FCL-Ciganiks will böse Luzerner, um aus dem Tabellen-Keller zu kommen
«Vielleicht brauchen wir ‹Bastards›»

Nach harter Kritik und verlorener Stammplatz kämpft sich Luzerns Andrejs Ciganiks zurück. Der 28-Jährige wurde kürzlich zum lettischen Fussballer des Jahres gewählt und brennt auf das Derby gegen St. Gallen.
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Andrejs Ciganiks musste in den letzten Monaten unten durch.
Foto: Martin Meienberger/freshfocus

Darum gehts

  • Luzern-Coach Frick fordert Führungsspieler wie Ciganiks auf, Verantwortung zu übernehmen
  • Ciganiks wurde kürzlich als lettischer Fussballer des Jahres ausgezeichnet
  • Er absolvierte 60 Länderspiele in Serie und hält den Landesrekord
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Carlo Emanuele FrezzaReporter Fussball

Luzern-Coach Mario Frick (51) nimmt seine Führungsspieler in die Pflicht. Sie sollen den Karren aus dem Dreck ziehen. Wen er damit meint? Die üblichen Verdächtigen wie Pius Dorn (29) und Stefan Knezevic (29) – aber auch Andrejs Ciganiks (28). Ausgerechnet der Lette, der in den vergangenen Monaten ins Hintertreffen geraten ist und seinen Stammplatz verloren hat.

Blick trifft Ciganiks nach einer Fitnesseinheit in der Swissporarena. Der Linksverteidiger liebt das Gewichtstemmen. «Ich trainiere fast jeden Tag zusätzlich im Gym und sehe die Veränderungen an meinem Körper – das gefällt mir und das brauche ich auch. Gerade in einer Phase, in der ich zuletzt weniger gespielt habe, muss man in allen Bereichen mehr investieren und härter arbeiten», sagt er.

«Natürlich tut das weh»

Die Gründe, weshalb Ciganiks im vergangenen Frühling seinen Stammplatz verlor, kennt er. «Muss ich die hier in der Zeitung erklären?», meint er lachend – und betont, dass er sie für sich behalten möchte. Wer seine Auftritte im letzten Jahr verfolgt hat, weiss jedoch, dass ihm defensiv Fehler unterliefen und er deshalb nicht mehr regelmässig zum Einsatz kam.

«Natürlich tut das weh, wenn man nicht mehr erste Wahl ist», gesteht Ciganiks. Er sei aber nicht der Typ Mensch, der sich bei Schwierigkeiten verstecke. «Ich werde dieses Jahr 29, da muss man die Dinge realistisch einordnen können. Fussball hat seine eigenen Gesetze.» Eines davon: Die Leistungen stehen immer unter kritischer Beobachtung.

Grosse Ehre für Ciganiks

Ciganiks weiss, wie mit Kritik umzugehen. Er wählt jedoch genau aus, wessen Meinung für ihn wirklich zählt. «Mich interessiert, was der Trainer und der Sportchef von mir halten. Was alle anderen sagen, ist mir Wurst», sagt er. Gleichzeitig weiss er, wo er sich verbessern kann: «Mir ist auch klar, dass ich nicht der Spieler geworden bin, von dem ich vielleicht einmal geträumt habe – etwa bei Real Madrid zu spielen. Ich bin realistisch genug, um zu wissen, dass ich nicht zur absoluten Weltspitze gehöre. Trotzdem sehe ich meine Entwicklungsmöglichkeiten.»

Und trotz aller Kritik kommt auch Anerkennung: Vor wenigen Wochen wurde Ciganiks in seiner Heimat zum lettischen Fussballer des Jahres gewählt. «Das passiert nicht einfach so. Das muss man sich verdienen», sagt er. Für «Cigi», wie er in Luzern von allen genannt wird, ist es eine grosse Ehre – zumal er kürzlich sein 60. Länderspiel in Serie absolvierte. Kein einziges hat er ausgelassen. Damit stellte er einen neuen lettischen Rekord auf.

Vorfreude auf das Duell mit dem FCSG

Mit dieser persönlichen Auszeichnung im Rücken will Ciganiks dem FCL aus der Patsche helfen. «Wenn du Scheisse am Fuss hast, musst du verstehen, warum sie gerade bei dir klebt – und dann alles daransetzen, sie so schnell wie möglich wieder loszuwerden», sagt er. Der Trainer-Staff hat klare Vorstellungen, wie das gelingen soll.

Frick fordert von seiner Mannschaft, unangenehmer zu sein – ein Ansatz, der dem Letten entgegenkommt. «Mario ist nicht der erste Trainer, der sagt, dass man mit lieben Jungs nichts gewinnt. Mourinho hat einmal gesagt, er brauche ‹Bastards›. Vielleicht brauchen wir das auch», meint Ciganiks. Am besten schon am Sonntag gegen St. Gallen.

Auf das Duell mit dem Rivalen aus der Ostschweiz brennt er jedenfalls. «In Sion haben wir gezeigt, dass wir als Mannschaft leben. Am Ende brauchen wir einfach einen Sieg. Es regnet nicht für immer. Irgendwann kehrt die Sonne zurück. Das Beste, was jetzt kommen kann, ist deshalb ein Derby», betont Ciganiks.

Brack Super League 25/26
Mannschaft
SP
TD
PT
1
FC Thun
FC Thun
21
21
46
2
FC Lugano
FC Lugano
21
11
39
3
FC St. Gallen
FC St. Gallen
20
14
37
4
FC Basel
FC Basel
21
9
36
5
FC Sion
FC Sion
21
6
32
6
BSC Young Boys
BSC Young Boys
21
-5
29
7
FC Lausanne-Sport
FC Lausanne-Sport
21
3
28
8
FC Zürich
FC Zürich
21
-8
25
9
Servette FC
Servette FC
21
-5
24
10
FC Luzern
FC Luzern
21
-3
22
11
Grasshopper Club Zürich
Grasshopper Club Zürich
21
-11
18
12
FC Winterthur
FC Winterthur
20
-32
10
Meisterschaftsrunde
Abstiegsrunde
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