Wer in St. Gallen in den Ausgang will, kommt nicht ums Bermuda-Dreieck herum. Mitten in der Innenstadt pulsiert das Leben, Bar um Bar reiht sich da. Peter Zeidler war sechs Jahre lang ein Teil davon. «Dort gab es immer tolle Begegnungen mit den Fans. Auch nach Niederlagen haben wir lange diskutiert», sagt der Lausanne-Trainer.
Am Sonntag trifft Zeidler zum ersten Mal auf seine alte Liebe, von sentimentalen Gefühlen aber will er nichts wissen: «Ich habe grosse Sympathien für den Klub, für die Stadt und für die Region, und das wird auch immer so bleiben, aber jetzt bin ich mit vollem Herzen Lausanne-Trainer.»
Am Donnerstag tigert der 63-Jährige beim sensationellen Coup gegen Besiktas wie zu seinen besten St. Galler Zeiten in der Coachingzone herum, echauffiert sich über Schiri-Entscheide und greift wild gestikulierend um sich, als sein Spieler Brandon Soppy an der Mittellinie brutal umgeholzt wird.
Für den Besiktas-Spieler gibts Rot. Und für Lausanne die Teilnahme an der Conference League. Von einem «Höhepunkt» seiner Karriere spricht Zeidler. Etwas, was der Trainer weder mit Red Bull Salzburg noch mit dem FC St. Gallen geschafft hat. Mit den Espen qualifiziert er sich zwar zweimal für das internationale Geschäft, in der Quali gegen Sarpsborg und AEK Athen strich die Mannschaft aber jeweils früh die Segel.
242 Spiele für Grün-Weiss
Insgesamt steht Zeidler in 242 Spielen für Grün-Weiss an der Seitenlinie, bejubelt 442 Tore, 102 Siege – und 1,48 Punkte im Schnitt. Bemerkenswert: Jener Spieler, der unter Zeidler mit Abstand die meisten Einsätze bekommen hat und praktisch immer auf dem Rasen stand, spielt unter Nachfolger Enrico Maassen nur noch eine Nebenrolle: Jordi Quintillà. Auch am Sonntag dürfte der Spanier bloss auf der Ersatzbank sitzen, stattdessen wird Ex-Bayern-Junior Behar Neziri das Spiel der St. Galler im Zentrum lenken.
Von einem sich anbahnenden Spektakel ist auszugehen, auch wenn die Lausanner nach dem Husarenritt gegen Besiktas aus dem letzten Loch pfeifen. «Hätten wir in die Verlängerung gemusst, hätten wir gegen St. Gallen keine Chance gehabt», sagt Zeidler. Wohl wissend, wie kräftezehrend der Powerfussball ist, den der Schwabe am Genfersee schon nach kürzester Zeit implementiert hat. Zeidler-Fussball, das ist offensives Spektakel, Pressing, Vollgas, Leidenschaft.
Auch am Sonntag. Wenns gegen die alte Liebe geht.
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
---|---|---|---|---|---|
1 | 5 | 7 | 13 | ||
2 | 5 | 9 | 12 | ||
3 | 5 | 2 | 9 | ||
4 | 5 | 1 | 8 | ||
4 | 5 | 1 | 8 | ||
6 | 4 | 4 | 7 | ||
7 | 5 | -2 | 7 | ||
8 | 5 | -2 | 3 | ||
9 | 4 | -2 | 3 | ||
10 | 4 | -5 | 3 | ||
11 | 4 | -5 | 2 | ||
12 | 5 | -8 | 2 |