Darum gehts
- YB spielt spektakulär 3:3 gegen Lugano in der Super League
- 16 Gegentore nach acht Spielen lassen Defensivprobleme erkennen
- Lugano kassierte vor diesem Spiel nur vier Gegentore insgesamt
Der YB-Fussball in dieser Saison kennt nur eine Richtung: vorwärts. Auch im Spitzenkampf in Lugano ist die DNA des totalen Fussballs, den Ajax Amsterdam und die Holländer mit Johan Cruyff in den Siebzigerjahren geprägt haben, unverkennbar. Vor allem in der Viertelstunde vor der Pause hat Leader Lugano, das zuvor insgesamt erst vier Gegentore erhalten hat, der Berner Angriffswucht nichts entgegenzusetzen. Angeführt vom überragenden Samuel Essende erarbeitet sich YB Top-Chancen en masse, die zwischenzeitliche Wende ist die logische Folge.
Die Kehrseite des Spektakels: In der Defensive sind die Berner anfällig. «Die Leidtragenden sind wir», sagt Verteidiger Loris Benito nach dem spektakulären Topspiel, das auch 3:3 oder 4:4 hätte enden können. 16 Gegentore hat YB in acht Spielen kassiert, auf die Saison hochgerechnet gäbe das 76 – die Zahl eines Abstiegskandidaten. «Klar, dass wir Verteidiger bei solchen Zahlen auf den Deckel kriegen», so der YB-Captain.
Mit vier Offensivleuten, zwei hochstehenden Aussenverteidigern und zwei zentralen Mittelfeldspielern, die auch immer wieder in den Angriff gehen, nimmt YB das Risiko bewusst in Kauf. «Klar, dass dadurch gewisse Räume zwischen den Linien frei werden», so Benito. «Wir geben alles, um das Tor zu verteidigen, aber dass das nicht immer möglich ist, ist offensichtlich», so der YB-Captain weiter. «Aber wenn wir Meister werden und dabei immer 6:3 oder 5:4 gewinnen, nehme ich das in Kauf.»
Emotionaler Seoane
Es scheint, als wolle YB den Grundsatz widerlegen, dass die Offensive zwar Spiele, die Defensive aber Meisterschaften gewinnt. Trainer Gerardo Seoane widerspricht allerdings. «Unser Ziel ist, offensiv zu spielen, aber defensiv solid zu stehen. Es hat nie jemand gesagt, dass wir zufrieden sind, wenn wir 3:3 oder 2:2 spielen.» Ohne Spektakel geht es bislang in dieser Saison aber offensichtlich nicht.
Zu diesem trug gegen Lugano auch Seoane seinen Teil bei. Der ansonsten so besonnene YB-Coach lieferte sich während der ersten Halbzeit an der Seitenlinie ein hitziges Wortgefecht mit Luganos Co-Trainer Michele Salzarulo, der von seinem Chef, Mattia Croci-Torti, zurückgehalten werden musste. «Das gehört zum Fussball, auch wenn von beiden Seiten das eine oder andere Wort zu viel gefallen ist», so Seoane. «Aber nach dem Spiel ist das ad acta gelegt, wir sind im Guten auseinandergegangen.»
Auch Seoane konnte letztlich mit dem Punkt leben, auch wenn er weiss, dass mehr möglich gewesen wäre, schliesslich schlief Sandro Lauper bei Albian Ajetis 2:2 den Schlaf des Gerechten. Seoane erkannte im Vergleich zu den letzten Partien gegen Basel (3:3), Zürich (4:2) und Luzern (3:3) aber eine Steigerung. «Gegen ein starkes Lugano war es defensiv ein guter Auftritt von uns, auf dem wir aufbauen können.»
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Lugano | 7 | 13 | 19 | |
2 | BSC Young Boys | 8 | 12 | 16 | |
3 | FC Sion | 7 | 6 | 15 | |
4 | FC Basel | 7 | 0 | 10 | |
5 | FC St. Gallen | 7 | -2 | 10 | |
6 | FC Luzern | 7 | -3 | 9 | |
7 | Grasshopper Club Zürich | 7 | -4 | 8 | |
8 | FC Zürich 1:1 | 8 | -7 | 8 | |
9 | FC Vaduz 1:1 | 8 | -1 | 7 | |
10 | FC Thun | 7 | -7 | 7 | |
11 | FC Lausanne-Sport | 7 | -3 | 6 | |
12 | Servette FC | 6 | -4 | 4 |

