Als Waise geflohen, bei Benefizkick entdeckt
Das Märchen von FCSG-Neuzugang Moustapha Cissé

Moustapha Cissé heisst der neue Stürmer des FC St. Gallen. Der 20-Jährige hat in seinem Leben schon viel erlebt.
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Moustapha Cissé hat mit seinen 20 Jahren bereits viel erlebt.
Foto: Getty Images
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Lino DieterleRedaktor Online Sport

Am 20. März 2022 reibt sich Italiens Fussball ob dem neuen Stürmer des FC St. Gallen verwundert die Augen. Der damals 18-jährige Moustapha Cissé trifft bei seinem Serie-A-Debüt für Atalanta zum 1:0-Sieg. Das Aussergewöhnliche: Cissé wurde erst vier Wochen davor verpflichtet, kickte zuvor für das Flüchtlingsteam ASD Rinascita Refugees in der achthöchsten italienischen Liga.

Cissé war nach einer Reihe von Schicksalsschlägen als 16-jähriges Waisenkind aus Guinea geflüchtet. In der Region Salento, dem Absatz des italienischen Stiefels, begann er dank des sogenannten «Siproimi»-Projekts, das sich um Personen mit Anspruch auf internationalen Schutz und unbegleitete ausländische Minderjährige kümmert, für das Flüchtlingsteam zu kicken. Deshalb stand er auch bei einem Benefizspiel gegen den Zweitligisten US Lecce auf dem Platz – wo ihn Scouts von Atalanta Bergamo entdeckten.

Auf Traumstart folgt die Stagnation

Offiziell trat Cissé am 22. Februar in die Jugendabteilung der Bergamasken ein. Und weil sich vier Wochen später die Verletzungshexe bei Atalanta eingenistet hatte, griff Kult-Trainer Gian-Piero Gasperini auf den guineischen Rohdiamanten im Angriff zurück – und Cissé konnte seine Geschichte vorerst mit dem ersten (und bislang einzigen) Serie-A-Tor krönen. Cissés damalige Teamkollegen – zu denen auch Remo Freuler gehörte – trugen den Helden des Abends danach auf Händen.

«Moustapha brach die Schule ab und verliess Guinea auf der Suche nach einem besseren Leben. Damals war er 16 Jahre alt, orientierungslos, verängstigt. Er wusste nicht, was er tun sollte», erklärte der Präsident von Rinascita Refugees, Antonio Palma, nach Cissés Serie-A-Debüt in der «Gazzetta dello Sport».

Auf den Traumstart folgte jedoch die sportliche Ernüchterung. Ein kometenhafter Aufstieg blieb aus. Leihwechsel zu Pisa und Südtirol in die Serie B waren nicht von Erfolg gekrönt.

Seit vergangenem Donnerstag steht Cissé beim FC St. Gallen unter Vertrag. Ob er sein Märchen in der Ostschweiz weiterschreibt? Das bleibt abzuwarten. 

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