Darum gehts
Das wird dann schon, irgendwann: so das Mindset bei YB während drei Viertel einer schlechten Saison, die nach dem Trainerwechsel von Giorgio Contini (52) zu Gerardo Seoane (47) noch schlechter wurde. Irgendwann werde der Knoten schon platzen, dachten die Spieler. Irgendwann.
Monatelang passierte es nicht. Und doch war man sich sicher, dass der Termin «irgendwann» unverrückbar steht. Bis am letzten Sonntag der FC Sion aus dem «irgendwann» ein «nie» machte und das Unvorstellbare eintraf.
YB hatte nicht mal was zum Veryoungboysen ...
Letztmals war YB im Jahr 2013 nicht europäisch unterwegs. Das war in dunkler Titel-Vorzeit. Als «veryoungboysen» kein belächeltes Relikt aus ebendieser Zeit war. Sondern Realität und Alltag.
Nicht aber 2026. Da hat man nichts veryoungboyst. Weil man die gesamte Saison im Status des Besitzlosen war. Und ein solcher kann nichts verlieren, nichts veryoungboysen. Es sei denn einen Cupviertelfinal gegen einen Unterklassigen und die Europa-League-Playoffs in der letzten Minute des letzten Ligaspiels …
Seoane-Rückholaktion: Ein Fehler
Doch was hat zum Desaster des Klubs mit dem grössten Umsatz (fast 79 Millionen Franken) geführt? Nun, das beginnt bei der sportlichen Führung um Christoph Spycher (48) und um die Besetzung des Trainerpostens. Man startet mit Giorgio Contini, nachdem dieser das bereits in der Vorsaison schlingernde YB-Schiffchen doch noch auf Platz drei und damit in den sicheren Europa-Hafen geführt hat. Alles okay, so weit.
YB liegt zwar hinter den eigenen Erwartungen, aber nur drei Punkte hinter dem Zweiten. Dann wird Contini entlassen. Warum, wird ein paar Stunden später klar: Weil Gerardo Seoane zum zweiten Mal Ja zu YB gesagt hat. Der dreifache Meister in drei Saisons. Die Lichtgestalt. Der Mann, der nicht weiss, wie Verlieren bei YB geht.
Doch Spycher unterliegt nostalgischen Gefühlen und einem Irrtum: Fussball darf nie von der Vergangenheit leben. Und Seoane ist nicht mehr der unbekümmerte, junge Trainer, der er war, als er zum ersten Mal in Bern anheuerte. Es wird sich herausstellen, dass der Luzerner unnahbarer geworden ist. Spieler werden monieren, er spreche zu selten mit ihnen. Die Lichtgestalt Seoane hat seinen Glanz verloren.
On parle trop français ...
Die Mannschaft, die er nun trainiert, hat nicht er zusammengestellt. Im Sommer dachte man noch, YB sei der Transfersieger. Bald stellt sich heraus: nur auf dem Papier. Viele Neue funktionieren nicht in Bern: Wüthrich, Fernandes, Cordova, Gigovic, Pech, Bukinac zum Beispiel. Und fast die Hälfte des Kaders ist frankophil. Ein Ergebnis des seit Jahren fürs Scouting Verantwortlichen, Stéphane Chapuisat (56), sowie Ausbildungschef Gérard Castella (73), beide Romands. Und des neu hinzugekommenen Transferchefs Mathieu Beda (44), einem Franzosen.
Castella deutete schon vor einiger Zeit an, dass es seine letzte Saison sein würde. Nun ist das offiziell. Sein Nachfolger ist Marc Hottiger (58), auch ein Romand. Französisch bleibt also die YB-Amtssprache in der sportlichen Führung. Was jahrelang gut ging, wurde in der Spaltung des Kaders in zwei grosse Fraktionen zum Bumerang, weil es keine grossen Integratoren wie Guillaume Hoarau (42) oder Steve von Bergen (42) mehr gab.
Leadertypen verzweifelt gesucht!
Und da sind wir schon beim Hauptmanko im Kader: Es fehlen die Leithammel, welche das Team mitreissen. Typen wie Bürki und Bertone, Görtler und Steffen. Um ein paar Beispiele zu nennen. Loris Benito, der eigentliche Chef, hatte viel zu sehr mit sich selbst und seinen Leistungen zu kämpfen, als dass er noch genügend Energie gehabt hätte, um sich um alle anderen zu kümmern, die mit ihren Leistungen zu kämpfen hatten. Das gilt auch für Gregory Wüthrich. Edimilson Fernandes war nie ein Leadertyp und wird es auch nicht werden. Da unterlag YB einem Irrtum mit der Annahme, Edi würde in diese Rolle hineinwachsen. Und Christian Fassnacht, der letzte potenzielle Leader, macht seinen Job, trifft, wunderbar, ist aber kein Reisser.
Genau da muss YB ansetzen, um in der nächsten Saison wieder ein ernstzunehmender Klub in dieser Liga zu werden: Es gilt nun, unter allen Umständen einen neuen Von Bergen oder Lustenberger zu finden. Einen Typen wie Remo Freuler, um einfach einen Namen zu nennen, ohne eine Machbarkeitsstudie dazu erstellt zu haben.
Auf Junge setzen – bedingungslos!
Da spielt es nicht mal eine grosse Rolle, wie der Trainer heisst, wenn das Gefüge im Team stimmt. Zu dieser gehört auch die Kadergrösse. Ist das Kader zu gross, wie im Fall YB, führt dies zu einer zu grossen Zahl Frustrierter. Das ist ungesund. Vor allem, wenn potenzielle Stammspieler zu Dauerreservisten werden wie Males, Bedia oder Raveloson. Deshalb braucht es erneut einen klaren Schnitt: Es gilt, eine Stammmannschaft zu definieren, die 14, 15 Spieler umfasst. Dazu junge Back-ups, denen man das Vertrauen bedingungslos schenkt, wenn sie gebraucht werden. Und nicht, wie im Fall Rhodri Smith, der nach einem schlechten Spiel einknickt und verliehen wird, worauf ein anderer Junge aus dem Ausland (Bukinac) geholt wird. Das war ein sinnentfremdeter Transfer.
Klar braucht es Mut, auf Junge zu setzen. Man muss sich bewusst werden, dass es Rückschläge geben wird. Aber es ist ein Ansatz, um diesem Team wieder eine DNA einzuimpfen. Dazu gehört auch, dass es keine Spieler mehr auf Ego-Trips geben darf, die das Shirt des Klubs nur anziehen, um es möglichst schnell gegen eines von einem Verein aus den Topligen einzutauschen.
Leader, Gerüst, DNA und Junge. Das sind die vier Pfeiler, auf denen die sportliche Führung und der Trainer das neue YB errichten müssen.
Festhalten an Seoane
Doch welcher Coach? Ein erneuter Wechsel wäre ein Eingeständnis des totalen Scheiterns von Spycher. Auf Kontinuität zu setzen und Seoane die Chance geben, sich einerseits neu zu erfinden und andererseits ein kompetitives Team zusammenzustellen, ist der logische Schritt.
Mit zwei grossen Aber: erstens unter der klaren Prämisse, in einem vernünftigen Mass auf die eigenen Jungen zu setzen. Und zweitens nicht mehr als Lichtgestalt in die Saison zu steigen, sondern in die Kategorie der Normalsterblichen und damit Entlassbaren abzusteigen. Sprich: Auch Seoane muss den üblichen Gesetzen dieses Business unterworfen werden. Und da lautet eine wichtige Maxime: Kein Trainer ist unkündbar! Auch wenn er eine Ikone ist.
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Thun | 35 | 35 | 74 | |
2 | FC St. Gallen | 35 | 22 | 63 | |
3 | FC Lugano | 35 | 14 | 63 | |
4 | FC Sion | 35 | 21 | 58 | |
5 | FC Basel | 35 | 6 | 56 | |
6 | BSC Young Boys | 35 | 3 | 48 |
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Luzern | 35 | 6 | 46 | |
2 | Servette FC | 35 | 4 | 46 | |
3 | FC Lausanne-Sport | 35 | -9 | 42 | |
4 | FC Zürich | 35 | -21 | 35 | |
5 | Grasshopper Club Zürich | 35 | -28 | 27 | |
6 | FC Winterthur | 35 | -53 | 20 |

