Darum gehts
- Serbische Fans ehren Kriegsverbrecher Ratko Mladić vor Belgrad-Derby mit Schweigeminute
- Roter Stern und Partizan-Anhänger applaudieren und stimmen Sprechgesänge an
- Mladić wurde aufgrund seiner Kriegsverbrechen zu lebenslanger Haft verurteit
Serbische Fussballfans haben vor dem Derby zwischen Roter Stern Belgrad und Partizan des verurteilten Kriegsverbrechers Ratko Mladić (†84) gedacht. Ausgerechnet bei diesem Anlass waren sich die sonst verfeindeten Anhänger beider Klubs einig: Sie hielten eine Schweigeminute ab, die von lautem Applaus begleitet war. Wie serbische Medien berichten, beendete der Stadionsprecher die Szene mit den Worten: «Möge ihm ewige Herrlichkeit zuteilwerden.»
Verantwortlich für Kriegsverbrechen
Mladić ist Ende August in einem Gefängnis verstorben. Dort verbüsste er eine lebenslange Haftstrafe wegen Völkermords, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit während des Bosnien-Krieges zwischen 1992 und 1995. Unter anderem wird er für das Massaker von Srebrenica, bei dem mehr als 8000 bosnische Muslime getötet wurden und das als grösstes Kriegsverbrechen auf europäischem Boden seit Ende des Zweiten Weltkriegs gilt, verantwortlich gemacht.
«Verherrlichung von Kriegsverbrechern»
Trotz seiner Verbrechen wird Mladić in Teilen Serbiens verehrt. So wurde er auch mit einer militärischen Zeremonie beigesetzt, an der Tausende teilnahmen. Die EU verurteilte die «Verherrlichung von Kriegsverbrechern».
Beim Belgrad-Derby drückten die Roter-Stern-Fans ihre Sympathie für Mladić mit einer grossen Choreografie aus. Zudem ertönten Sprechchöre beider Fanlager mit seinem Namen. Roter Stern Belgrad veröffentlichte in den sozialen Medien einen Beitrag, der die Szene vor dem Anpfiff zeigte.
So reagiert die Uefa
Die Uefa hat sich zur Gedenkminute bislang noch nicht geäussert. Jedoch hatte der europäische Fussballverband bereits vorletzte Woche reagiert, als die Roter-Stern-Fans im Europa-League-Spiel gegen Viktoria Pilsen ein Mladić-Banner gezeigt hatten. Darauf stand geschrieben: «General, ewige Ehre und Dankbarkeit.»
Laut der Nachrichtenagentur Hina leitete die Uefa daraufhin Ermittlungen gegen den Klub ein. Unter anderem wegen rassistischen oder diskriminierenden Verhaltens, der Veröffentlichung einer für eine Sportveranstaltung ungeeigneten Botschaft und unangemessenen Verhaltens.


