gefühl, ein Tier zu streicheln, das gibt mir viel Ruhe. Und man hat immer was zu lachen. 

Was machen Sie, um abzuschalten?
An freien Tagen fahre ich zu meiner Familie nach München. Manchmal gibt es auch Tage, an denen ich nur zu Hause bin und Serien schaue. Oder ich gehe mit den Jungs einen Kaffee trinken in der Stadt. 

Haben Sie den Sieg gegen Yverdon mit einem Kafi gefeiert?
Nein, mit einem Bierchen. Dann gab es noch eine Pizza und Wasser. Das wars. 

Haben Sie gut geschlafen?
Ja, ich habe super geschlafen. Für gewöhnlich schlafe ich nach Spielen nicht immer perfekt, aber es war eine sehr gute Nacht. 

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1
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FC Thun
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33
74
2
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36
23
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3
FC Lugano
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36
13
63
4
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36
23
61
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36
6
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Mannschaft
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TD
PT
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7
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38
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