Darum gehts
- GC kämpft um Klassenerhalt oder Cupsieg, Halbfinale gegen Stade-Lausanne-Ouchy am 17. April
- Trainerwechsel nach 0:5-Niederlage in Genf, Negativtrend gefährdet Saisonziel
- GC mit 10-15 Mio. CHF Defizit, Letzigrund als Problem für Zürcher Fussball
Cupsieg? Klassenerhalt? Oder doch Abstieg? Für GC ist in dieser Saison noch immer (fast) alles möglich. Während im Cup in zwei Wochen der Halbfinal bei Stade-Lausanne-Ouchy ansteht, zeichnet sich in der Liga ein Duell gegen Schlusslicht Winterthur um den direkten Abstieg ab.
Zum wiederholten Mal befindet sich der Rekordmeister und -Cupsieger in der sportlichen Krise. Nach dem letzten Meistertitel 2003 folgte der Niedergang schleichend. Auch unter Sportchef Alain Sutter (58) hat GC noch nicht zur Ruhe gefunden. Im Gegenteil: Bei den Hoppers schrillen die Alarmglocken, denn das Debüt von Trainer Gernot Messner ging in Genf mit 0:5 komplett in die Hose.
Anhand der Formkrise deutet mehr auf einen neuerlichen Abstieg als auf den ersten Titel seit 2013 hin. Die Teilnahme an der Barrage, die dritte in Folge, wäre inzwischen fast schon ein Erfolg – die Sagenfigur Sisyphos lässt grüssen. Doch warum kommt der Rekordmeister seit Jahren sportlich auf keinen grünen Zweig?
Uli Forte: «Ganz oben klemmts»
Er war der Baumeister des bislang letzten Titels der so glorreichen GC-Historie: Uli Forte (51). Der Zürcher gerät ins Schwärmen, als er sich an den Cupsieg 2013 zurückerinnert. «Der erste Titel ist wie die erste Liebe – den vergisst man nie. Es war eine junge, verrückte Mannschaft, welche die Welt erobern wollte.» Mit Steven Zuber, Shkelzen Gashi und Amir Abrashi bezwangen die Hoppers den grossen FCB um Marco Streller, Yann Sommer und Fabian Schär im Penaltyschiessen.
Vom damaligen GC-Team ist das heutige weit entfernt. Zwar gibt es auch junge, talentierte Spieler wie der von Bayern ausgeliehene Jonathan Asp Jensen, doch der im Sommer ausgeheckte Plan, auf die Jungen zu setzen, ging nicht auf, so dass im Winter kräftig nachgerüstet werden musste und eine handvoll erfahrene Spieler verpflichtet wurden. Bessere Resultate blieben aber aus, worauf Sutter vor drei Wochen Gerald Scheiblehner vor die Tür setzte.
Der Trainerwechsel hat Forte überrascht, auch wenn er die Mechanismen des Geschäfts aus eigener Erfahrung kennt. «Ich dachte, die beiden ziehen das durch.» Aus Sicht Fortes waren die letzten GC-Auftritte unter dem Österreicher nicht so schlecht, wie die Resultate vermuten lassen. «Beim 1:5 gegen Thun müssten sie in der ersten Halbzeit 2:0 führen und später zum 2:2 ausgleichen.» Für ihn steht das Duell gegen den designierten Meister symptomatisch für die Hoppers in dieser Saison. «In ihren guten Phasen haben sie sich nicht belohnt. Und diese Punkte fehlen dann am Ende.»
Nun schrillen die Alarmglocken, der erste Schuss nach dem Trainerwechsel ist nach hinten losgegangen. Was braucht es nun? Forte, ein Experte in Sachen Abstiegskampf, sagt: «Du musst viele Gespräche führen, um in die Köpfe und Herzen der Spieler zu kommen. Und du musst etwas verändern.» Wie das geht, hat er vor einem Jahr bewiesen, als er die in der Tabelle abgeschlagenen Winterthurer nach einer grandiosen Aufholjagd noch in extremis rettete. Nun ist die Situation ähnlich – und aus Sicht Fortes für GC gefährlich. «Das Momentum spricht für Winti, denn GC ist in einer Negativspirale.»
Unabhängig vom Saisonausgang ist für Forte klar, wo der Hebel angesetzt werden muss, damit der Rekordmeister nicht Jahr um Jahr ums sportliche Überleben kämpft. «Ganz oben klemmts.» Drei Führungen innerhalb von fünf Jahren sage viel über die Problematik aus. «Die Konstanz fehlt», so Forte, der 2019 noch einmal zu GC zurückkehrte, den Abstieg aber nicht mehr abwenden konnte. Alain Sutter traut er zu, dass dieser längerfristig etwas aufbauen kann. «Das hat er in St. Gallen bewiesen. Dafür braucht er aber mehrere Transferperioden. Und am Ende wird auch er am Erfolg gemessen.»
Ciriaco Sforza: mehr Swissness und eigene Talente
Einer, der für noch erfolgreichere GC-Zeiten steht, ist Ciriaco Sforza (56). Der Ex-Nati-Spieler hat in seiner Karriere als Spieler alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Seine ersten Titel gewann er Ende der Achtziger- und Anfang der Neunzigerjahre mit dem damals noch grossen GC. Seine Empfehlung heute an seinen damaligen Teamkollegen Sutter: «Er muss gute, starke Leute aus der Schweiz holen und mit ihnen den Karren wieder aus dem Dreck ziehen.»
GC in diesem Zustand zu sehen, tut Sforza weh. «Als ich mit 16 bei GC Profi wurde, war dieser ein grosser Verein. Und noch heute kennt man den Klub überall im Ausland, deshalb nervt es mich, was momentan da abgeht.» Um die Hoppers nachhaltig wieder auf Kurs zu bringen, braucht es für den zweifachen deutschen Meister und Champions-League-Sieger mehr «Swissness» und die konsequente Förderung eigener Talente. «Ich will keine Polemik machen. Aber es braucht Leute, die ein Herz für GC haben. Vielleicht haben die jetzigen Besitzer eines, aber ich sehe es nicht.»
Für Sforza ist die Ausgangslage ähnlich wie im Sommer 2009, als er GC als Trainer übernommen hatte. «Auch wir hatten nicht viel Geld und waren dadurch gezwungen, auf junge Spieler zu setzen.» Das Ergebnis lässt sich sehen: Ende Saison resultierte für die Hoppers hinter Basel und YB Rang 3. Und heute: «Wenn es Luzern kann, auf Junge zu setzen, dann kann es GC auch», so Sforza.
Der Ex-Nati-Spieler sieht diese Problematik aber nicht nur bei GC. «Wenn Thun 15 Punkte und mehr vor dem Rest liegt, müssen sich die anderen schon fragen, was sie alles falsch gemacht haben.» Für Sforza wird generell zu selten auf junge Schweizer Spieler gesetzt, obwohl sich gerade auch in der Challenge League viele Talente tummeln würden. «Wir müssen wieder mehr Spieler entwickeln. Denn dass ein Schweizer Klub wie einst GC und Basel in der Champions League eine gute Rolle spielen kann, können wir vergessen.»
Stephan Schwarz: Stadion als «Totengräber»
Den Worten Sforzas pflichtet auch Stephan Schwarz (55) bei. Ein gutes Jahr war der Deutsche Sportchef bei den Hoppers, ehe er Anfang Mai letzten Jahres durch Sutter ersetzt wurde. «Als ich bei GC übernahm, hatte die Nachwuchsarbeit keinen grossen Wert mehr. Das Ganze war ein Selbstbedienungsladen, dabei ist es das grösste Faustpfand des Klubs», sagt Schwarz. Von einer guten Talentförderung würden auch die Besitzer des LAFC profitieren, die ansonsten «immer nur Geld reinpumpen».
Dass sich die Amerikaner nur bedingt für den Klub interessieren, verneint er. «Wir hatten wöchentlich einen guten Austausch. Aber sie gaben das Geld natürlich auch nicht im Überfluss aus.» Allein das strukturelle Defizit der Hoppers beträgt pro Saison 10 bis 15 Millionen Franken. «Dann ist aber erstmal alles bezahlt, aber noch nichts investiert», so Schwarz. Dass einige die Tatsache kritisch sehen, dass GC Teil eines Multi-Club-Ownership-Konstrukts ist, kann Schwarz nachvollziehen. Der Vorteil sei aber, dass Synergien genutzt werden können wie das aktuell mit Asp Jensen und Zvonarek von Bayern der Fall sei. «Letztlich gibt aber der Erfolg einem Konstrukt recht oder nicht.»
Der Hauptgrund für die Misere ist für ihn, der zuletzt ein kurzes Intermezzo als Geschäftsführer bei Ulm gab, aber das Stadion. «Der Letzigrund ist der Totengräber für beide Zürcher Vereine», ist Schwarz überzeugt. Um mittelfristig konkurrenzfähig zu bleiben, brauche Zürich ein reines Fussballstadion – wie Basel, Bern, St. Gallen oder Luzern. «Das ist die Basis. Das gäbe den Mitarbeitern ein Ziel. Und dann würde ein Fussballspiel auch in Zürich zu einem Event werden.»
Wann der Spatenstich erfolgt, steht noch immer in den Sternen. Bis dahin muss sich GC über Wasser halten. Schwarz würde sich wünschen, dass endlich einmal Stabilität und Kontinuität in den Klub reinkommen würde. «Die Fluktuation in den letzten Jahren ist krass, schlicht Wahnsinn.» Sutter ist der dritte Sportchef, Messner der fünfte Trainer in den letzten drei Saisons. Auch das Kader wird regelmässig umgekrempelt. «Im Sommer brach der Jugendwahn aus, im Winter folgte die Kehrtwende. Es ist ein brutal zusammengewürfelter Haufen», so Schwarz. Für ihn ist das der zweite Grund, warum man seit Jahren an Ort und Stelle tritt. «Wenn man sich zu etwas bekennt, dann sollte man es endlich auch einmal durchziehen.»
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Thun | 32 | 36 | 71 | |
2 | FC St. Gallen | 31 | 23 | 56 | |
3 | FC Lugano | 32 | 11 | 54 | |
4 | FC Basel | 32 | 8 | 53 | |
5 | BSC Young Boys | 32 | 5 | 47 | |
6 | FC Sion | 31 | 9 | 46 | |
7 | FC Luzern | 31 | 6 | 39 | |
8 | FC Lausanne-Sport | 32 | -7 | 39 | |
9 | Servette FC | 31 | -3 | 36 | |
10 | FC Zürich | 31 | -16 | 34 | |
11 | Grasshopper Club Zürich | 31 | -23 | 24 | |
12 | FC Winterthur | 32 | -49 | 19 |

