Der FC Luzern ist mit guten Nachrichten ins neue Jahr gestartet. Dies, obwohl noch kein einziges Pflichtspiel auf dem Programm stand. Der Grund: die Genesung von Captain Pius Dorn (29). Zwischen Mitte November und dem Jahresende fehlte dieser aufgrund eines Zehenbruchs.
«Ich bin noch nicht ganz schmerzfrei. Aber mein Zeh ist wieder intakt. Deswegen kann ich wieder voll trainieren», erzählt Dorn im Gespräch mit Blick. In den Testspielen spielte er noch nicht durch. Gegen Lugano wird der Rechtsverteidiger aber voraussichtlich wieder in der Startelf stehen – ein Grund zum Aufatmen in der Zentralschweiz.
«Würde mir das nie anmassen»
Denn ohne Dorn lief beim FCL wenig zusammen. Sechs Ligaspiele musste Blau-Weiss ohne seinen Captain auskommen. Ein Worst-Case-Szenario, wenn man bedenkt, dass Trainer Mario Frick (51) sonst nie freiwillig auf ihn verzichtet.
In dieser Zeit sammelte der FCL nur vier Punkte und fand sich plötzlich im Abstiegskampf wieder. Dorn will jedoch nicht, dass seine Verletzung als Ursache der Krise gesehen wird: «Eine solche Behauptung würde ich mir nie anmassen. Es hätte genauso gut auch passieren können, dass wir gleich abgeschnitten hätten, wenn ich auf dem Platz gestanden wäre.»
Geschlossen hinter dem Trainer
Aufgrund der schlechten Resultate geriet Frick in die Kritik. So stark, dass sich der Liechtensteiner wunderte, wie schnell der Wind gegen ihn drehen konnte. «Ich habe das gar nicht so wahrgenommen, weil ich mich mit solchen Dingen kaum beschäftige. Die öffentliche Dynamik ist heute so: Wenn die Resultate fehlen, steht der Trainer schnell im Fokus – das sieht man überall», so Dorn.
Unter den Spielern sei die Position von Frick aber zu keinem Zeitpunkt infrage gestellt worden, bekräftigt Dorn. «Wir haben uns auf unsere Arbeit konzentriert und sind näher zusammengerückt. Trainer, Spieler und Sportchef müssen eine Einheit bilden. Nur so kommt man da raus. In den letzten Spielen hat man gesehen, dass die Mannschaft lebt und alles gibt – auch für den Trainer.»
Dabei habe der 4:0-Sieg in Lausanne im letzten Spiel vor Weihnachten besonders gutgetan. «Erfolge tun immer gut – vor allem nach einer längeren Negativserie. Auf der Heimreise hat man gespürt, dass Druck abgefallen ist», sagt Dorn. Der Sieg half, während der Feiertage abzuschalten und neue Energie zu tanken. «Jetzt merkt man, dass alle etwas gelöster sind.»
Balance statt Schwarzmalerei
Nun stellt sich die Frage, wie Luzern in die Rückrunde startet. Mit einem Dreier gegen die Tessiner wäre die Talfahrt von Ende Jahr wohl definitiv Schnee von gestern. Setzt es eine Niederlage ab, droht bereits die nächste Negativspirale. Dorn hält aber nicht viel von Schwarzmalerei und bemüht sich stattdessen um eine gesunde Balance. «Es ist jetzt nicht so, dass wir gleich eine Krise haben, wenn wir gegen Lugano verlieren. Es geht um die Gesamtentwicklung.»
Dorn ist sich aber bewusst, dass die Ungeduld im Klub-Umfeld gewachsen ist. «Es ist mir schon auch ein Anliegen, dass die ganzen Gegebenheiten berücksichtigt werden.» Heisst: Mit vielen jungen Spielern und einem kleineren Etat sei es nicht selbstverständlich, jedes Spiel zu gewinnen – gleichzeitig dürfe das aber keine Ausrede für mangelnden Einsatz oder Leistung sein.
Darum gehe es auch gegen Lugano. «Natürlich wollen wir zu Hause gewinnen und einen guten Rückrundenstart hinlegen. Sollte das nicht klappen, aber unser Auftreten stimmt, schauen wir direkt nach vorn. Bringen wir unsere Leistung, kommen die Punkte automatisch», ist sich Luzerns Nummer 20 sicher.
Leaderfiguren sollen von intern kommen
Dabei muss der FCL vorerst ohne Neuzugänge auskommen. Der Wunsch von Trainer Frick nach mehr Führungspersönlichkeit wurde ad acta gelegt. Denn der Sportchef Remo Meyer (45) betonte, dass der FCL auch da sei, um Leader zu formen und zu entwickeln. Dorn sieht darin kein Problem: «Auch ich musste mich hier erst in meiner Rolle zurechtfinden – und ich glaube, dass alle hier die Möglichkeit haben, sich nach und nach in Führungsrollen hineinzuarbeiten.»
Die, die da sind, stehen also in der Pflicht. In erster Linie gilt es, die Eigenfehler abzuschalten. Von denen gab es zu viele. Gelingt es, ist in der Rückrunde noch vieles möglich. Der ausgeglichenen Liga sei Dank. «Es macht riesigen Spass, wenn alles so eng beieinander ist. Aber gleichzeitig kann es auch ein wenig verrückt machen, weil man nie weiss, was passiert», sagt Dorn.
Rückrunde im Fokus
Komplett glücklich ist er mit dem aktuellen Ligamodus trotzdem nicht. «Zu Beginn fand ich die Idee spannend, inzwischen überzeugt mich die Tabellenteilung nach 33 Runden nicht mehr ganz. Vor allem für die Teams in der Relegation Group fände ich es interessant, wenn es zusätzliche Anreize gäbe – etwa eine Chance für Platz sieben, europäisch zu spielen.»
Sowieso ist das alles Zukunftsmusik. Nun geht es für den FCL erst einmal darum, erfolgreich in die Rückrunde zu starten. «Für uns geht es darum, in jedem Spiel unser Leistungsniveau zu erreichen. Schaffen wir das, bin ich überzeugt, dass die Punkte kommen. Dann schauen wir nach 33 Runden wieder auf die Tabelle.»
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Thun | 19 | 16 | 40 | |
2 | FC St. Gallen | 19 | 16 | 37 | |
3 | FC Lugano | 19 | 5 | 33 | |
4 | FC Basel | 19 | 8 | 32 | |
5 | BSC Young Boys | 19 | 0 | 29 | |
6 | FC Sion | 18 | 4 | 27 | |
7 | FC Zürich | 19 | -7 | 24 | |
8 | FC Luzern | 19 | 0 | 21 | |
9 | FC Lausanne-Sport | 18 | 0 | 21 | |
10 | Servette FC | 18 | -6 | 20 | |
11 | Grasshopper Club Zürich | 19 | -9 | 17 | |
12 | FC Winterthur | 18 | -27 | 10 |

