Darum gehts
- Miro Muheim erzielt für den HSV zwei späte Siegtore in Folge und wird in Hamburg gross gefeiert
- Nach Adduktorenproblemen verpasst Muheim den Saisonstart, der HSV verliert dreimal mit 0:12 Toren
- Muheims Vertrag läuft im Sommer aus, vom HSV gibt es bisher kein neues Angebot zur Verlängerung
«Man kann nicht erwarten, dass ich das jede Woche mache», sagt Miro Muheim (28) mit einem breiten Grinsen. Der gebürtige Zürcher verzaubert mit seinem linken Fuss gerade den Hamburger SV. Die Lobeshymnen von Mitspielern, Trainer und deutscher Presse überschlagen sich. Muheim ist in der norddeutschen Metropole der Mann der Stunde.
30 Spiele hat der Schweizer beim HSV warten müssen, um sein erstes Tor in der Bundesliga zu erzielen – und dann tut er es gleich zweimal in Folge. In Hoffenheim entscheidet der 28-Jährige das Spiel mit einem Assist und einem platzierten Weitschuss in der 94. Spielminute. Eine Woche später trifft er am vergangenen Samstag im eigenen Stadion in der 88. Spielminute noch spektakulärer aus der Distanz zum Sieg. Miro Muheim wird zu Miro Boomheim.
«Unglaublich schöne Momente nach schwieriger Phase»
«Ich weiss, dass ich einen guten Schuss habe. Man merkt, wenn man den Ball gut trifft, und ich habe ihn sehr, sehr gut getroffen», sagt er ein paar Tage später über seinen Kracher mit dem linken Fuss.
Dass Muheim derart im Mittelpunkt der höchsten deutschen Liga steht, hatte man noch vor ein paar Wochen nicht erwarten können. Mit einer Verletzung kommt der Nati-Verteidiger von der WM in Nordamerika zurück, Adduktorenprobleme plagen ihn in der Vorbereitung. Deshalb sagt Muheim jetzt auch rückblickend: «Das sind nun unglaublich schöne Momente nach einer schwierigen Phase mit der Verletzung.» Von der Tribüne muss er zuerst zuschauen, wie seine Teamkollegen einen Horrorstart in die Saison hinlegen: drei Niederlagen, 0:12 Tore.
Abstellgleis und kein Angebot für Vertragsverlängerung
In der Öffentlichkeit wird er im Sommer aufs Abstellgleis geschrieben. Die einen Medien verkünden, dass er weg will, die anderen, dass er weg soll. Nach Jahren als Stammspieler auf der Position des linken Verteidigers wird stattdessen das zum Saisonstart noch 16-jährige Toptalent Louis Lemke in den Himmel gelobt. Zudem verpflichtet der Klub mit dem norwegischen Nationalspieler David Moller Wolfe einen weiteren Konkurrenten auf dieser Position.
Doch Muheim liess sich davon nie aus der Ruhe bringen – und spielt nun auf der ungewohnten Position des Mittelfeldspielers gross auf, auch weil sich Captain Nicolai Remberg einen Kreuzbandriss zugezogen hat. Wie es mit dem Zürcher beim HSV weitergeht, ist dennoch mehr als unklar. Im nächsten Sommer läuft sein Vertrag bei den Hamburgern aus.
Blick weiss: Von Klubseite gibt es schon den ganzen Sommer keinerlei Signale, dass man den auslaufenden Vertrag verlängern möchte. Ob sich das nun ändert? «Ich versuche jeden Tag zu zeigen, dass ich wertvoll bin für den HSV. Mein Vertrag läuft aus, was danach passiert, werden wir schauen», sagt Muheim vielsagend dazu. Klar ist: Verzaubert er die Liga weiterhin so mit seinem linken Fuss, muss er sich um einen künftigen Arbeitgeber keinerlei Sorgen machen.