Darum gehts
- Messners Umstellungen fruchten bislang nicht
- Gegner kontern seltener, haben aber trotzdem mehr und bessere Torchancen
- Kein Team der Super League strahlt weniger Torgefahr aus als GC
Fünf Spiele, vier Niederlagen, eine Tordifferenz von 3:13. Auf der Habenseite ein möglicherweise überlebenswichtiger Sieg in Winterthur. Am anderen Ende der Gefühlsskala eine niederschmetternde Niederlage im Cup-Halbfinal bei Stade Lausanne-Ouchy.
Das sind die nackten Resultate der Grasshoppers unter Gernot Messner (45). Oder wie es Vorgänger Gerald Scheiblehner (49) so nett zusammengefasst hat: «Alain Sutter wollte mit einem anderen Österreicher einen neuen Impuls setzen. Und das ist ja hervorragend gelungen.»
Wenig verbessert – vieles verschlimmert
Allerdings stimmt es nicht, dass sich unter Messner gar nichts geändert hat bei GC. Der Interimstrainer hat zum Beispiel die von Scheiblehner so geliebte Dreierkette in der Defensive gegen eine Viererabwehr eingetauscht.
Der Blick auf die Daten zeigt noch andere Veränderungen. So lässt Messner das Team deutlich weniger aggressiv verteidigen – und weniger nah am gegnerischen Tor. Damit hat er ein GC-Problem behoben. Die Zürcher lassen nun weniger Schüsse nach gegnerischen Kontern zu.
Klingt erst einmal gut. Aber die verabreichte Medizin kommt mit einer so grossen Menge an negativen Nebenwirkungen, dass der Beipackzettel länger ist als die Liste an erlebten Enttäuschungen eines durchschnittlichen GC-Fans.
Zum einen schiessen die Gegner nun zwar etwas weniger nach Kontern. Zu ihren Chancen kommen sie aber trotzdem – und das nicht zu knapp. Zahl und Qualität der gegnerischen Chancen ist laut dem Statistikmodell der erwartbaren Tore (xG) sogar noch gestiegen.
Noch schwerwiegender: Der sowieso schon schwachbrüstige Zürcher Angriff ist unter Messner komplett in sich zusammengebrochen. Natürlich hilft es nicht, dass mit Luke Plange (23) ein Spieler ausfällt, dem immerhin 14 Skorerpunkte gelungen sind. Aber die Verletzung des Engländers alleine kann den Rückgang aller Offensiv-Statistiken nicht erklären.
Egal, welche Daten im GC-Angriff man anschaut, alle bewegen sich in die falsche Richtung: die Zahl der Schüsse, die Abschlüsse nach GC-Kontern, die Schüsse nach eigenem Pressing, die Abschlüsse mit freier Sicht aufs Tor, die Qualität der eigenen Chancen, die Torgefahr bei Standards. Alles hat abgenommen.
Die Zahlen belegen, was die Fans Spiel für Spiel auf den Tribünen sehen: GC ist offensiv praktisch inexistent. Besonders fällt stark das ins Auge, wenn man sich anschaut, aus welchen Positionen die GC-Spieler unter Messner aufs Tor schiessen. Die sogenannte Shotmap zeigt eine besorgniserregende Leere in jener Zone, in der die meisten Tore fallen: innerhalb des gegnerischen Sechzehners zentral vor dem Tor.
In den letzten vier Spielen unter Scheiblehner gingen die Grasshoppers 64-mal in den Abschluss. In den vier Ligaspielen unter Messner kommt GC noch auf 43 Schüsse. Und diese wenigen Abschlüsse kommen erst noch aus ungefährlicheren Positionen.
GC war schon unter Scheiblehner jenes Team der Super League, das sich zusammen mit Winterthur am wenigsten Torchancen herausspielte. Mit Messner an der Seitenlinie haben die Grasshoppers ihren letzten Platz nicht nur verteidigt. Sie sind nun mit Abstand das torungefährlichste Team der Liga.
Vier Ligaspiele hat Gernot Messner noch, um die offensive Impotenz seiner Spieler zu beheben. Aber spätestens in der Barrage brauchen die Grasshoppers dringend einen Plan, wie sie Tore schiessen wollen.
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Thun | 34 | 37 | 74 | |
2 | FC St. Gallen | 34 | 25 | 63 | |
3 | FC Lugano | 34 | 13 | 60 | |
4 | FC Sion | 34 | 18 | 55 | |
5 | FC Basel | 34 | 4 | 53 | |
6 | BSC Young Boys | 34 | 4 | 48 |
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Luzern | 34 | 4 | 43 | |
2 | Servette FC | 34 | 2 | 43 | |
3 | FC Lausanne-Sport | 34 | -7 | 42 | |
4 | FC Zürich | 34 | -21 | 34 | |
5 | Grasshopper Club Zürich | 34 | -26 | 27 | |
6 | FC Winterthur | 34 | -53 | 19 |

