Darum gehts
- Nach Vorjahreschaos hat der FCZ 14 Punkte und Ruhe
- Koller fördert Junge, bleibt geduldig und setzt Grenzen
- Nach Pereas Abgang gilt Aarau als Test für den Zusammenhalt
Der Unterschied zwischen dem FC Zürich im Oktober 2025 und heute? Fast nicht zu erkennen. Wenn man bloss die Punkte zählt. Damals hatte der FCZ nach zehn Runden der Super League 13 Punkte auf dem Konto. Heute sind es 14. Der Unterschied: scheinbar marginal. Wer den Blick aber von der Tabelle hebt, könnte meinen, er habe es mit zwei komplett unterschiedlichen Vereinen zu tun.
Vor einem Jahr hatte der FCZ bereits eine Spielerrevolte und einen Trainerwechsel hinter sich. Und er war gegen ein Team aus der Challenge League aus dem Cup ausgeschieden.
Heute? Ist es vor dem Cupspiel in Aarau so ruhig im Home of FCZ, dass Trainer Marcel Koller gegenüber Blick fast entschuldigend sagt: «Es ist für euch natürlich nicht so interessant, wenn nicht so viele Geschichten herumliegen.»
Ist schon okay. Immerhin wurde mit Juan José Perea (26) bereits ein Spieler aus dem Team gestrichen, weil er sich Koller gegenüber ungebührlich verhalten hatte. Aber selbst dieser Aufreger folgte einem Ziel: Ruhe in die Mannschaft zu bringen.
Das Rezept scheint zu wirken. Obwohl der FCZ auch von Blick als Verlierer des Transfersommers abgestempelt worden ist, ist das Team bereits erstaunlich robust. Das sind die fünf Gründe, warum es den Zürchern derzeit besser läuft, als sie es vermutlich selbst erwartet haben:
1. Der weise Alte auf dem Trainerstuhl
«Die Haare sind nicht gefärbt. Die sind so.» Koller lacht, als er sich über sein ergrautes Haupt streicht. Mit 65 Jahren hat er offenbar Frieden mit sich und der Welt geschlossen. Beweisen muss er mit bald 30 Jahren Erfahrung als Profitrainer niemandem mehr etwas.
Darum wird er auch nicht ungeduldig, wenn ein junger Spieler mal einen Fehler macht. Erst beim zweiten Mal kann er etwas dezidierter werden: «Dann geht dem Spieler vor dem Einschlafen vielleicht ein Lichtlein auf. Und dann macht er den Fehler nicht mehr.»
2. Die jungen Wilden auf dem Platz
Zehn Spieler aus dem eigenen Nachwuchs kommen beim 4:2 gegen Thun zum Einsatz. Sieben davon sind 21-jährig oder jünger: Silas Huber (21), Neil Volken (19), Leandro Schödler (20), Doron Lichtenstein (20), Nevio Di Giusto (21), Jill Stiel (18) und Din Ramic (17).
Der FCZ hat jahrelang davon gesprochen, auf die eigene Jugend zu setzen. Jetzt tut er es nachhaltig. Heisst: Wer in der ersten Mannschaft ist, wird nicht gleich wieder in ein U-Team degradiert, wenn er mal nicht so gut spielt. Das stärkt das Selbstvertrauen. Zuletzt zu sehen an Rechtsverteidiger Lichtenstein, dem gegen Thun ein Traumtor gelingt.
Aber das System funktioniert auch umgekehrt: Lichtenstein hat die Saison in der U21 begonnen. Nur, weil er wegen der verletzten Konkurrenz jetzt regelmässig in der Super League spielt, bekommt er nicht gleich einen Platz in der Garderobe der Profis. «Er ist ja beim FCZ», sagt Koller dazu mit einem Lächeln, «er muss sich also nicht zu Hause umziehen.»
Das Ziel: Verlässlichkeit und klare Strukturen, um Unsicherheiten und Neid zu verhindern.
3. Das zurückgekehrte Vertrauen
Die neue sportliche Führung mit Koller und Präsidenten-Berater Dino Lamberti (57) ist in der FCZ-Kabine nicht nur mit offenen Armen empfangen worden. Einige Spieler waren nach dem Chaos in der jüngeren Vergangenheit skeptisch. Vor allem, weil mit Lamberti gleich der nächste Spielerberater auf den im Winter fortgeschickten Sportchef Milos Malenovic (41) gefolgt ist.
Die meisten, die sich nach der letzten Saison gar nicht mehr wohlgefühlt haben beim FCZ, haben einen Transfer gemacht. Bei jenen, die geblieben sind, scheint das Misstrauen zumindest vorerst abgebaut zu sein. Sensible Spieler wie Umeh Emmanuel (22) blühen in der neuen Ruhe auf.
4. Der Abschied vom Ego-Trip
Mit Perea ist der letzte Spieler gegangen, der sein Ego über das Team gestellt hat. Geblieben ist ein Philippe Kény (27), der derzeit daran arbeitet, Mitspieler mit seiner Kritik nicht gleich zu überfahren. Das Ziel ist eine Atmosphäre, in der Spieler zwar gefordert werden, aber nicht unter Druck zerbrechen.
Und es hilft, dass sich viele aus ihrer Zeit im FCZ-Nachwuchs kennen. Sie spielen Karten, gehen gemeinsam ins Café oder Restaurant – und schauen sich auch mal ein Spiel der U19 an. Bledian Krasniqi (25) hat nach dem Thun-Spiel gesagt: «So einen Zusammenhalt hatten wir noch selten.»
5. Das Wissen, dass es auch schiefgehen kann
So positiv sich die Dinge auch entwickeln: Beim FCZ ist man sich der Risiken und Nebenwirkungen der aktuellen Transferpolitik bewusst. Noch immer kann diese Saison missraten.
Aber genau dieses Bewusstsein könnten dafür sorgen, dass nicht plötzlich der Schlendrian Einzug hält. Ob das klappt? Da ist das Cupspiel beim FC Aarau gleich ein guter Test.
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Lugano | 10 | 24 | 28 | |
2 | BSC Young Boys | 10 | 15 | 22 | |
3 | FC Sion | 10 | 6 | 19 | |
4 | FC St. Gallen | 10 | -2 | 16 | |
5 | FC Zürich | 10 | -4 | 14 | |
6 | Servette FC | 10 | 1 | 13 | |
7 | FC Basel | 10 | -3 | 13 | |
8 | FC Luzern | 10 | -5 | 12 | |
9 | FC Thun | 10 | -10 | 10 | |
10 | FC Vaduz | 10 | 0 | 9 | |
11 | Grasshopper Club Zürich | 10 | -13 | 8 | |
12 | FC Lausanne-Sport | 10 | -9 | 6 |