Tragödie jährt sich heute
Als im Heysel-Stadion eine Massenpanik 39 Tote forderte

Während Fans dem CL-Final von morgen Abend entgegenfiebern, ereignete sich heute vor 41 Jahren eine der schlimmsten Tragödien der Fussballgeschichte. Schauplatz damals wie heute: Das Endspiel des wichtigsten europäischen Wettbewerbs, das 39 Fans nicht überlebten.
Kommentieren
1/5
Am 29. Mai 1985 ereignete sich im Heysel-Stadion eine der grössten Tragödien der Fussballgeschichte.
Foto: Keystone

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Heysel-Katastrophe 1985: 39 Tote im Champions-League-Final Juventus gegen Liverpool
  • Schweizer Schiri André Daina pfiff Spiel trotz Tragödie an
  • Über 450 Verletzte, 14 Liverpool-Hooligans erhielten Gefängnisstrafen
Alexander_Hornstein_SEO Specialist_RMS.png
Alexander HornsteinSEO-Redaktor

Juventus Turin oder der FC Liverpool? Die Rede ist nicht vom Champions-League-Final 2026, sondern von jenem im Jahr 1985. Am damaligen 29. Mai standen sich die beiden Mannschaften im Brüsseler Heysel-Stadion gegenüber, doch das Sportliche rückte schnell in den Hintergrund.

Alles begann mit einem korrupten Funktionär, über den Reisebüros Tickets erhielten. Massenhaft gelangten wiederum Juventus-Fans an diese Billets – und verschafften sich so Zugang zum Block Z, der eigentlich für neutrale Zuschauer vorgesehen war. Direkt daneben befanden sich die Liverpool-Anhänger. Getrennt wurden die beiden Bereiche damals lediglich durch einen Maschendrahtzaun.

Liverpooler Hooligans stürmten Block Z

Beide Fanlager deckten sich gegenseitig mit Sprechgesängen ein, dann flogen Dosen, Feuerwerkskörper und Steine aus den maroden Wänden des Stadions, das die Uefa-Prüfung am Vorabend gar nicht bestanden hatte. Als sich daraufhin die lediglich acht dazwischen positionierten Polizisten zurückzogen, bliesen die teils stark alkoholisierten Engländer zum Angriff.

Die in Panik geratenen Zuschauer in Block Z flohen daraufhin in Richtung Spielfeld, wo die Absperrungen zunächst hielten und die Polizei die Masse nicht auf den Rasen liess. Versperrte Ausgänge und eine Mauer zum nächsten Sektor blockierten zwei weitere Fluchtwege. Die Tragödie nahm ihren Lauf.

Externe Inhalte
Möchtest du diesen und weitere externe Beiträge (z.B. Instagram, X und anderen Plattformen) sehen? Wenn du zustimmst, können Cookies gesetzt und Daten an externe Anbieter übermittelt werden. Dies ermöglicht die Anzeige externer Inhalte sowie von personalisierter Werbung. Deine Entscheidung gilt für die gesamte App und ist jederzeit in den Einstellungen widerrufbar.

39 Todesopfer und Hunderte Verletzte

Besagte Mauer stürzte irgendwann unter dem Druck der panischen Fans ein und begrub einige unter sich. Andere stürzten in die Tiefe, der Grossteil wurde unter zig anderen Menschen begraben. Als Juve-Anhänger vom anderen Ende des Stadions zum Gegenangriff ansetzten, wurden sie von der Polizei aufgehalten, wodurch sich die Tumulte noch vergrösserten.

Am nächsten Tag sollte die ungeheure Anzahl von 39 mehrheitlich italienischen Todesopfern und über 450 Verletzten die traurige Bilanz des Finals sein.

Schweizer Schiri pfiff Partie dennoch an

Unglaublich, aber wahr: Die Partie wurde trotzdem ausgetragen. Rund 90 Minuten nach dem geplanten Anpfiff eröffnete der Schweizer Schiedsrichter André Daina das Spiel. Auch wenn das gesamte Ausmass der Tragödie zum damaligen Zeitpunkt noch unbekannt war, begannen bereits erste Vertuschungsversuche.

«Uns Spielern wurde die Wahrheit ja verschwiegen. Uns wurde von zwei, drei Toten erzählt. Wir mussten uns in der Kabine nur warmhalten» gab Michel Platini, damaliger Juve-Spieler und einziger Torschütze, zu Protokoll.

Im Nachgang der Tragödie wurden englische Vereine mit einer fünfjährigen, der LFC mit einer sechsjährigen Sperre an europäischen Klubwettbewerben belegt. Der Generalsekretär des belgischen Verbandes und der Polizeichef erhielten (bedingte) Gefängnisstrafen, ebenso wie 14 Liverpool-Hooligans. Auch der damalige Uefa-Generalsekretär Hans Bangerter, wie Daina ebenfalls Schweizer, wurde verurteilt – zu einer Bewährungsstrafe von drei Monaten und einer Geldbusse.

Zusammen mit anderen Tragödien wie jener im englischen Hillsborough vier Jahre später zählt die Heysel-Katastrophe bis heute zu den dunkelsten Stunden in der Geschichte des Fussballs.

In diesem Artikel erwähnt
Was sagst du dazu?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen