Darum gehts
- Rubén Vargas ist Teil des tiefreligiösen Spielernetzwerks Fussball mit Vision
- Die Gruppe nutzt das Millionenpublikum der WM, um ihren Glauben zu verbreiten
- An der WM sind weitere evangelikale Netzwerke aktiv, die Spuren führen zu BVB-Star Felix Nmecha
Nach dem Treffer sinkt er auf die Knie. Nati-Stürmer Rubén Vargas (27) hebt die Hände zum Himmel, gerade eben hat er zum 1:0 gegen Kanada getroffen. Die Schweiz ist erlöst. Und mit seiner Pose macht Vargas klar: Nicht ihm selbst gebührt der Ruhm, sondern allein Gott.
Religiöse Jubelgesten – auch islamische – sind nichts Neues an internationalen Turnieren. Und doch scheinen sie an dieser Fussball-WM so allgegenwärtig wie schon lange nicht mehr. Das ist nicht nur Zufall.
Missionierungskampagne während der WM
Evangelikale Missionierungsnetzwerke haben für die WM gezielt Kampagnen gestartet, um ihre Botschaften vor einem Millionenpublikum zu platzieren. Teil eines dieser Netzwerke ist auch Rubén Vargas.
Der Nati-Stürmer engagiert sich bei Fussball mit Vision. Die in Deutschland gegründete Vereinigung von aktiven und ehemaligen Profikickern will den Fussball zur Bühne für ihren Glauben machen.
Federführend ist neben Vargas BVB-Star Felix Nmecha (25). In den Gruppenspielen formte er auf dem Feld zusammen mit Spielern von Curaçao einen Gebetskreis. Die Bilder gingen um die Welt. Was aussah wie eine spontane Geste, war eine geplante Aktion.
Online-Bibelstunden mit BVB-Star
Angesprochen auf den Gebetskreis, sagte Vargas an einer Medienkonferenz: «Ich kenne Felix, wir haben manchmal auch gemeinsame Calls, wo wir als Christen zusammenkommen.»
Diese Onlinemeetings finden im Rahmen von Fussball mit Vision statt. Kurz vor der WM 2026 ging das Netzwerk mit einer Kampagne in die Offensive: «Jesus my Goal», Jesus mein Ziel. Fussballspieler sollen mit ihrem Jubel ihren Glauben in die Welt tragen. Auf der Website schreibt Fussball mit Vision: «Wir möchten diese besondere Aufmerksamkeit rund um den Fussball nutzen, um auf etwas hinzuweisen, das grösser ist als jeder WM-Titel: die Hoffnung, die wir in Jesus Christus finden.»
«Jesus ist mein Retter»
Als prominente Köpfe der Aktion treten Vargas und Nmecha auf. In einem Video erklären sie: «Stell dir vor, du triffst, aber dein Jubel ist ganz anders. Wir wollen diesen Jubel auf den Fussballplatz bringen.» Dafür haben die Fussballer eine eigene Jubelgeste aus vier Handzeichen kreiert. Vargas sagt im Video: «Jesus ist mein Retter. Ihm verdanke ich alles.»
Das wachsende Netzwerk ist auch neben dem Platz aktiv. Es sucht gezielt Kontakt zu jungen Menschen in Schulen, Kirchen und Sportvereinen. Durch das Verteilen von sogenannten «Kicker-Bibeln» und durch Treffen mit Profifussballern soll Jugendlichen der Glaube vermittelt werden.
Über einen Shop verkauft Fussball mit Vision Sportkleider mit dem Logo von Jesus my Goal. Als Models posieren Felix Nmecha und Rubén Vargas. Zur Vereinigung dürfte der Nati-Stürmer durch seinen ehemaligen Teamkollegen beim FC Augsburg, Felix Uduokha (28), gekommen sein. Dieser ist Mitgründer und Vorstand des Netzwerks und brachte Vargas ab 2019 zum tiefen Glauben.
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Vorwürfe, die laufende WM für missionarische Zwecke zu missbrauchen, weist die Vereinigung zurück. «Wenn gläubige Spieler ihren Torerfolg nutzen, um Gott zu danken, ist das kein Missbrauch, sondern ein authentischer Ausdruck ihrer Überzeugung», sagt Ex-Fussballer und Fussball-mit-Vision-Chef Manuel Bühler. Die Spieler hätten das Recht, ihren Glauben öffentlich zu zeigen.
In jedem Fussballteam ein Spieler
Ähnlich wie Fussball mit Vision geht die britische ultrareligiöse Gruppe Ballers in God (BiG) vor. Sie vertreibt christliche Fanartikel und postet Glaubensbekenntnisse von prominenten WM-Fussballern an ihre 780’000 Followerinnen und Follower auf Instagram. Über ihre Mission schreibt Ballers in God: «Unser Ziel ist es, in jedem Fussballteam weltweit einen Spieler zu haben.»
Auch bei BiG führen die Spuren zu Felix Nmecha. Er war Gast im Ballers-in-God-Podcast und predigte bei Meetings. Wie weit Rubén Vargas Verbindungen zur Gruppe hat, ist unklar. Fakt ist, dass BiG auf Instagram die christlichen Jubelgesten von Rubén Vargas postete: das Kreuz, das er mit den Händen formte, und den Kniefall vor Gott. Vargas hat die Beiträge gelikt.
Auch den Gebetskreis nach dem Spiel zwischen Deutschland und Curaçao feierte Ballers in God auf seinen Kanälen. Die beteiligten Spieler sind Mitglied der Organisation.
Kontakte zu Fundamentalisten
Chef von Ballers in God ist der frühere englische Fussballprofi John Bostock (34), der Kontakte zur fundamentalistischen Awakening-Bewegung pflegt. Diese hält Homosexualität für eine krankhafte Abart und bietet Konversionstherapien an.
Felix Nmecha bezeichnete Bostock als seinen Mentor. Er geriet in die Kritik, nachdem er Homosexualität als Sünde bezeichnete und auf Instagram einen Beitrag teilte, der den in der LGBTQ-Gemeinschaft gängigen Begriff Pride mit dem Teufel verglich. Nmecha markierte zudem einen Beitrag mit «Gefällt mir», der den Satz enthielt: «Du kannst nicht homosexuell sein und in den Himmel kommen.» Später distanzierte er sich von den Aussagen.
Rubén Vargas fiel bisher nicht mit entsprechenden Äusserungen auf. Seinen Glauben trägt er aber aktiv an die Öffentlichkeit. In Zürich besucht er Predigten von ICF. Kritiker werfen der Freikirche sektenhafte Züge und Homophobie vor. ICF weist das zurück.
Vargas besucht ICF-Predigten
Vor einem Jahr liess sich Vargas für eine ICF-Konferenz von Freikirchen-Chef Leo Bigger interviewen. Dort erzählte er, dass ihm die Gottesdienste vor Ort fehlen würden. Online sei er aber oft dabei – «Gott sei Dank kann man das ICF ja live mitverfolgen.»
Vargas war für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Er bereitet sich in Vancouver (Kanada) auf den Achtelfinal der Nati am Dienstag vor. Als Tempomacher und Doppeltorschütze ist er ein wichtiger Leistungsträger der Mannschaft. Der Schweizerische Fussballverband (SFV) liess ausrichten, dass der persönliche Umgang mit Religion Privatsache der Spieler sei, solange nicht gegen Fifa-Regeln verstossen werde.
Religionsfreiheit auf dem Platz
Der Weltfussballverband verbietet vieles, darunter auch religiöse Slogans. Wer zum Beispiel das Trikot hinaufzieht, um Botschaften auf Kleidungsstücken darunter zu zeigen, wird bestraft. Gleichzeitig gilt auch auf dem Spielfeld Religionsfreiheit. Gebete und Glaubensgesten sind erlaubt, sofern sie das Spielgeschehen nicht verzögern.
Diesen Spielraum nutzen evangelikale Spieler: Sie knallen den Ball ins Netz. Und ihre Botschaft in die Welt.
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Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | Mexiko | 3 | 6 | 9 | |
2 | Südafrika | 3 | -1 | 4 | |
3 | Südkorea | 3 | -1 | 3 | |
4 | Tschechien | 3 | -4 | 1 |
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | Schweiz | 3 | 4 | 7 | |
2 | Kanada | 3 | 5 | 4 | |
3 | Bosnien und Herzegowina | 3 | -1 | 4 | |
4 | Katar | 3 | -8 | 1 |
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | Brasilien | 3 | 6 | 7 | |
2 | Marokko | 3 | 3 | 7 | |
3 | Schottland | 3 | -3 | 3 | |
4 | Haiti | 3 | -6 | 0 |
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | USA | 3 | 4 | 6 | |
2 | Australien | 3 | 0 | 4 | |
3 | Paraguay | 3 | -2 | 4 | |
4 | Türkei | 3 | -2 | 3 |
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | Deutschland | 3 | 6 | 6 | |
2 | Elfenbeinküste | 3 | 2 | 6 | |
3 | Ecuador | 3 | 0 | 4 | |
4 | Curacao | 3 | -8 | 1 |
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | Niederlande | 3 | 6 | 7 | |
2 | Japan | 3 | 4 | 5 | |
3 | Schweden | 3 | 0 | 4 | |
4 | Tunesien | 3 | -10 | 0 |
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | Belgien | 3 | 4 | 5 | |
2 | Ägypten | 3 | 2 | 5 | |
3 | Iran | 3 | 0 | 3 | |
4 | Neuseeland | 3 | -6 | 1 |
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | Spanien | 3 | 5 | 7 | |
2 | Kap Verde | 3 | 0 | 3 | |
3 | Uruguay | 3 | -1 | 2 | |
4 | Saudi Arabien | 3 | -4 | 2 |
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | Frankreich | 3 | 8 | 9 | |
2 | Norwegen | 3 | 1 | 6 | |
3 | Senegal | 3 | 2 | 3 | |
4 | Irak | 3 | -11 | 0 |
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | Argentinien | 3 | 7 | 9 | |
2 | Österreich | 3 | 0 | 4 | |
3 | Algerien | 3 | -2 | 4 | |
4 | Jordanien | 3 | -5 | 0 |
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | Kolumbien | 3 | 3 | 7 | |
2 | Portugal | 3 | 5 | 5 | |
3 | Demokratische Republik Kongo | 3 | 1 | 4 | |
4 | Usbekistan | 3 | -9 | 0 |
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | England | 3 | 4 | 7 | |
2 | Kroatien | 3 | 0 | 6 | |
3 | Ghana | 3 | 0 | 4 | |
4 | Panama | 3 | -4 | 0 |

