Es ist in den letzten Jahren immer das Gleiche: GC wankt bis zum Schluss in Richtung Klassenerhalt, stolpert in die Barrage und kann sich dabei stets auf Captain Amir Abrashi und auf ein paar Tausend Fans verlassen. Doch in diesem Jahr ist es anders.
Der Graben zwischen Fans und Klub ist beim Grasshopper Club Zürich so gross wie schon lange nicht mehr – und er wird wöchentlich grösser. In einer Phase, in der man geschlossen gegen den Abstieg kämpfen müsste, beginnen sich alle gegenseitig zu zerfleischen.
Ist es vielleicht gar der Anfang des kompletten GC-Untergangs?
Fans erweisen dem Klub einen Bärendienst
Nach der Nicht-Leistung beim blamablen Cup-Out in Lausanne laufen Teile der GC-Fankurve Sturm, gehen auf das eigene Team los, werfen Pyrotechnik auf und unter den Mannschaftsbus. Eine rote Linie wird überschritten. Für den Klub ein Bärendienst, verliert er aufgrund der fehlenden Bewilligung durch die Tessiner Behörden im Anschluss doch die Option für das verzweifelt gesuchte Heimstadion für die Barrage. Die Konsequenz? Die Fans fordern wenige Tage später auch noch den Rückzug der Besitzer aus Los Angeles.
Das «Fuck off LAFC» aus der stillen Kurve vom Samstag kommt lautstark in Kalifornien an. Die US-Besitzer: «Wir möchten deshalb klar festhalten, dass wir offen für Gespräche über einen Teil- oder Vollverkauf sind, sofern die langfristige Nachhaltigkeit des Clubs sichergestellt ist.» Genau da liegt der Hund begraben: LAFC muss pro Saison rund 15 Millionen Franken Defizit ausgleichen. Die etwa 5000 treuen Fans im Letzigrund decken nicht einmal die Stadionmiete, der immer älter werdende Campus kostet ein Vermögen, die Sponsoringeinnahmen sind auf Challenge-League-Niveau.
Wie so oft wirkt alles wie heisse Luft
Das Geschäftsmodell GC könnte unattraktiver nicht sein. Es ist eine erfolglose Geldvernichtungsmaschine, ein blau-weiss angemaltes schwarzes Loch. Und trotzdem gibt es seit Monaten intensive Gerüchte um lokale Interessenten für eine Übernahme – doch wo sind die wirklich? Hallo? Irgendjemand hier? Wie so oft bei GC wirkt alles nur wie heisse Luft.
So viele Personen im Umfeld der Grasshoppers haben eine grosse Klappe, meinen, es besser zu wissen, oder behaupten gar, sie könnten locker das Geld für eine Übernahme stemmen. Doch jetzt, da LAFC nicht nur heimlich hinter den Kulissen sucht, sondern die Tür für Investoren weit und öffentlich aufmacht: bisher nichts, nada. Alle klopfen sich auf das GC-Logo auf ihrer Brust, spucken grosse Töne, aber keiner scheint Verantwortung zu übernehmen.
Nicht alles ist schlecht unter den US-Besitzern
Man kann den Besitzern aus Los Angeles vieles vorwerfen: eine fast schon verantwortungslose Naivität bei der Übernahme, zahlreiche uneingelöste Versprechen, zu wenig Know-how in Sachen Schweizer Fussball und Fankultur oder diverse missglückte Personalentscheide.
Thomas Gulich (2003-2004)
Walter Brunner (2005-2007)
Roger Berbig (2007-2010)
Urs Linsi (2010-2011)
Roland Leuthwiler (2011-2012)
André Dosé (2012 – 2014)
Stephan Anliker (2014 – 2019)
Stephan Rietiker (2019)
Sky Sun (2020-2023)
Matt Jackson (2023-2024)
Stacy Jones (2024-2026)
John Thorrington (2026 - ?)
Thomas Gulich (2003-2004)
Walter Brunner (2005-2007)
Roger Berbig (2007-2010)
Urs Linsi (2010-2011)
Roland Leuthwiler (2011-2012)
André Dosé (2012 – 2014)
Stephan Anliker (2014 – 2019)
Stephan Rietiker (2019)
Sky Sun (2020-2023)
Matt Jackson (2023-2024)
Stacy Jones (2024-2026)
John Thorrington (2026 - ?)
Doch es gibt auch Punkte, die man den US-Besitzern positiv auslegen kann: Sie bezahlen die Rechnungen, obwohl sie ausser öffentlicher Prügel und Häme nichts im Gegenzug bekommen. Sie wollen aus ihren Fehlern lernen, als es beispielsweise hiess, dass zu viel Hochdeutsch gesprochen wird in der sportlichen Führung, und man den einheimischen Heilsbringer Alain Sutter präsentiert hat. Und man hat zumindest in einem essenziellen Punkt Wort gehalten, dass man die GC-Jugend wieder auf Vordermann bringt: Die U17 hat gerade den Cup gewonnen. Das könnte Hoffnung machen. Doch die Erfolge der GC-Stars von morgen gehen unter aufgrund der miserablen sportlichen Darbietungen der 1. Mannschaft.
Endet die Negativspirale je wieder?
Zu wenig Spieler mit Charakter, zu wenig Spieler mit Hunger und vor allem: zu wenig Spieler mit Qualität. Zusammengestellt vom allmächtigen Sportchef und klubeigenen Leuchtturm Alain Sutter, der zwar versucht voranzugehen in der aktuellen Situation, dessen einst gutes Image allerdings auch seit Wochen zu bröckeln wirkt – und der als vielleicht einzige Person beim Grasshopper Club Zürich über die Fantasie verfügt, dass Interimstrainer Gernot Messner die Fähigkeiten hat, um den Abstieg abzuwenden.
Doch in der aktuellen Lage braucht es keine Fantasie. Es braucht Qualität, Leidenschaft, Zusammenhalt, Erfolgserlebnisse und Geld. Bei GC hat man aktuell gar nichts davon. Die grosse Frage lautet: Wie kann sich GC aus dieser niemals endenden Negativspirale retten? Ob mit oder ohne LAFC – so kann es schlichtweg nicht mehr weitergehen.
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Thun | 34 | 37 | 74 | |
2 | FC St. Gallen | 34 | 25 | 63 | |
3 | FC Lugano | 34 | 13 | 60 | |
4 | FC Sion | 34 | 18 | 55 | |
5 | FC Basel | 34 | 4 | 53 | |
6 | BSC Young Boys | 34 | 4 | 48 |
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Luzern | 34 | 4 | 43 | |
2 | Servette FC | 34 | 2 | 43 | |
3 | FC Lausanne-Sport | 34 | -7 | 42 | |
4 | FC Zürich | 34 | -21 | 34 | |
5 | Grasshopper Club Zürich | 34 | -26 | 27 | |
6 | FC Winterthur | 34 | -53 | 19 |