«Er reisst die Leute nicht mit»
Algerier kritisieren Ex-Nati-Trainer Petkovic – trotz Erfolg

Obwohl Vladimir Petkovic mit Algerien im Viertelfinal des Afrika-Cups steht, erntet er Kritik. Fans und Medien kritisieren seine Spielweise – und haben Mühe mit der Art des ehemaligen Nati-Trainers.
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Vladimir Petkovic ist mit Algerien beim Afrika-Cup.
Foto: keystone-sda.ch
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Björn LindroosRedaktor Sport

Eigentlich läufts bei Algerien und Trainer Vladimir Petkovic (62). Das Team des Ex-Nati-Trainers steht beim Afrika-Cup im Viertelfinal und hat sich für die Weltmeisterschaft von kommenden Sommer qualifiziert.

Und trotzdem ist man im nordafrikanischen Land nicht restlos überzeugt von Petkovic. Denn seine Art eckt an.

Den Algeriern fehlt die Leidenschaft. Während und nach den Spielen. Ausserdem sind sie kein Fan von seiner Spielweise. Es heisst, er würde nur das Mindeste tun. Mehr nicht. «Er verlässt sich auf erfahrene Spieler mit Namen und Lebensläufen. Das reicht für ordentliche Ergebnisse, aber nicht mehr», sagt ein algerischer Sportjournalist gegenüber der «NZZ». Und ein anderer: «Unser Team hat jüngst selten überzeugt. Wir schiessen zwar Tore, aber wir kassieren auch viel zu viele Gegentreffer.»

Probleme mit Captain Mahrez

Schon zu Beginn der Amtszeit im Februar 2024 hatte Petkovic einen schweren Stand. Er übernahm nach dem desaströsen Afrika-Cup in der Elfenbeinküste (Gruppen-Out als Letzter) und legte sich mit dem Superstar des Teams an.

Denn Petkovic liess den ehemaligen Premier-League-Star Riyad Mahrez (34) zu Hause, weil er dachte, dieser sei verletzt. Mahrez dementierte dies aber und meinte, er habe «weder vom Trainer noch vom Verband einen Anruf erhalten». Es gibt deutlich bessere Anfänge einer Amtszeit, als sich mit dem grossen Star zu zoffen.

Erinnerung an Nati-Zeit

Heute ist dieses Missgeschick bei Mahrez aber längst vergessen. Petkovic nahm den Fehler auf seine Kappe und erhält heute Lob vom Champions-League-Sieger und fünffachen englischen Meister. Das Spiel habe unter Petkovic «eine gute Ordnung bekommen», sagte er zuletzt. Und dankt mit wichtigen Toren. Wie jenes, das Algerien den Gruppensieg beim Afrika-Cup brachte.

Zufrieden sind sie in der Heimat aber immer noch nicht. Die Medien und Fans fremdeln mit Petkovic, wünschen sich mehr Emotionen. Es erinnert etwas an seine Amtszeit in der Schweiz. Denn obwohl er laut Punkteschnitt der beste Nati-Trainer aller Zeiten war, schaffte er es nie wirklich zu einem Fan-Liebling.

Petkovic fordert Support

Jetzt in Algerien ein ähnliches Bild. «Er reisst die Leute nicht mit. Wie soll er so ein Team motivieren?», so ein algerischer Journalist. Petkovic scheint die Zweifel zu spüren, vor dem Afrika-Cup wünschte er sich mehr Support aus der Heimat. Nur so könne man Erfolg haben. Und er soll Französisch gelernt haben, um besser kommunizieren zu können.

Am Samstag (17 Uhr) steht der Viertelfinal beim Afrika-Cup gegen Nigeria an. Zeit für Petkovic, es allen zu zeigen. Und eben mehr zu erreichen, als nur «das Mindeste». Bei einem Titelgewinn dürfte der ungeliebte Petkovic nämlich ein Nationalheld werden.

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