Darum gehts
- Für GC-Trainer Peter Zeidler könnte die Nationalmannschafts-Pause zur Unzeit kommen
- Diverse Argumente sprechen aktuell gegen den deutschen Coach
- Das Spiel der Hoppers kennt keinen Plan B – und ist stark von einem Duo abhängig
Wie schnell es im Fussball gehen kann, zeigt die aktuelle Situation von Peter Zeidler beim Grasshopper Club Zürich. Noch im Mai als Retter gekommen, führte er den abstiegsbedrohten Klub erfolgreich durch die Barrage. Vier Monate später wird die Luft für den 64-Jährigen immer dünner.
Der erhoffte Aufwärtstrend mit sieben Punkten aus drei Spielen gegen St. Gallen, FCZ und Thun entpuppte sich in der abgelaufenen Woche nur als Zwischenhoch. Gegen Sion und Luzern gab es jeweils eine Fünf-Tore-Klatsche, die Trainer und Spieler ratlos zurückgelassen haben. Die Kritik an Zeidler wächst – und dass nun die dreiwöchige Länderspielpause wartet, spielt ihm nicht in die Karten. Sollte das Vertrauen der neuen Hoppers-Chefetage tatsächlich abnehmen, müsste man jetzt reagieren. Das sind die Hauptkritikpunkte:
Schiessbude der Liga
In der vergangenen Spielzeit kassierten die Hoppers am zweitmeisten Gegentore. 74-mal lag der Ball im Netz der Zürcher – einzig Schiessbude Winterthur kassierte mit 100 Treffern noch mehr. Nach der Übernahme Zeidlers lag der kurzfristige Fokus klar auf der Stabilisierung der Defensive – mit Erfolg. In dieser Saison klappt das aber nicht. Mit 24 Gegentoren in neun Spielen hat man die meisten der Super League. Auf 90 Minuten gesehen kassieren die Hoppers 2,67 Tore, in der Saison 25/26 lag dieser Wert noch bei 1,95.
Aktuell stellt GC die schwächste Defensive der Liga. Nur zweimal hielt man die Null, beide Male gewann man das Spiel. Von einer nachhaltigen Verbesserung und Stabilität kann mit 10 Gegentoren aus den letzten zwei Spielen aber keine Rede sein. Ganz im Gegenteil.
Vorne verpasst man die Chancen, hinten lässt man sie zu
Auch wenn das Offensivspiel der Hoppers häufig ideenlos wirken mag, sprechen zumindest die Zahlen eine andere Sprache. GC kommt nach neun Spielen auf einen Expected-Goals-Wert (erwartbare Tore) von 13,66. Nur YB, Sion, Luzern und St. Gallen sind in dieser Kategorie noch besser unterwegs. Doch es gibt zwei Probleme: Einerseits schiesst GC nur so viele Tore wie erwartet (13), andererseits lässt der Rekordmeister hinten viel zu viel zu. In dieser Saison hat man dem Gegner bereits 14,96 erwartbare Tore gewährt, erhalten hat man aber ganze 24.
Dafür, dass GC-Offensivkräfte Plange, Muci und Krasniqi alle weniger Tore auf dem Konto haben, als sie es statistisch haben müssten, kann Zeidler nur wenig. Dass er trotz der fehlenden Abschlussqualität weiterhin an seinem Pressingfussball festhält, statt die miserable Abwehr zu stabilisieren, darf man dem Deutschen dagegen schon vorwerfen.
Immer noch keinen Plan B
Denn einem Vorwurf ist Zeidler seit Wochen ausgesetzt: Er hat keinen Plan B. Er setzt konsequent auf sein Pressing, das von den Spielern eine hohe Intensität fordert. Das Problem: Viele Spieler bei GC sind oder waren zu Beginn der Saison nicht bei hundert Prozent, kriegen keinerlei Verschnaufpausen oder sind schlicht nicht gemacht für die Art von Fussball, die Zeidler spielen lassen will.
Und so kam es nicht selten vor, dass den Hoppers nach gut einer Stunde in den Spielen die Puste ausgegangen ist. So zum Beispiel beim 2:5-Debakel gegen Vaduz, als man sich in der zweiten Halbzeit komplett dominieren liess vom Aufsteiger. Statt den Spielstil mit Variabilität zu ergänzen, blieb Zeidler aber weiter bei seiner Idee: Vollgas-Pressing. Von einem Plan B kaum eine Spur, ausser die Pressinglinie etwas nach hinten zu ziehen. Das hinterlässt sichtbare Spuren bei der Mannschaft.
Zuletzt überzeugte der erfahrene Trainer auch nicht bei seinen Wechseln im Spiel. Gegen Sion führte man mit 2:1, ehe die Wechsel das eigene Spiel destabilisierten. Auch gegen Luzern wurde das Spiel alles andere als besser mit den Impulsen von aussen.
Alles hängt an zwei Spielern
Während man in den meisten Super-League-Teams von einer Achse spricht, ist es bei GC eine 2-Mann-Show bestehend aus dem 36-jährigen Captain und Shootingstar Krasniqi.
Während andere Spieler in seinem Alter schon an die Rente denken, muss Amir Abrashi gefühlt alles machen – auf und neben dem Platz. Nach Niederlagen war es stets der GC-Leader, der Rede und Antwort stehen musste. Und auf dem Feld absolviert der Routinier nicht nur die längsten Laufdistanzen, sondern muss als eigentlich defensiver Mittelfeldspieler plötzlich auch noch Tore schiessen sowie vorlegen.
Nachhaltige Unterstützung bekommt der Captain nur von Samuel Krasniqi. Er sorgt im Alleingang für die speziellen, unberechenbaren Momente in der Offensive. Hat er einen guten Tag, kann GC gewinnen. Sonst nicht. Zeidlers Spiel ist stark von den Einzelaktionen eines 21-Jährigen und seines Captains abhängig. Zu stark.
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Lugano | 9 | 20 | 25 | |
2 | BSC Young Boys | 9 | 13 | 19 | |
3 | FC Sion | 9 | 9 | 19 | |
4 | FC Basel | 9 | 0 | 13 | |
5 | FC St. Gallen | 9 | -3 | 13 | |
6 | FC Luzern | 9 | -1 | 12 | |
7 | FC Zürich | 9 | -6 | 11 | |
8 | Servette FC | 9 | -2 | 10 | |
9 | FC Thun | 9 | -8 | 10 | |
10 | Grasshopper Club Zürich | 9 | -11 | 8 | |
11 | FC Vaduz | 9 | -3 | 6 | |
12 | FC Lausanne-Sport | 9 | -8 | 6 |

