Die Ecole Geisendorf in Genf. Ein paar Gehminuten vom Bahnhof Cornavin entfernt im Quartier de la Servette. Es ist ein Samstag Ende Mai. Die Vögel zwitschern. Ein paar Kinder sind auf dem kleinen Feld mit den beiden Eisentoren am Fussballspielen, ein paar Fussgänger flanieren über den Pausenplatz oder setzen sich in den Schatten der Bäume auf eine Parkbank an diesem herrlichen Frühsommertag.
Blick trifft sich zum Interview und Fotoshooting mit Johan Manzambi (20). 60 Stunden zuvor hat er mit Freiburg den Europa-League-Final in Istanbul gegen Aston Villa verloren (0:3). «Klar ist die Niederlage bitter, aber sie waren besser.» Von der grossen Enttäuschung ist nicht mehr viel zu spüren. Denn der Youngster hat den Blick bereits wieder nach vorne gerichtet. Auf die WM in den USA, Kanada und Mexiko, auch für Manzambi das Nonplusultra und das bisher grösste in seiner noch jungen Karriere.
Seine ersten WM-Erinnerungen gehen auf das Jahr 2010 zurück, auf Waka Waka, den offiziellen WM-Song von Shakira an der ersten Endrunde auf dem afrikanischen Kontinent. Vier Jahre später verfolgt er vor dem TV, wie Manuel Neuer das Torhüterspiel revolutioniert und Deutschland zum vierten WM-Titel führt. Der Bayern-Keeper hinterlässt beim kleinen Johan grossen Eindruck, zumal dieser als Knirps auch einmal im Tor gestanden ist. «Dies hat aber mein Vater und mein Bruder ziemlich genervt, dann habe ich es gelassen.»
50 Millionen Marktwert
Nun, wenn die Nati am Samstag gegen Katar in Santa Clara ins Turnier startet, wird er selbst die grösste Fussball-Bühne betreten. Und die Augen der Schweizer Fans werden vor allem auch auf ihn gerichtet sein. Denn die Chance ist gross, dass der Genfer wie bereits in den Testspielen gegen Jordanien (4:1) und Australien (1:1) von Beginn an spielen wird. Überraschen würde das nicht, denn Manzambi ist das grösste Versprechen im Schweizer Fussball und einer, der mit seiner Spielweise die Fantasien weckt. «Die Schweiz kann froh sein, einen Spieler wie ihn zu haben», sagt Nati-Kollege Denis Zakaria, der ebenfalls in Genf aufgewachsen ist.
Auf 50 Millionen Euro schätzt das Portal Transfermarkt den Marktwert Manzambis. Tendenz: rasant steigend. Den Spieler selbst lassen die kolportierten Summen und Gerüchte kalt. «Mir ist egal, wie hoch mein Marktwert ist», sagt Manzambi, dessen Vertrag bei Freiburg noch bis 2030 läuft. «Die Summe zeigt mir einfach, dass ich meine Sache gut gemacht habe.» Wohin sein Weg führen wird, interessiert ihn in diesem Moment nicht. «Mein Bruder und mein Berater kümmern sich darum, damit ich mich nur auf den Fussball konzentrieren kann.» Sein Fokus ist klar: Er und die Nati wollen in den nächsten Wochen Grosses erreichen. Das Ziel? «Ich weiss gar nicht, ob ich das sagen darf», sagt er schüchtern. Die beste WM der SFV-Geschichte soll es werden.
Enge Familienbande
Ein älteres Paar bleibt stehen und beobachtet das Fotoshooting, das in der Schule stattfindet, wo Manzambi einst in die Primarschule gegangen ist. Die ältere Dame erzählt voller Stolz, dass ihre Enkelin im FCZ-Nachwuchs Fussball spielt. Dass ihr dabei das derzeit grösste Schweizer Talent gegenübersteht, ist ihr offensichtlich nicht bewusst. Bei den Kindern spricht sich allerdings schnell herum, dass der berühmteste Fussballer des Quartiers wieder einmal auf Heimatbesuch ist. Sie bitten um Selfies und Autogramme. Und später wird auch für ein Gruppenfoto posiert.
Den Treffpunkt für den Termin hat Manzambi nicht zufällig ausgewählt. «Ich bin hier aufgewachsen. Auch wenn sich viel verändert hat, habe ich sehr viele schöne Erinnerungen an diesen Ort», sagt er lächelnd. «Und auf diesem Feld habe ich viele Tore geschossen.» Noch immer wohnen seine Eltern in diesem Quartier. Sein Vater stammt aus Angola, seine Mutter aus der Demokratischen Republik Kongo. Zusammen wandern die beiden in die Schweiz aus, wo sie vier Kinder grossziehen. Die Familie ist auch heute noch eng verbunden und für Johan neben dem Glauben der Kraftort, wenn er einmal ein paar freie Tage hat. «Sie schaut auch, dass ich auf dem Boden bleibe.» Auch in den USA und Kanada werden seine Geschwister und Eltern ihn begleiten.
Schwester Jalene Manzambi (32) wohnt auch in der Nähe. Sie ist die älteste der vier Geschwister. Ihre Kinder gehen hier zur Schule und haben teils dieselben Lehrer, die bereits Johan gehabt hatte. Wie war ihr kleiner Bruder als Kind? «Er hatte sehr viel Energie», sagt Jalene und lacht. «Es gingen mehrere Glühbirnen zu Bruch. Und morgens um 7 Uhr hat er mich jeweils genervt, als er bereits wieder Fussball spielte, während ich ausschlafen wollte.»
Johan selbst muss lachen, als er hört, wie seine Schwester ihn charakterisiert. «Ich glaube, wir haben da verschiedene Ansichten.» Er habe nicht mehr Energie gehabt als andere Kinder. «Ich war ganz normal. Und ich war sicher nicht der Einzige, bei dem Glühbirnen zu Bruch gegangen sind.» Die Eltern nahmen den Schaden gerne in Kauf, vor allem der Vater, der einst in Afrika selbst Fussball gespielt hatte und später Schiedsrichter war. Von ihm habe er die Gelassenheit, sagt Johan. «Von meiner Mutter die Disziplin – und dass ich mich immer gut und gesund ernähre.»
Aussergewöhnliches Bewegungstalent
Auch Holly Manzambi (29) spielte Fussball. Doch dass sein kleiner Bruder das grössere Bewegungstalent ist, merkt er schon früh. «Jo konnte schon mit neun Monaten gehen. Und er war noch keine zwei Jahre alt, da hat er, als man ihm den Ball zugeworfen hat, diesen schon zurückgekickt.» Wenn Holly später dem neun Jahre jüngeren Jo mit dem Ball etwas vorgemacht hat, konnte dieser das im Nu auch. «Und zwar noch besser.»
Etwas, das sich Johan bewahrt hat und besonders auffällig ist, ist seine Vielseitigkeit – auch jetzt als Profi. Ob als defensiver Mittelfeldspieler, als Nummer 8, als Spielmacher, Flügel oder sogar Mittelstürmer, der 1,83 m grosse Schlaks kann jede Position spielen. Er selbst sieht sich als Box-to-Box-Spieler. Auch Holly Manzambi sagt: «Seine beste Position ist diejenige als Nummer 8, weil dort alle seine Stärken am besten zum Zug kommen.»
Physis, Technik, Spielverständnis, Johan Manzambi bringt enorm viel mit. Kein Wunder haben sich Top-Klubs wie Real Madrid, Manchester United oder Galatasaray Istanbul schon nach ihm erkundigt. «Bei Freiburg geniesst er gewisse Freiheiten, welche er bei einem grösseren Klub nicht haben würde», sagt Holly Manzambi. «Dort müsste er eine spezifische Rolle akzeptieren.»
Rasanter Aufstieg in 14 Monaten
Manzambis Entwicklung hört sich märchenhaft an. Im Januar 2023 verlässt er seine Heimat in Richtung Freiburg, weil er im Breisgau bessere Entwicklungsmöglichkeiten sieht als bei seinem Jugendklub Servette. Bis vor 14 Monaten ist der Genfer aber nur Insidern ein Begriff. Zwar ist er im Kader des SC Freiburg, doch bis Mitte April 2025 bringt es Manzambi bei den Breisgauern gerade einmal auf 35 Minuten in der Bundesliga. Doch dann geht alles sehr schnell: In Gladbach schiesst er sein erstes Bundesliga-Tor, eine Woche später steht er erstmals in der Startaufstellung. Und gibt seinen Platz nicht mehr her.
Die Folge: Bei der Testspiel-Reise der Nati im Juni 2025 in die USA ist Manzambi erstmals mit dabei – und schlägt auch da sofort ein. Im zweiten Spiel gegen den Gastgeber spielt er von Anfang an und erzielt gleich sein erstes Tor in der Nati. Noch muss sich der Shootingstar allerdings gedulden. In der Quali bringt ihn Yakin nur als Joker, so auch in Genf, seiner Heimatstadt, gegen Schweden, als Manzambi wenige Minuten nach seiner Einwechslung zum 4:1 trifft. Es ist bis heute das aus seiner Sicht schönste Tor, «weil es vor meinen Freunden, meiner Familie, in meiner Stadt war».
Ein gutes halbes Jahr später ist Manzambi einer der grossen Hoffnungsträger der Nati, die in den nächsten Wochen Grenzen verschieben will. In den USA, dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Gerade auch für Johan Manzambi scheint es keine Limiten zu geben. «Ich gebe einfach mein Bestes», sagt er, bevor er sich verabschiedet. Wie damals in seiner Kindheit, auf dem kleine Fussballfeld der Ecole Geisendorf.
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Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | Mexiko | 1 | 2 | 3 | |
2 | Südkorea | 0 | 0 | 0 | |
3 | Tschechien | 0 | 0 | 0 | |
4 | Südafrika | 1 | -2 | 0 |
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | Kanada | 0 | 0 | 0 | |
2 | Bosnien und Herzegowina | 0 | 0 | 0 | |
3 | Katar | 0 | 0 | 0 | |
4 | Schweiz | 0 | 0 | 0 |
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | Brasilien | 0 | 0 | 0 | |
2 | Marokko | 0 | 0 | 0 | |
3 | Haiti | 0 | 0 | 0 | |
4 | Schottland | 0 | 0 | 0 |
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | USA | 0 | 0 | 0 | |
2 | Paraguay | 0 | 0 | 0 | |
3 | Australien | 0 | 0 | 0 | |
4 | Türkei | 0 | 0 | 0 |
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | Deutschland | 0 | 0 | 0 | |
2 | Curacao | 0 | 0 | 0 | |
3 | Elfenbeinküste | 0 | 0 | 0 | |
4 | Ecuador | 0 | 0 | 0 |
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | Niederlande | 0 | 0 | 0 | |
2 | Japan | 0 | 0 | 0 | |
3 | Schweden | 0 | 0 | 0 | |
4 | Tunesien | 0 | 0 | 0 |
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | Belgien | 0 | 0 | 0 | |
2 | Ägypten | 0 | 0 | 0 | |
3 | Iran | 0 | 0 | 0 | |
4 | Neuseeland | 0 | 0 | 0 |
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | Spanien | 0 | 0 | 0 | |
2 | Kap Verde | 0 | 0 | 0 | |
3 | Saudi Arabien | 0 | 0 | 0 | |
4 | Uruguay | 0 | 0 | 0 |
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | Frankreich | 0 | 0 | 0 | |
2 | Senegal | 0 | 0 | 0 | |
3 | Irak | 0 | 0 | 0 | |
4 | Norwegen | 0 | 0 | 0 |
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | Argentinien | 0 | 0 | 0 | |
2 | Algerien | 0 | 0 | 0 | |
3 | Österreich | 0 | 0 | 0 | |
4 | Jordanien | 0 | 0 | 0 |
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | Portugal | 0 | 0 | 0 | |
2 | Demokratische Republik Kongo | 0 | 0 | 0 | |
3 | Usbekistan | 0 | 0 | 0 | |
4 | Kolumbien | 0 | 0 | 0 |
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | England | 0 | 0 | 0 | |
2 | Kroatien | 0 | 0 | 0 | |
3 | Ghana | 0 | 0 | 0 | |
4 | Panama | 0 | 0 | 0 |

