Darum gehts
- Infantino entschuldigt sich für die Kommunikation beim WM-Rechte-Projekt
- Europäische Vertreter bleiben kritisch und verlangen Antworten
- Ein Gegenkandidat fehlt vor der Präsidentschaftswahl im März
Gianni Infantino (56) entschuldigt sich am Donnerstag beim Fifa-Rat für seinen erfolglosen Versuch, Teile der WM-Rechte an private Investoren zu verkaufen. Zudem erklärt er in einem öffentlichen Videostatement: «Ich entschuldige mich für die Kommunikation im Prozess.» Und er sagt: «Was aber auch wichtig ist, zu erinnern: Es war ein Vorschlag und in keinster Weise ein fertiger Deal.»
Seit dem gescheiterten Projekt, bei dessen Planung das höchste Entscheidungsgremium nicht einbezogen wurde, steht der Fifa-Präsident heftig unter Beschuss. Das Projekt soll endgültig eingestellt worden sein.
Des Weiteren war auch der umstrittene Fifa-Friedenspreis, den US-Präsident Donald Trump (80) im letzten Dezember erhalten hat, Thema. Ob die Auszeichnung ein zweites Mal vergeben werden wird, ist offen. Ein Komitee soll den Award bewerten, ehe der Rat das Thema im Dezember erneut besprechen wird.
Europa bleibt kritisch
Laut «The Athletic» kam Infantino mit seiner Entschuldigung durchaus gut an. «Die Mehrheit will, dass Gianni Infantino bleibt. Er hat sich für seinen Alleingang entschuldigt», erklärt Ahmed Yahya (50), Präsident des mauretanischen Fussballverbands.
Anders siehts bei den europäischen Vertretern aus. «Es hat sich für mich nichts verändert», sagt Debbie Hewitt (63), Präsidentin der englischen FA. «Ich habe keine neuen Informationen, ausser dass uns versprochen wurde, die geforderten Informationen zu erhalten.» Die geforderten Antworten, zum Beispiel zum Privatisierungsversuch, liessen weiter auf sich warten. «Er muss unsere Fragen beantworten, sonst ist er als Präsident nicht geeignet.»
Auch DFB-Präsident Bernd Neuendorf (65), der unlängst vehement Infantinos Rücktritt forderte, bleibt bei seiner kritischen Haltung: «Die gesamte Führungsstruktur muss reformiert werden. Aber mir ist ziemlich klar, dass dies mit Gianni als Verantwortlichem nicht möglich ist. Wir brauchen einen kompletten politischen Neustart – eine neue Person.»
Noch immer fehlt ein offizieller Gegenkandidat für die Wahl am 18. März im marokkanischen Rabat. Sowohl Hewitt als auch Neuendorf zeigen sich dennoch zuversichtlich, dass sich bis zum Ende der Bewerbungsfrist am 18. November jemand findet.